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American Association for the Advancement of ScienceFrühes laufendes Reptil war Zweifüßer,behaupten Science-Forscher
Lange bevor so manche Dinosaurier, Vögel und Menschen begannen, sich auf zwei Beinen durch die Welt zu bewegen, wurden sie auf dem Weg zur Startlinie der Zweifüßer von einem 290 Millionen Jahre alten Reptil überholt. In der Ausgabe vom 3. November der Zeitschrift Science berichtet ein internationales Forscherteam von der Entdeckung eines nahezu vollständigen Skeletts dieses frühen Läufers.
Das hervorragend erhaltene Fossil wurde in einem deutschen Steinbruch entdeckt und stellt eine neue Spezies, Eudibamus cursoris, dar. Es ist das älteste bekannte Mitglied der Parareptilia, eine Hauptgruppe primitiver Reptilien. Eudibamus scheint kein direkter Vorfahre späterer Reptilien - einschließlich einiger Dinosaurier - zu sein, die Körperhaltung und Gangart der Zweifüßer übernahmen.
Dies kann bedeuten, dass bei der Evolution der Reptilien mehrere bipedale Anpassungen unabhängig voneinander stattfanden, meinte Science-Mitverfasser Robert R. Reisz von der University of Toronto in Mississauga, Ontario, Kanada.
Das Eudibamus-Fossil ist nur 261 Millimeter groß, hat also ungefähr die gleiche Länge wie ein Blatt Papier. Es enthält jedoch eine Fülle von Hinweisen zu der ungewöhnliche Fortbewegungsart des Reptils. Die Skelettmerkmale deuten darauf hin, dass das Reptil sich flink auf zwei Beinen, wahrscheinlich auf den Zehen, fortbewegen konnte. Die Körperhaltung war aufrecht, und die Gliedmaßen wurden pendelartig und parallel zur Körperlängsachse bewegt. Diese Haltung ähnelt der Haltung von laufenden Menschen.
Eudibamus scheint der früheste bekannte Vierfüßer bzw. das früheste vierfüßige Wirbeltier mit dieser auffälligen Körperhaltung und Gangart zu sein.
In langsameren Momenten bewegte das Reptil sich wahrscheinlich vierfüßig, meinen die Science-Forscher. Selbst auf vier Beinen jedoch würde die auffällige Körperhaltung des Eudibamus zu einer Fortbewegungsart geführt haben, die sich von der ungestümen, mit angewinkelten Armen und Beinen der anderen Vierfüßer dieser Zeit unterschied.
Die Anhaltspunkte für die Annahme, dass das Reptil zweifüßig war, stammen von einer näheren Analyse der Proportionen der Arme und Beine des Eudibamus. Die oberen Gliedmaßen des Eudibamus sind im Vergleich zur Gesamtgröße relativ kurz, während die unteren Gliedmaßen relativ lang sind. Außerdem waren Schwanz und Füße des Reptils ungewöhnlich lang.
Diese Proportionen sind gewöhnlich Merkmale der Fortbewegung auf zwei Füßen, da längere Beine die Gesamtschrittlänge des Tiers vergrößert und die Geschwindigkeit erhöht. Eudibamus lief wahrscheinlich auf den Zehen und maximierte dadurch die Länge des Fußes und somit die Schrittlänge.
Der lange Schwanz diente möglicherweise als eine Art Ruder und glich die Schwerpunktverlagerungen des Tiers während der aufrechten, zweifüßigen Fortbewegung aus, behaupten die Science-Autoren.
Weitere Beweise für die Zweifüßigkeit liegen in der Stellung der Hüft-, Knie- und Fußgelenke im unteren Gliedmaßenbereich des Reptils. Die Oberflächen dieser Gelenke sind so angeordnet, dass die Beinknochen des Eudibamus eine gerade Linie darstellten, wenn die hinteren Gliedmaßen ganz gestreckt waren.
Mit dieser Ausrichtung konnten die Fuß- und Kniegelenke des Eudibamus nur in einer Ebene gebeugt und gestreckt werden. Dies ähnelt dem menschlichen Knie, das hauptsächlich vor und zurück, jedoch nicht seitlich bewegt wird.
Warum war Geschwindigkeit für dieses frühe Reptil so wichtig? Die Zähne des Eudibamus deuten darauf hin, dass es sich um einen Pflanzenfresser handelte; demnach brauchte es keine Beute zu jagen. Die Science-Autoren vermuten, dass das Eudibamus seine Sprinterqualitäten zum Schutz gegen Raubtiere einsetzte. Bei kürzlichen Ausgrabungen in der Steingrube wurde dann auch tatsächlich ein Fossil entdeckt, bei dem es sich um ein kleines Beutetier handeln könnte, sagt Reisz.
Das Eudibamus gehört zu einer Familie früher Reptilien, die im Vergleich zu ihren Zeitgenossen im frühen Perm (vor ca. 290 bis 268 Millionen Jahren) geografisch weit verbreitet waren. Der Forscher geht davon aus, dass die ungewöhnliche Kombination aus Ernährung und Bewegungsart möglicherweise zu seiner weiten Verbreitung beigetragen hat.
„Dieser Fund ist faszinierend, denn er bestätigt, dass die zweifüßige Fortbewegung als innovative Weiterentwicklung mehrmals stattgefunden hat - bei einigen Dinosauriern, ihren Vogelnachkommen und dann nochmals bei Säugetieren. Unter evolutionären Gesichtspunkten muss es sich demnach um eine gute Idee handeln," meint Reisz.
Reisz und seine Kollegen planen eine Fortsetzung der Ausgrabungen an dieser Stätte, an der bereits viele andere gut erhaltene Fossilien zum Vorschein gekommen sind.
„Es handelt sich um eine hervorragende Stätte, eine einzigartige Gegend," sagt Reisz.
„Und wir haben die Möglichkeit zu zeigen, dass Reptilien während des Paläozoikums, lange vor dem Erscheinen von Dinosauriern, einige interessante Entwicklungen durchlebt haben."
### Die anderen Mitglieder des Forschungsteams sind: D. S. Berman und A. C. Henrici, Carnegie National Museum of Natural History, Pittsburgh; D. Scott, University of Toronto in Mississauga, Ontario, Kanada; S. S. Sumida, California State University, San Bernadino; T. Martens, Museum der Natur Gotha, Gotha, Deutschland. Diese Arbeit wurde von den folgenden Instituten mit Forschungsmitteln gefördert: National Geographic Society, Natural Sciences and Engineering Council of Canada, Edward O'Neil Endowment Fund und M. Graham Netting Research Fund, Carnegie Museum of Natural History und Deutsche Forschungsgemeinschaft.
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