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PUBLIC RELEASE DATE:
23-Jan-2013

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Contact: Catherine Crockford
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Max-Planck-Gesellschaft
@maxplanckpress

Soziales Hormon ist eng mit der Beziehungspflege verbunden

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Kooperative Tiere leben länger, und ihr Nachwuchs besitzt bessere Überlebenschancen. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, welche kognitiven und hormonellen Mechanismen Kooperation erst ermöglichen. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben jetzt herausgefunden, dass das Hormon Oxytocin eng mit der Pflege kooperative Beziehungen bei Schimpansen verbunden ist. Den Forschern zufolge war der Oxytocinspiegel im Urin höher, wenn Schimpansen mit einem befreundeten Tier Fellpflege betrieben hatten. Eine genetische Verwandtschaft oder sexuelle Interessen spielten dabei keine Rolle. Das Hormon Oxytocin, das mittels neuronaler Belohnungssysteme einen positiven Einfluss auf das soziale Gedächtnis hat, spielt also bei Schimpansen eine Schlüsselrolle bei der Pflege sozialer Beziehungen jenseits genetischer Bande. Möglicherweise hilft es ihnen dabei, den Überblick über ihre kooperativen Beziehungen zu mehreren Artgenossen zu behalten.

Bei nichtmenschlichen Primaten und anderen kooperativen Tieren findet man intensive und langanhaltende soziale Beziehungen hauptsächlich zwischen genetisch miteinander verwandten Tieren. Manchmal entsteht eine solche Zusammenarbeit aber auch zwischen Tieren, die nicht miteinander verwandt sind oder demselben Geschlecht angehören. Noch ist unklar, wie solche Beziehungen über längere Zeit aufrechterhalten werden. Bei Menschen und anderen kooperativen Säugetieren spielt das Neuropeptidhormon Oxytocin eine Schlüsselrolle und erleichtert die persönliche Bindung zwischen Verwandten und Geschlechtspartnern. Catherine Crockford, Roman Wittig und Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben jetzt die Rolle dieses Hormons bei den kooperativen Beziehungen zwischen frei lebenden Schimpansen analysiert.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler kooperative Interaktionen - wie beispielsweise die soziale Fellpflege - bei einer Gruppe wilder Schimpansen aus dem Budongo-Wald in Uganda. Mithilfe von Plastiktüten und Blättern sammelten sie Urinproben von 33 weiblichen und männlichen erwachsenen Schimpansen und bestimmten den Oxytocinspiegel der Tiere, bevor und kurz nachdem die Tiere einander das Fell gepflegt hatten. Das Ergebnis: Der Oxytocinspiegel war besonders hoch bei Tieren nach der Fellpflege mit einem Kooperationspartner. Dabei spielte es keine Rolle, ob die beiden Tiere miteinander verwandt waren oder nicht.

Hingegen war eine geringere Oxytocinkonzentration im Urin derjenigen Schimpansen zu finden, die mit einem Gruppenmitglied Fellpflege betrieben hatten, zu dem sie keine kooperative Beziehung besaßen, oder die gar keine Fellpflege betrieben hatten. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler belegen, dass Geschlecht und Alter der Tiere, die Dauer der Fellpflege und andere Faktoren keinen maßgeblichen Einfluss auf die Oxytocinmenge im Urin hatten.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Ansteigen des Oxytocinspiegels von einer Kombination zweier Faktoren abhängig ist, der sozialen Fellpflege und der Beziehung zu dem Kooperationspartner", sagt Catherine Crockford vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Besonders ist hervorzuheben, dass der Oxytocinspiegel nach der Fellpflege bei verwandten und bei nichtverwandten Kooperationspartnern ähnlich hoch war. Bei Schimpansen scheint Oxytocin also bei der Pflege kooperativer Beziehungen auch jenseits genetischer Bande eine Schlüsselrolle zu spielen."

„Dies ist die erste Studie, in der der Oxytocinspiegel wild lebender Tiere gemessen wird, ohne dass man ihnen Blut abnehmen musste", sagt Roman Wittig vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir den Einfluss physiologischer Messwerte auf das Verhalten bei unterschiedlichen Arten kooperativ lebender Säugetiere im natürlichen Lebensraum untersuchen können." Mit der neuen Methode können Wissenschaftler künftig in Feldforschungsstudien einzelne Verhaltensweisen - z.B. kooperative oder aggressive Verhaltensweisen - auf hormoneller Ebene miteinander vergleichen.

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