[ Back to EurekAlert! ] Public release date: 26-Feb-2008
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Arktischer Saatguttresor öffnet seine Türen für 100 Millionen Samen

Feierstunde fuer ein einzigartiges Projekt zur Erhaltung der globalen Landwirtschaft mit Weltpolitikern und Samen aus ueber 100 Laendern

Diese Veröffentlichung ist auch verfügbar auf Englisch, Französisch und Spanisch.

LONGYEARBYEN, NORWEGEN (26. FEBRUAR 2008) – Heute wurde der Svalbard Global Seed Vault (dt. „Svalbard globaler Saatgut Tresor“) auf der Insel Spitzbergen (Svalbard) am Polarkreis eröffnet. Zur Eröffnung wurden 100 Millionen Samen aus über 100 Ländern in der neuen Saatgutbank deponiert. Diese ersten Einlagerungen reichen von einzigartigen Sorten zentraler afrikanischer und asiatischer Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis, Weizen, Augenbohnen und Sorghum bis hin zu europäischen und südamerikanischen Varianten von Auberginen, Salat, Gerste und Kartoffeln. Somit stellen bereits diese ersten Einlagerungen in den „Saatguttresor“ die weltweit umfangreichste und vielfältigste Sammlung von Nutzpflanzensamen für die Nahrungsmittelerzeugung dar.

Der Norwegische Ministerpräsident, Jens Stoltenberg, schloss im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung die Anlage auf, und legte gemeinsam mit der afrikanischen Umweltaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai die ersten Samen hinein. Gleiches taten der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, Landwirtschaftsexperten und zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Norwegische Musiker und ein Chor begleiteten die Veranstaltung, die 130 Meter tief im gefrorenen Berg stattfand.

Der Saatguttresor, der in der Nähe der Stadt Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen errichtet wurde, enthält nun direkt nach seiner Eröffnung 268.000 unterscheidbare Saatgutproben – jede davon stammt aus einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb oder Feld. Jede Probe enthält im Schnitt 500 Samenkörner. Insgesamt wogen die heute in der Saatgutbank deponierten Samen etwa 10 Tonnen und füllten 676 Kisten.

Die Eröffnung der Saatgutbank ist Teil eines einzigartigen Projekts, die rapide schrumpfende Biodiversität zu retten. Die Nutzpflanzenvielfalt ist unerlässlich für die Produktion von Lebensmitteln, doch geht sie verloren. Die ausfallsichere Anlage, die tief in den gefrorenen Fels eines arktischen Berges gesprengt wurde, wird für Jahrhunderte oder sogar länger Hunderte Millionen Samen aller wichtigen Nutzpflanzensorten, die es heute auf der Welt gibt, beherbergen. Neben der Bewahrung der Vielfalt könnte sich der „Tresor“ auch nach einer Katastrophe als unverzichtbar für einen Neubeginn der Landwirtschaft auf regionaler oder globaler Ebene erweisen. Beim Bau der Saatgutbank hat man auch an den Klimawandel gedacht: Selbst wenn sich die ungünstigsten Prognosen zur Erderwärmung bewahrheiten, werden die Speicherräume 200 Jahre lang auf natürliche Weise gefroren bleiben.

“Die Vielfalt des Lebens, die unseren Planeten erhält, ist durch den Klimawandel und andere Entwicklungen gefährdet. Deshalb ist Norwegen stolz, eine entscheidende Rolle beim Bau der Einrichtung zum von Schutz von Pflanzensamen zu übernehmen. Denn Pflanzensamen sind die Grundbausteine der menschlichen Zivilisation,“ sagt der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg.

“Nutzpflanzenvielfalt wird sich bald als stärkstes und unverzichtbares Mittel erweisen, um mit dem Klimawandel umzugehen, mit Wasser- und Energieknappheit, und um die Ernährung einer wachsenden Bevölkerung zu sichern,“ sagt Cary Fowler, Geschäftsführer des Global Crop Diversity Trusts.

Der Svalbard Global Seed Vault wurde von Norwegen als Dienst an der Weltgemeinschaft erbaut und finanziert. Der Global Crop Diversity Trust unterstützt die laufenden Kosten der Saatgutbank. Zudem organisiert und finanziert der Trust die Vorbereitung und den Versand von Samen aus Entwicklungsländern zur Einlagerung in Spitzbergen. NordGen wird die Anlage betreiben und eine öffentlich zugängliche Online Datenbank sämtlicher eingelagerter Proben erstellen und pflegen. Insgesamt können 4,5 Million Samenproben in Svalbard eingelagert werden – das sind etwa 2 Milliarden Samen.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg und Wangari Maathai, Gründerin des African Green Belt Movement und Friedensnobelpreisträgerin 2004, brachten gemeinsam die erste Kiste mit Samen in die Lagerräume. Die Kiste enthielt Samen von Reissorten aus 104 Ländern. Sie wurde während der Feierlichkeiten geöffnet und anschließend, vor der Einlagerung, wieder verschlossen.

