Public Release:  Wissenschaftliche Höhepunkte des 25. ECNP-Kongresses 2012

European College of Neuropsychopharmacology

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Oktober 2012, Wien, Österreich

Anlässlich des 25. ECNP-Kongresses versammelten sich von 13. Oktober 2012 führende Experten und 5.500 Psychiater, Neurologen, Neurowissenschaftler und Repräsentanten des Gesundheitswesens aus über 90 Ländern in Wien, um das 25-jährige Jubiläum des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) zu feiern und an wegweisenden wissenschaftlichen Debatten teilzunehmen.

Vor dem Hintergrund der durch Erkrankungen des Gehirns bedingten zunehmenden Krankheitslast und Einsparungen bei der Entwicklung neuer Medikamente betonte der ECNP-Kongress erneut den zentralen Stellenwert der Neurowissenschaften im Hinblick auf verbesserte Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. „Das ECNP hat in den letzten Jahren sowohl entscheidende neue Maßnahmen initiiert als auch den wechselseitigen Austausch zwischen den relevanten Interessensgruppen in diesem Bereich gefördert, um sicherzustellen, dass die nächsten 25 Jahre der Neurowissenschaften in Europa genauso produktiv werden wie die vergangenen", sagte ECNP-Präsident Joseph Zohar anlässlich des 25. ECNP-Kongresses in Wien.

Gemäß einer rezenten, Europa-weiten Studie sind jedes Jahr etwa ein Drittel der Bevölkerung in der EU von einer oder mehreren psychischen oder neurologischen Erkrankungen betroffen. Die Bewältigung der damit assoziierten Krankheitslast durch verbesserte Prävention, Therapie und Rehabilitation stellt die größte Herausforderung für die Gesundheitssysteme im Europa des 21. Jahrhunderts dar.

Neueste Fortschritte im Verständnis und in der Behandlung von Erkrankungen des Gehirns

Der ECNP-Kongress ist die größte wissenschaftliche Veranstaltung zur psychischen und neurologischen Gesundheit in Europa und genießt aufgrund seines umfassenden wissenschaftlichen Programms, das Evidenz-basierte Therapieansätze sowie klinische und präklinische Forschung zu nahezu allen Erkrankungen des Gehirns umfasst, international höchste Anerkennung.

Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums bot der ECNP-Kongress 2012 ein deutlich erweitertes Programm mit neuen Programmpunkten wie z.B. „Scientific Cafés", die als themenspezifische Veranstaltungen im Sinne der Kooperation und des Networkings angelegt sind, mehr Plenarsitzungen als jemals zuvor, vermehrte Fortbildung mit interaktiven Sessions, sowie eine Reihe von speziellen Gastvortragenden wie Colin Blakemore von der Universität Oxford, Großbritannien, der als eine der führenden Persönlichkeiten in der Hirnforschung gilt.

Das plastische Gehirn: ein viel versprechender Ansatz für neue Therapien

In seinem Festvortrag über sein bahnbrechendes Werk zur Plastizität des Gehirns beleuchtete Professor Blakemore die revolutionäre Veränderung in unserem Verständnis des Gehirns, das mittlerweile als das anpassungsfähigste, am stärksten dynamische und am besten formbare Organ im menschlichen Körper gilt. „Eine abnormale Formbarkeit des Gehirns liegt wahrscheinlich zahlreichen Symptomen und Erkrankungen zugrunde", betonte Blakemore im Rahmen des 25. ECNP-Kongresses. „Die Verwendung und Verbesserung der neuronalen Plastizität könnte somit zu neuen Ansätzen in der Prävention und Behandlung psychischer und neurologischer Erkrankungen führen."

Neurale Mechanismen des Risikos für psychische Erkrankungen

Ein weiterer Höhepunkt des 25. ECNP-Kongresses war die Verleihung des ECNP Neuropsychopharmacology Award für innovative und ausgewählte Forschungsleistungen im Bereich der Neuropsychopharmakologie und verwandter Disziplinen. Die diesjährigen Preisträger waren Andreas Meyer-Lindenberg, Deutschland, und Paul Harrison, Großbritannien, in Anerkennung ihrer zukunftsweisenden Arbeiten zu den neuralen Mechanismen von Risikofaktoren für psychische Erkrankungen sowie zur Pathophysiologie und Behandlung der Schizophrenie.

In seinem Plenarvortrag präsentierte Professor Meyer-Lindenberg sowohl genetische als auch Umwelt-bedingte Risikofaktoren für psychische Erkrankungen und erläuterte, dass die Früherkennung von abnormen neuralen Mechanismen eine Chance für primäre Interventionen bieten könnte, mit dem Potenzial zur Entwicklung von zielgerichteten Strategien, welche diese Mechanismen adressieren, noch bevor es zum Ausbruch der Erkrankung kommt.

