[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 15-Jan-2005
The Lancet

Entlarvt: Wie die Tabakindustrie Zweifel am Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebsgenen streut

Eine Online-Vorabveröffentlichung beschreibt, in welcher Weise die Tabak-Industrie Forschung behindert, in der Verbindungen zwischen Tabakrauch und Krebs verursachenden Mutationen in einem Gen namens p53 aufgedeckt werden. Die Schädigung des p53-Gens führt zu unkontrollierter Zellteilung. Mutationen in diesem Gen werden in über 50 Prozent aller humanen Tumorem gefunden, einschließlich 60 Prozent der Lungentumoren.

Benzo[a]pyren, ein potentes Karzinogen, wurde 1952 in Zigarettenrauch identifiziert. In den 1980er Jahren offenbarten Studien musterartige Veränderungen in p53 nach Kontakt mit Benzo[a]pyren. 1996 zeigte eine herausragende Studie, dass die Interaktion von Benzo[a]pyren mit p53 Mutationen entsprach, wie sie in humanen Lungentumoren gefunden werden. Dieses Ergebnis lieferte starke molekulare Hinweise auf eine direkte karzinogene Wirkung von Tabakrauchkomponenten.

Stanton Glantz von der University of California in San Francisco und seine Kollegen untersuchten 43 bisher unveröffentlichte Dokumente der Tabakindustrie über den Zusammenhang von p53 und Tabakrauch. Die Forscher fanden heraus, dass bis 1996 mehrere Tabakfirmen Forschungsprojekte unterstützt hatten, welche die Auswirkungen von Mutationen im p53-Gen untersuchten. Nach der wegweisenden Studie von 1996 plante die Tabakindustrie mehrere Forschungsprojekte als Antwort und unterstützte Studien, die Zweifel an einem Zusammenhang zwischen Schädigung des Gens und Benzo[a]pyren in Tabakrauch hervorriefen.

In zwei Fällen wurden Ergebnisse, die gegen einen solchen Zusammenhang sprachen, von Personen veröffentlicht, die in Verbindung zu Tabakfirmen standen. Beide Studien wurden in einer Zeitschrift publiziert, deren Chefredakteur lange Jahre ungenannt als Forscher und Berater im Dienste der Tabakindustrie gearbeitet hatte.

Professor Glantz kommentiert: "Die Tabakfirmen behaupten, dass sie nun mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, um eine einzige, in sich konsistente Antwort zur Bedeutung des Zigarettenrauchens bei der Entwicklung von Krankheiten bei Rauchern zu finden. Ihre facettenreiche, erst 2001 erfolgte Antwort auf die Forschung im p53-Umfeld lässt vermuten, dass sie ihre Praktiken nicht geändert haben."

Er fügt hinzu: "Angesichts der ausgedehnten und raffinierten Verwicklung der Tabakindustrie in die p53-Forschung sollten Autoren, Editoren und Leser wissenschaftlicher Literatur das Aufstellen und Einhalten strenger Standards für die Enthüllung und Bewertung potenzieller Interessenskonflikte fordern. Universitäten und andere biomedizinische Forschungseinrichtungen sollten kein Geld von der Tabakindustrie annehmen, um jede potenzielle Beeinträchtigung der Integrität des wissenschaftlichen Prozesses zu minimieren."

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Quelle: Pascal A Diethelm, Jean-Charles Rielle, Martin McKee. The whole truth and nothing but the truth? The research that Philip Morris did not want you to see. Lancet 2005; 365: Early Online Publication

http://www.thelancet.com


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