“Das große öffentliche Interesse für das Projekt ‚Saatguttresor’ zeigt, dass sich bei uns allen das Denken über den Umweltschutz verändert. Wir haben mittlerweile verstanden, dass es neben internationalen Initiativen zur Rettung von gefährdeten Tierarten und Regenwäldern genauso wichtig ist, die Nutzpflanzenvielfalt für die kommenden Generationen zu bewahren,“ sagte Maathai.

“Die Eröffnung der Saatgutbank markiert einen historischen Wendepunkt bei der Bewahrung der weltweiten Nutzpflanzenvielfalt,” sagt Fowler. „Doch etwa 50 Prozent der einzigartigen Vielfalt in Saatgutbanken ist noch immer gefährdet. Wir sind mitten dabei, diese Sorten zu retten. Erfolg zu haben bedeutet, dass wir die Erhaltung und Verfügbarkeit dieser vielen verschiedenen Nutzpflanzen garantieren können. Für immer.“

Eine einzigartige Konstruktion

Der Bau des unterirdischen Tresors hat aufgrund seiner Lage, seiner ungewöhnlichen Konstruktion, seiner Sicherheit sowie seiner optischen Gestaltung viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er ist so konstruiert, dass ein 10-Kilowatt Kompressor ausreicht, um ihn gekühlt zu halten. Dieser Kompressor wird mit vor Ort produziertem Strom betrieben.

Die Anlage besteht aus drei Hochsicherheitsräumen, die am Ende eines 125 Meter langen Tunnelschachts liegen, der im norwegischen Archipel Spitzbergen in den Berg gesprengt wurde. Die Saatgutproben werden bei minus 18 Grad Celsius gelagert und in eigens dafür entwickelte vierlagige Aluminiumfolie eingeschweißt. Diese Pakete werden in Kisten versiegelt und auf Regalen innerhalb der Lagerstätte aufbewahrt. Jeder Raum der Anlage ist von arktischem Permafrost umgeben. Somit bleiben die Proben selbst bei einem Stromausfall tiefgekühlt und keimfähig. Die niedrigen Temperaturen und die geringe Luftfeuchtigkeit innerhalb des Bunkers garantieren eine geringe Stoffwechselaktivität. Dadurch bleiben die Saatgutproben lange verwendbar: Bei minus 20 Grad Celsius entsprechend aufbewahrt, können manche Samen im „Tresor“ mehr als Tausend Jahre keimfähig bleiben. Gerstensamen beispielsweise hält sich bis zu 2000 Jahre, Weizensamen 1700 Jahre und der Samen von Sorghum fast 20.000 Jahre.

Wer zu den Samen gelangen will, muss vier verschlossene Türen passieren: die schwere stählerne Eingangstür, eine zweite Tür etwa 115 Meter tief im Tunnel und schließlich zwei gegenseitig verriegelte Türen einer Luftschleuse. Die Schlüssel sind so codiert, dass sie den Zugang zu bestimmten Ebenen der Einrichtung gewähren. Nicht alle Schlüssel öffnen alle Türen. Bewegungsmelder überwachen die Anlage. Die Kisten mit Saatgut werden per Scanner durchleuchtet, bevor sie in der Anlage deponiert werden.

Ein Kunstwerk wird den Saatguttresor meilenweit sichtbar machen. Die Künstlerin Dyveke Sanne und KORO, die norwegische Agentur für Kunst im öffentlichen Raum, haben das Dach und den Eingang der Lagerstätte mit stark reflektierendem Stahl, Spiegeln und Prismen überzogen. Die Installation fungiert als ein Art Leuchtsignal; in den Sommermonaten reflektiert es das Polarlicht, im Winter verleiht ein Netzwerk aus 200 faseroptischen Kabeln dem Kunstwerk ein gedämpftes, grün-türkis und weißes Licht.

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Svalbard Global Seed Vault (www.seedvault.no)

Der Svalbard Global Seed Vault (dt. „Svalbard globaler Saatgut Tresor“) soll Duplikate von Saatgutproben aus Saatgutbanken in aller Welt aufnehmen. Wenn Samen in diesen Saatgutbanken verloren gehen, beispielsweise nach Naturkatastrophen, Kriegen oder durch Ressourcenmangel, können sie dank der Duplikate in der Lagerstätte in Spitzbergen wieder ersetzt werden. Die Saatgutbank gehört der Norwegischen Regierung, die auch den Bau finanziert hat (etwa 50 Million Norwegische Kronen/9 Millionen US-Dollar).

Der Global Crop Diversity Trust (www.croptrust.org)

Der Auftrag des Global Crop Diversity Trusts (dt. Globale Fonds für die Nutzpflanzenvielfalt) ist es, die Sortenvielfalt der Nutzpflanzen zu bewahren und verfügbar zu halten, um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Die Sortenvielfalt ist von zentraler Bedeutung für den Kampf gegen Hunger und für die Zukunft der Landwirtschaft überhaupt; zugleich ist die Finanzierung ihrer Bewahrung unzuverlässig und die Vielfalt selbst bedroht. Der Trust ist die einzige Organisation, die weltweit an der Lösung dieses Problems arbeitet.



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