Public Release:  Nano-Welt: Wo sich Türme selbst bauen

Utl.: PhysikerInnen steuern mit geladenen Teilchen sich selbst organisierende Strukturen

University of Vienna

Diese Pressemitteilung ist verfügbar auf Englisch.

Stellen Sie sich vor, ein Turm fügt sich nach Auswahl der geeigneten Ziegelsteine selbst zur Zielstruktur zusammen. Absurd – und doch, in der Nano-Welt ist das Realität: Denn dort kann eine ungeordnete Menge von Komponenten das spontane Entstehen einer geordneten Struktur auslösen – eine sogenannte Selbstassemblierung. Die PhysikerInnen Christos Likos (Universität Wien), Emanuela Bianchi und Gerhard Kahl (beide TU Wien) erforschen, wie selbst konstruierende Substanzen im Nano-Bereich zu steuern sind. Aktuell gelang es ihnen, den Selbstassemblierungsprozess aufgrund unterschiedlich geladener Teilchen gezielt "an- und abzuschalten". Ihre Ergebnisse publizieren sie im renommierten Fachmagazin "Nano Letters".

Materialien im Nano- bzw. Mikromaßstab stehen aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der Elektronik und Photovoltaik sowie in der biomimetischen Materialsynthese im Fokus der Forschung. "Für die Entwicklung dieser Materialien werden oftmals mesoskopische (zwischen mikroskopisch und makroskopisch) kristalline Zielstrukturen benötigt. Deshalb sind die Naturwissenschaften gefordert, verlässliche, effiziente und günstige Methoden zu entwickeln, um Zielstrukturen mit besonderen Symmetrien und physikalischen Eigenschaften herstellen zu können", erläutert Christos Likos, Professor für Computergestützte Physik an der Universität Wien. Diese Materialien basieren heute zumeist auf der Selbstassemblierung (ohne äußere Einwirkungen) von sorgfältig gewählten, synthetischen Grundstoffen. Das makroskopische Analogon würde z.B. dem Bau eines Turms oder einer Brücke entsprechen, bei dem man lediglich die geeigneten Ziegelsteine auszuwählen hat, die sich von selbst zur Zielstruktur zusammenfügen.

Neues Material für Biosensoren, Datenspeicherung und Photovoltaik

Die Realisierung von zweidimensionalen geordneten Phasen ist im stark nachgefragten Bereich der funktionellen Materialien auf der Nano- und Mikroskala von größter Bedeutung. Niedrig-dimensionierte Systeme mit gut definierten Eigenschaften finden z.B. bei antireflexiven Beschichtungen, Biosensoren, bei der Datenspeicherung sowie in optischen und photovoltaischen Vorrichtungen oder Katalysatoren Anwendung. Die Qualität dieser Materialien basiert auf einem empfindlichen Zusammenspiel zwischen den Eigenschaften der Basisoberfläche und jenen der funktionellen Beschichtung.

Materialien mit unterschiedlich geladener Oberflächenstruktur

Im aktuellen Beitrag in "Nano Letters" konzentrieren sich die WissenschafterInnen um Christos Likos auf komplexe Nano-Einheiten, deren Oberflächenstruktur unterschiedlich geladene Regionen aufweist. Die untersuchten Einheiten sind negativ geladen – nur die Polarregionen an beiden Enden des Teilchens weisen positive Ladungen auf. "Wir haben die Selbstassemblierung der heterogen-geladenen Teilchen untersucht, die sich in der Nähe von homogen-geladenen Trägermaterialien befinden", berichtet Emanuela Bianchi, Elise-Richter-Stipendiatin an der TU Wien und Erstautorin der Studie. "Computersimulationen haben gezeigt, wie komplexe Strukturen im Nanobereich spontan entstehen und wie wir die zweidimensionale Anordnung der Teilchen steuern können", ergänzt Physiker Likos.

Selbstassemblierung gezielt beeinflussen

Abhängig von verschiedenen Parametern, etwa die Ladung der Teilchen oder die Größe der geladene Oberflächenumgebung, können sich flächige Schichten unterschiedlicher Dichte bilden, die möglicherweise auch auf Stimuli von außen unterschiedlich reagieren. "Wir konnten in unseren Untersuchungen feststellen, dass mit der Wahl der Bausteine die Herstellung einer Vielzahl von selbstassemblierenden Strukturen verbunden ist. Dadurch ist es uns gelungen, das spezifische Verhalten zu beschreiben, das durch die Anpassung der relevanten Parameter im jeweiligen System wirkt", freut sich der Physiker über die Ergebnisse. Von allerhöchstem Interesse für die Wissenschaft ist, dass in der Untersuchung aufgezeigt werden konnte, wie der Prozess umgekehrt abläuft und quasi "an- und abgeschaltet" werden kann.

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. http://www.univie.ac.at

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