Public Release:  Unnötiger Antibiotikaeinsatz: Meist Viren für Fiebererkrankungen bei Kindern verantwortlich

Swiss Tropical and Public Health Institute

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Kinder mit fieberhaften Erkrankungen leiden meist an einem viralen Infekt und nicht an Malaria oder bakteriellen Infektionen. Das zeigt eine heute publizierte Untersuchung mit tansanischen Kindern im New England Journal of Medicine. Eine Behandlung mit Anti-Malaria Medikamenten oder Antibiotika ist deshalb meist nicht notwendig. Die Erkenntnisse haben das Potential, Behandlungskosten und die Risiken von Medikamentenresistenzen zu senken.

Dank einfacher Diagnoseverfahren kann eine Malaria heute rasch und zuverlässig ausgeschlossen und Fehldiagnosen vermieden werden. Übrig bleiben Fiebererkrankungen, deren Ursache unklar bleibt und gegen die weltweit standartmässig und möglicherweise unnötig Antibiotika verabreicht werden.

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) untersuchte systematisch über 1000 Kindern mit Fieber in Tansania. Mit Hilfe eines komplexen Ausschlussverfahrens wertete das Team um Dr. Valérie D'Acremont über klinische Untersuchungsdaten und über 25'000 Labortests aus. Dieses systematische Vorgehen erlaubte den Wissenschaftlern, zwischen bakteriellen, viralen oder parasitären Ursachen des Fiebers zu unterscheiden. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Policlinique Médicale Universitaire in Lausanne, dem Universitätsspital Genf und dem Gesundheitsministerium Tansanias.

Über die Hälfte der untersuchten Kindern litt an akuten Atemwegserkrankungen, für die ein Grippe-Virus verantwortlich war. Ein Einsatz von Malaria Medikamenten oder Antibiotika war deshalb in den meisten Fällen unnötig. Malaria-Parasiten und bakterielle Infektionen waren nur selten Auslöser für das Fieber.

Antibiotika-Resistenz als grosses Public-Health-Problem

Diese Erkenntnisse sind von grosser Bedeutung für die allgemeine Gesundheitsversorgung. Denn die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen ist eines der weltweit grössten medizinischen Probleme.

«Vor dem Einsatz eines Antibiotikums sollte der behandelnde Arzt die genauen Ursachen des Fiebers klären», betont d'Acremont. Das von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgearbeitete Ausschlussverfahren erlaubt auch in Ländern mit eingeschränkten Gesundheitsmitteln eine eindeutige Diagnose. Damit sind Ärzte in der Lage, die genauen Ursachen für das Fieber zu bestimmen und die kleinen Patientinnen und Patienten bestmöglich zu behandeln.

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Studie

Valérie D'Acremont, Mary Kilowoko, Esther Kyungu, Sister Philipina, Willy Sangu, Judith Kahama-Maro, Christian Lengeler, Pascal Cherpillod, Laurent Kaiser, Blaise Genton. Beyond Malaria: Causes of Fever in Outpatient Tanzanian Children. N Engl J Med 370;9 February 27, 2014.

Kontakt

Valérie D'Acremont, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) & PMU Lausanne
Valerie.Dacremont@unibas.ch
Tel +41 79 556 25 51

Willy Sangu, Disctrict Medical Office, Municipality of Ilala, Dar es Salaam, Tanzania
wsangu@yahoo.com
Tel +255 784 92 58 40

Katarzyna Gornik Verselle, Communication, Policlinique médicale universitaire Lausanne
Katarzyna.Gornik-Verselle@hospvd.ch
Tel +41 21 314 08 39 / Tel +41 79 556 67 74

Christian Heuss, Communication, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH)
christian.heuss@unibas.ch
Tel +41 61 284 86 83

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