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Public release date: 24-Oct-2013

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Contact: Oliver Yun
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Drugs for Neglected Diseases Initiative
@DNDi

Weiterhin tödliche Lücken bei der Entwicklung von neuen Medikamenten für vernachlässigte Krankheiten

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch und Französisch.

Trotz einiger Fortschritte: Nur vier Prozent aller neuen Medikamente und Impfstoffe, die zwischen 2000 und 2011 zugelassen wurden, sind vernachlässigten Krankheiten gewidmet. Das Ergebnis einer Studie belegt: Für viele vernachlässigte Patienten bleibt ein „tödliches Ungleichgewicht" in Forschung und Entwicklung bestehen

In einer heute veröffentlichten Studie berichten die Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) und andere Wissenschaftler über einen fortbestehenden Mangel an wirklich neuen Therapeutika für vernachlässigte Krankheiten. Zwar gibt es einige Fortschritte und beschleunigte Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung. Doch das „tödliche Ungleichgewicht" (Fatal Imbalance) zeigt den dringenden Bedarf an bahnbrechenden neuen Behandlungen für die ärmsten und am meisten vernachlässigten Patienten in der Welt. Die Studie erscheint im Open-Access Journal „The Lancet Global Health".

Ein Ergebnis der Untersuchung: Von 850 neuen Medikamenten und Impfstoffen waren nur 37 (vier Prozent) für vernachlässigte Krankheiten gedacht, die überwiegend in ärmeren Ländern auftreten. Dazu gehören Malaria, Tuberkulose, 17 vernachlässigte Tropenkrankheiten (nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO), elf Durchfallerkrankungen und 19 weitere Armutskrankheiten (HIV/Aids ausgeschlossen). Die genannten Krankheiten stellen elf Prozent der globalen Krankheitslast dar. Diese Zahl bezieht sich auf eine Erhebung von 2010 zu den sogenannten disability-adjusted life years (DALYs). Mit DALYs wird die Beeinträchtigung eines Lebens durch Krankheit oder Behinderung dargestellt. An der nun veröffentlichten Studie waren neben DNDi auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, das WHO Special Programme for Research and Training in Tropical Diseases (WHO-TDR) sowie drei Universitäten beteiligt (Universitätskrankenhaus Grenoble, Joseph Fourier Universität in Grenoble und die Universität von Oxford).

Die meisten neuen Therapeutika wurden nicht komplett neu entwickelt. Es handelt sich um bereits existierende Medikamente, deren Wirkstoffe re-formuliert oder anders genutzt werden. Von den 336 brandneuen Medikamenten (neue chemische Substanzen, NCEs), die zwischen 2000 und 2011 zugelassen wurden, sind nur vier für vernachlässigte Krankheiten gedacht: drei für Malaria und eine für Durchfallerkrankungen. Keine einzige wurde für die 17 von der WHO gelisteten vernachlässigten Tropenkrankheiten entwickelt.

„Es tut sich was bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen für vernachlässigte Krankheiten. Aber wir müssen weiter darauf drängen, dass diese Krankheiten auf der politischen Agenda bleiben und wir müssen schneller werden, um lebensrettende Behandlungen bereit zu stellen, die dann wirklich die Dinge verändern", sagte Dr. Bernard Pécoul, Geschäftsführer von DNDi.

Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

"Obwohl im vergangenen Jahrzehnt Fortschritte gemacht wurden, sehen wir weiterhin tödliche Lücken für neue Medikamente für Patientengruppen, die am wenigsten in der Welt sichtbar sind", sagte Dr. Nathalie Strub-Wourgaft, Medizinische Direktorin von DNDi. „Wir brauchen mehr Wirkstoffkandidaten in der Forschungspipeline – das heißt neue oder umgewidmete Substanzen -, um grundlegende Veränderungen in der Behandlung dieser Krankheiten zu erreichen."

„Unsere Patienten warten immer noch auf wirkliche medizinische Durchbrüche", sagte Dr. Jean-Hervé Bradol von Ärzte ohne Grenzen, Ko-Autoren der Studie. „Menschen leiden immer noch und sterben an diesen Krankheiten, und Gesundheitseinrichtungen müssen in der Lage sein, allen Patienten die bestmögliche Behandlung anzubieten – unabhängig von deren Möglichkeiten, zu zahlen. Nur dann werden wir sagen, dass wir einen Fortschritt erzielt haben."

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Link zum Artikel in te Lancet Global Health:

Pedrique B et al. The drug and vaccine landscape for neglected diseases (2000-11): a systematic assessment. Lancet Global Health, Early Online Publication, 24 Oct 2013. http://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(13)70078-0/fulltext doi:10.1016/S2214-109X(13)70078-0

Hintergrund zur Studie:

Vor einem Jahrzehnt organisierte Ärzte ohne Grenzen eine große Konferenz in New York, um das Ausmaß der Krise zu Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten Krankheiten zu untersuchen. Dabei wurde der Grundstein für das Entstehen von DNDi im Jahr 2003 gelegt. Die Studie im Jahr 2001 war zu dem Ergebnis gekommen, dass nur 1,1 Prozent der zwischen 1975 und 1999 neu zugelassenen Medikamente für vernachlässigte Krankheiten gedacht waren, darunter tropische Krankheiten, Malaria und Tuberkulose. Diese machten jedoch zwölf Prozent der globalen Krankheitslast aus. Die Studie stammte von Ärzte ohne Grenzen und einer Arbeitsgruppe, aus der DNDi hervorging.

Link zum Originalartikel: http://www.dndi.org/images/stories/pdf_scientific_pub/2002/trouiller_p_lancet.pdf

Link zur Originalstudie: http://www.dndi.org/images/stories/press_kit/rnd/pdfs/fatal_imbalance_2001.pdf

Pressekontakt: Samantha Bolton ; E-mail: samanthabolton@gmail.com / Mobil: +44 797 242 8633



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