Ein Webcast mit einer Zusammenfassung der wissenschaftlichen Höhepunkte des 25. ECNP-Kongresses in Wien einschließlich persönlicher Kommentare von führenden Experten zum Stellenwert der Neuropsychopharmakologie und des ECNP-Kongresses für innovative Forschung ist unter folgendem Link auf der ECNP-Homepage verfügbar: www.ecnp.eu/publications/webcasts/25th-ECNP-congress/Highlights.aspx

ECNP: eine verlässliche Quelle für Evidenz-basierte Information für die Öffentlichkeit

Das wissenschaftliche Programm des 25. ECNP-Kongresses wurde durch zwei Pressekonferenzen und eine Podiumsdiskussion zu hochaktuellen Themen und Programmen im Bereich der psychischen Gesundheit abgerundet:

Dr. Paramala Santosh, London, Großbritannien, präsentierte das kürzlich initiierte, EU-finanzierte Suicidality: Treatment Occurring in Paediatrics (STOP)-Projekt, das zur Etablierung von spezifischen Parametern zur Messung von Suizidalität entwickelt wurde. Das STOP-Projekt wird derzeit in einem Pilotversuch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt, um Ärzte über das Vorliegen eines erhöhten Suizidrisikos zu informieren und zu frühzeitigen Interventionen zu veranlassen, insbesondere wenn eine neue medikamentöse Therapie eingeleitet wird. Da es sich gezeigt hat, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Suizid begangen haben, signifikante psychiatrische Probleme wie z.B. Depression oder Substanzmissbrauch aufwiesen, sollte im Rahmen der Suizidprävention eine regelmäßige Evaluation des Suizidrisikos durchgeführt werden. Die Notwendigkeit solcher Präventionsprogramme wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Suizid heute die dritthäufigste Todesursache im mittleren Jugendalter darstellt.

Dr. Anna Goudriaan, Amsterdam, Niederlande, und Professor Jon Grant, Chicago, USA, zeigten, dass Patienten mit pathologischem Spielen („Spielsucht") bereits in der Erwartung einer erhofften Belohnung Merkmale von Sucht aufweisen, da bei pathologischen Spielern während der Erwartung eines Gewinns eine erhöhte Aktivität im Belohnungssystem des Gehirns nachweisbar ist. Ein Ungleichgewicht zwischen Kontrolle und Motivation ist für die Aufrechterhaltung des pathologischen Spielverhaltens von entscheidender Bedeutung. Angesichts der hohen Prävalenzraten - bis zu 5% der Erwachsenen in Hochrisikogruppen sind betroffen - eröffnen diese neuen Erkenntnisse interessante Perspektiven auf viel versprechende künftige Therapien, die auf die neuralen Mechanismen des pathologischen Spielens abzielen.

Professor Philip Gorwood, Paris, Frankreich, beleuchtete die aus Sicht der öffentlichen Gesundheit desaströse Alkoholabhängigkeit, die in der Europäischen Union eine der führenden Ursachen vermeidbarer Todesfälle darstellt. Professor Gorwood betonte, dass es hilfreich sei, Alkoholabhängigkeit im Sinne einer Erkrankung des Gehirns zu verstehen, da es nicht nur deren chronischen Verlauf widerspiegeln und die damit assoziierten Schuldgefühle verringern, sondern auch zu neuen Erkenntnissen und Behandlungsansätzen führen kann. Viel versprechende neue Therapiestrategien umfassen neben medikamentösen auch nicht-medikamentöse Interventionen wie motorische Rehabilitation, „Environmental Enrichment" (positive Umfeldbedingungen) sowie in Fällen von schwerem Alkoholismus die tiefe Hirnstimulation („Deep Brain Stimulation").

###

Webcasts der Pressekonferenzen und der Podiumsdiskussion sind online verfügbar unter: www.ecnp.eu/publications/webcasts/25th-ECNP-congress/press-conferences.aspx

Der nächste ECNP-Kongress wird von 5. Oktober 2013 in Barcelona, Spanien, stattfinden.

Das ECNP ist eine unabhängige wissenschaftliche Organisation, deren Ziel die Erforschung des Gehirns, die Förderung innovativer Therapien sowie eine allgemeine Verbesserung der Gesundheitssituation bei psychischen und neurologischen Erkrankungen ist. Der jährliche ECNP-Kongress, an dem Wissenschaftler, Ärzte sowie Repräsentanten des Gesundheitswesens und der Gesundheitsindustrie aus aller Welt teilnehmen, hat sich als führendes Forum zur Erforschung und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns in Europa etabliert.

Für weitere Informationen über das ECNP und seine Aktivitäten besuchen Sie bitte die ECNP-Website: www.ecnp.eu

ECNP Pressebüro 2012: Mag. Sonja Mak Tel. +43 1 405 5734 Fax +43 1 405 5734-16 E-mail: s.mak@update.europe.at

Disclaimer: AAAS and EurekAlert! are not responsible for the accuracy of news releases posted to EurekAlert! by contributing institutions or for the use of any information through the EurekAlert system.