[ Back to EurekAlert! ] Public release date: 22-Sep-2008
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Springer

Motorhaube mit Charakter?

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Neue Studie untersucht, ob Menschen mit Autos bestimmte Wesenszüge assoziieren

Denken Menschen beim Anblick einer Autohaube an bestimmte Wesenszüge oder Emotionen? Und wenn dem so ist, könnte dies Auswirkungen auf das Fahr- und Fußgängerverhalten haben? Truls Thorstensen (EFS Unternehmensberatung Wien), Karl Grammer (Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung) und weitere Wissenschaftler der Universität Wien verknüpften wirtschaftliche Interessen mit der Evolutionspsychologie, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Ihr Forschungsprojekt wird in dieser Woche in der Springer-Fachzeitschrift Human Nature (1) veröffentlicht. In der Studie wird unsere Wahrnehmung von Fahrzeugmodellen untersucht und ob - und wenn ja wie - diese Erkenntnisse der Wahrnehmung menschlicher Gesichter entsprechen.

Im Laufe der Evolution haben die Menschen die Fähigkeit entwickelt, Informationen über das Geschlecht, das Alter, die Gefühle und Absichten von Menschen zu sammeln, indem sie sich deren Gesichter genau anschauten. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass dieses Verfahren möglicherweise auch auf andere Lebewesen und vielleicht sogar auf leblose Gegenstände wie Autos angewendet wird. Obwohl diese Theorie bereits von anderen Autoren aufgestellt wurde, ist sie bis jetzt noch nicht systematisch untersucht worden. Die Wissenschaftler befragten aus diesem Grund Menschen nach den Eigenschaften, Gefühlen, Charakteristika und Haltungen, die sie mit Fahrzeugfronten verbinden. Anschließend verwendeten sie die geometrische Morphometrie, um die entsprechenden Konstruktionsdaten zu berechnen.

Ein Drittel aller Befragten assoziierte mindestens 90 Prozent der Fahrzeuge mit dem Gesicht eines Menschen oder Tieres. Mehr als 50 Prozent aller Automodelle wurden Augen (Frontlichter), ein Mund (Lufteinlass/Kühlergrill) und eine Nase zugeschrieben. Insgesamt stimmten die Probanden darin überein, welches Automodell spezifische Wesenszüge trägt. Die Autoren fanden heraus, dass die beliebtesten Fahrzeuge über einen breiten Radstand, eine schmale Frontscheibe und/oder weit auseinander liegende schmale Scheinwerfer verfügen. Je attraktiver die Befragten ein Fahrzeug fanden, desto mehr wies es Formeigenschaften auf, die die Autoren mit dem Begriff "Power" umschreiben. Dieses Ergebnis belegt, dass ausgereifte, dominante, maskuline, arrogante und furchterregend wirkende Fahrzeugtypen sowohl von Männern als auch von Frauen bevorzugt werden.

Wenn es sich dabei um die von Menschen bevorzugten Charakteristika handelt, bedeutet dies dann gleichzeitig, dass solche Fahrzeuge von ihnen gekauft werden würden? Den Autoren zufolge muss dies nicht immer der Fall sein. Beurteilen wir ein Auto nach unserem (möglicherweise voreingenommenen) Eindruck seines Besitzers oder suchen wir uns ein Fahrzeug aufgrund der gewünschten Charakteristika aus? Glauben wir, dass das Fahren eines arrogant und dominant wirkenden Fahrzeugs uns bei den täglichen "Reibereien" im Straßenverkehr von Nutzen sein könnte? Dies sind interessante Fragen sowohl für Fahrzeughersteller als auch für Wissenschaftler, die im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der EFS Unternehmensberatung und der Forschungsgruppe der Universität Wien in Zukunft weiter verfolgt werden.

Die Autoren schlussfolgern aus ihren Erkenntnissen: "Wir belegen, dass unterschiedliche Charakteristika bei Autofronten unterschiedlichen menschlichen Eigenschaften entsprechen. Selbst leblose Konstruktionen werden von Menschen mit biologischen Begriffen beschrieben, die sich auf das Verhalten von Autofahrern und Fußgängern auswirken könnten. Für die praktische Anwendung könnte daraus ein Tool für Fahrzeugdesigner abgeleitet werden, mit dem sich Automobile nach einem Wunschmodell konstruieren lassen."

1. Windhager S, Slice DE, Schaefer K, Oberzaucher E, Thorstensen T, Grammer K (2008). Face to face: The Perception of Automotive Designs. Human Nature. DOI 10.1007/s12110-008-9047

Der vollständige Artikel steht Journalisten als Pdf-Dokument zur Verfügung.

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