[ Back to EurekAlert! ] Public release date: 17-May-2010
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Contact: Andre Koch
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University of Bonn

Unterschätzte Vielfalt

Forscher vom Museum Koenig finden drei neue Warane

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Der Doktorand André Koch vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn hat zusammen mit seinem Betreuer Professor Dr. Wolfgang Böhme und einer Münchner Kollegin gleich zwei neue Waranarten und eine neue Unterart von den Philippinen beschrieben. Seine umfangreiche Neubearbeitung der philippinischen Bindenwarane hat belegt, dass trotz der kürzlichen Entdeckung eines neuen, noch dazu fruchtfressenden Warans von der Hauptinsel Luzon durch eine amerikanisch-philippinische Forschergruppe die tatsächliche Artenzahl der in diesem Archipel lebenden Großwarane immer noch nicht komplett erfasst ist. Die Artbeschreibungen wurden kürzlich in ZOOTAXA, der weltweit führenden Zeitschrift für taxonomische Zoologie, veröffentlicht.

„Nach der spektakulären Entdeckung mehrerer neuer Warane auf der indonesischen Insel Sulawesi vor drei Jahren, zeigen unsere jetzigen Ergebnisse erneut, dass auch die Vielfalt der philippinischen Warane bisher stark unterschätzt wurde" sagt André Koch, der in Kürze an der Universität Bonn seine Promotion vollenden wird. Die Warane Südostasiens sind ein Schwerpunkt seiner Doktorarbeit, die er am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig anfertigt.

Professor Dr. Wolfgang Böhme, Vizedirektor des ZFMK und als Leiter der herpetologischen (= kriechtierkundlichen) Sektion seit über 20 Jahren mit der Erforschung der Warane befasst, fügt hinzu: „Es ist erstaunlich, dass diese größten noch lebenden Echsen der Welt so lange vernachlässigt wurden und der Wissenschaft immer wieder bislang unbekannte Arten begegnen. Es zeigt sich, dass auch bei großen Wirbeltieren noch lange nicht alle Arten unseres Planeten erfasst und benannt sind. Insgesamt gibt es viel zu wenige Experten auf der Welt, ihre Ausbildung an den Universitäten ist stark rückläufig, und das Wissen über die globale Artenvielfalt, das auch für die Existenz des Menschen essentiell ist, läuft Gefahr verloren zu gehen!"

„Warane sind phantastische Geschöpfe"

Co-Autorin Dr. Maren Gaulke (GeoBio-Center LMU, München), eine langjährige Expertin für philippinische Reptilien, speziell Warane, untersucht seit 25 Jahren die Biologie dieser imposanten Großreptilien: „Warane sind phantastische Geschöpfe. Sie sind so agil, kraftvoll und die intelligentesten Echsen der Welt." Die drei neuen Philippinen-Warane wurden nach mehrjährigen Studien zahlreicher konservierter Belegexemplare der großen europäischen Naturkundemuseen, in Kombination mit Feldstudien vor Ort, identifiziert. Dies belegt einmal mehr die immense Bedeutung dieser Museumssammlungen als die Archive der Biodiversität auf der Erde. Leider werden die dafür nötigen Kuratorenstellen in Zeiten knapper öffentlicher Mittel oftmals nicht wiederbesetzt, wenn ein Wissenschaftler ausgeschieden ist, was sich auf die betroffenen Sammlungen und die zugehörigen Wissensgebiete desaströs auswirkt.

Globale Krise der taxonomischen Forschung

So wurde eine der neuen Arten, die nur von zwei Individuen aus dem Magazin des Zoologischen Museums in Kopenhagen bekannt ist, nach dem dortigen verstorbenen Herpetologen Dr. Jens B. Rasmussen benannt, dessen Stelle heute verwaist ist. Damit wollen die Autoren auf die globale Krise der taxonomischen Forschung aufmerksam machen.

Die Philippinen umfassen mehr als 7.000 tropische Inseln. Dieses Inselreich ist bekannt für seinen außergewöhnlichen Artenreichtum. Es ist neben Indonesien einer der Biodiversitätshotspots unseres Planeten, ein wahres „Megadiversitätsland". Dies betrifft nicht nur Korallenfische oder Schmetterlinge und andere kleine Insekten, sondern auch die großen Räuber in dieser Region, die Warane (Gattug Varanus).

In einer früheren Studie über die Systematik und Vielfalt der südostasiatischen Formen des Bindenwarans (Varanus salvator) konnte gezeigt werden, dass die ursprünglich nur als Unterarten bewerteten drei philippinischen Vertreter tatsächlich eigene Arten darstellen, da sie durch erhebliche Merkmalsabstände voneinander getrennt sind. Die drei neu entdeckten Vertreter verdoppeln also die Anzahl der auf diesem Archipel lebenden Formen!

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