Public Release:  Klimawandel und Anpassung - Konflikte reduzieren, Synergien nutzen

Helmholtz Association

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Leipzig/Helsinki. Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels müssen mit politischen Maßnahmen in anderen Sektoren wie beispielsweise dem Verkehrsbereich besser abgestimmt werden, um nicht ins Leere zu laufen. Zu diesem Schluss kommt ein heute durch die Partnership for European Environmental Research (PEER) veröffentlichter Bericht. Das PEER-Netzwerk setzt sich aus sieben der größten europäischen Umweltforschungszentren zusammen.

Politik - sei es zur Vermeidung von oder sei es zur Anpassung an den Klimawandel - kann nur dann erfolgreich sein, wenn klimapolitische Ziele effektiv in diejenigen Sektoren und Politikbereiche integriert werden, die sowohl für die Verursachung des Klimawandels verantwortlich als auch von Klimafolgen betroffen sind.

Das Projekt untersucht aus vergleichender Perspektive, in welchem Ausmaß die Erfordernisse des Klimaschutzes und der Klimaanpassung in 6 europäischen Ländern in den verantwortlichen Politikbereichen (Energie-, Verkehrs-, und Infrastrukturpolitik, Technologie- und Innovationspolitik, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Landwirtschaft) integriert werden. Darüber werden mögliche Wechselwirkungen mit anderen Politiken identifiziert und Wege und Mittel aufgezeigt, wie die jeweiligen Politikbereiche kohärent und effizient zu koordinieren sind.

Das Projekt kommt zu dem Ergebnis, dass seit 2007 der Klimawandel in allen Ländern an politischer Priorität gewinnt und zur "Chefsache" gemacht wird. Im europäischen Vergleich steht Deutschland als Vorreiter da, da anspruchsvolle klimapolitische Ziele in sektorale Politikstrategien integriert und mit weit reichenden Maßnahmen (wie beispielsweise in den Bereichen Energieproduktion und -Versorgung, Modernisierung von Gebäuden) komplementiert werden. Gleichwohl lässt die konkrete Umsetzung dieser Maßnahmen auch hier oftmals noch zu wünschen übrig und stößt vor allem im Verkehrsbereich immer wieder auf vehementen Widerstand.

In allen untersuchten Ländern zeigt sich, dass Klimaschutz nicht notwendigerweise eine Last für die nationale Wirtschaft sein muss, sondern auch Chancen eröffnet, die nationale Energiesicherheit zu verbessern und neue Arbeitsplätzen zu schaffen, wie dies im Augenblick unter "Green New Deal" diskutiert wird.

"Allerdings reicht es nicht, nur in technische Innovationen zu investieren", so Professor Christoph Görg vom UFZ. Wenn Klimapolitik in den einzelnen Sektoren effizient umgesetzt werden soll, müssen gleichzeitig auch Verfahren zur legitimen Konfliktbewältigung entwickelt werden, um Konflikte wie die um die KFZ-Steuer, die Nutzung der Kernenergie oder die Flächennutzung (z.B. zum Hochwasserschutz) abzufedern.

Um Wechselwirkungen zwischen Klimafolgen, ökologischen und sozialen Systemen besser zu erfassen und entsprechende politische Maßnahmen besser abzustimmen, steigt auch der Bedarf an Monitoring und Evaluation, so Professor Pat Nuttall, Direktor des PEER-Netzwerkes. Dabei kann es nicht darum gehen, das Rad neu zu erfinden, sondern bestehendes Wissen und Instrumente im Bereich der Umweltforschung systematisch zu nutzen und zu verknüpfen und in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Während den letzten Jahren haben sich Forschung und Politik vor allem auf den Klimaschutz konzentriert. Zukünftig wird auch die Frage nach der Anpassung an Klimafolgen, die bereits eingetreten sind, an Bedeutung gewinnen. Bei der Ausarbeitung von Konzepten und der Auswahl von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sollte darauf geachtet werden, dass sie den Anstrengungen zum Klimaschutz möglichst nicht entgegenwirken. Das Gebot der Stunde, das mit der Anpassung an Gewicht gewinnt, ist, Konflikte zu reduzieren und Synergien zu auschöpfen.

Ein weiterer PEER-Bericht, der die nationalen Klimaanpassungsstrategien vergleicht, wird im Mai 2009 erscheinen.

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Publikation:

Per Mickwitz, Francisco Aix, Silke Beck, David Carss, Nils Ferrand, Christoph Görg, Anne Jensen, Paula Kivimaa, Christian Kuhlicke, Wiebren Kuindersma, María Máñez, Matti Melanen, Suvi Monni, Anders Branth Pedersen, Hugo Reinert and Séverine van Bommel 2009.
Climate Policy Integration, Coherence and Governance. PEER-Report No 2. Helsinki: Partnership for European Environmental Research. 92pp

Im PEER-Verbund (Partnership for European Environmental Research) arbeiten sechs Umweltforschungszentren aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Finnland und Deutschland sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen, mit insgesamt rund 4700 Mitarbeitern und einem Gesamtbudget von etwa 360 Millionen Euro. Um auf die Herausforderungen des Klimawandels angemessen zu reagieren, haben die im PEER-Netzwerk (Partnership for European Environmental Research) zusammengeschlossenen europäischen Umweltforschungszentren auf der Nachhaltigkeitskonferenz im Mai 2007 in Leipzig beschlossen, ihre Kapazitäten und Forschungsaktivitäten zu bündeln. Der PEER-Verbund (www.peer-environment.eu), startete dort eine gemeinsame Initiative, um innovative Ansätze zur Bekämpfung der globalen Erwärmung und zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln und Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit zu vermitteln. PEER-Mitglieder sind:

  • ALTERRA - Green World Research Centre, Niederlande
  • CEH - Centre for Ecology and Hydrology, Großbritannien
  • CEMAGREF - Centre for Agriculture and Environmental Engineering Research, Frankreich
  • JRC-IES - Institute for Environment and Sustainability (European Commission), Italien
  • NERI - National Environmental Research Institute, Dänemark
  • SYKE - Finnish Environment Institute, Finnland
  • UFZ - Centre for Environmental Research Leipzig-Halle, Deutschland

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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