[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 29-Oct-2004
The Lancet

Erhöht ein Screening auf virale RNA die Sicherheit von Organ- und Gewebstransplantationen?

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie lassen vermuten, dass eine Routine-Untersuchung von Blutproben zur Detektion viraler RNA in Organen und Geweben von Spendern, die keine auffälligen Zeichen klinischer Erkrankungen zeigen, das Risiko einer Übertragung der Erreger auf Transplantat-Empfänger reduzieren würde.

Die Detektion von Antikörpern gegen virale Erkrankungen wie HIV und Hepatitis C ist derzeit die konventionelle Methode um festzustellen, ob eine Person als Gewebe- oder Organspender in Frage kommt. Dieser Ansatz ist jedoch dadurch limitiert, dass einige Donoren mit einem Virus infiziert sein können, jedoch noch keine "Serokonversion“ stattgefunden hat (eine vollständige Immunreaktion mit Antikörper-Produktion). Solche Donoren stellen ein Risiko für Transplantat-Empfänger dar.

Jean-Michel Pawlotsky vom Hôpital Henri Mondor in Paris und seine Kollegen untersuchten, ob ein Nucleinsäuretest (NAT, nucleic acid testing) RNA von HI-Viren oder Hepatitis-C-Viren (HCV) in einer Reihe von seronegativen Organ- und Gewebe-Donoren detektieren könnte, und ob diese Technik routinemäßig zur Verbesserung der "Virenfreiheit“ von Transplantaten eingesetzt werden kann. Sie untersuchten 2236 Organspender, 636 Gewebespender und 177 Hornhautspender. Die Forscher identifizierten fünf HCV-RNA-positive Donoren in 2119 HCV-seronegativen Organspendern und einen HCV-RNA-positiven Donor unter 631 HCV-seronegativen Gewebespendern. Es wurden keine HIV-seronegativen, HIV-RNA-positiven Spender identifiziert.

Dr. Pawlotsky kommentiert: "Unsere Daten, zusammen mit anderen beschriebenen Fällen von HCV-Übertragung auf Empfänger eines seronegativen, HCV-RNA-positiven Donors, lassen vermuten, dass ein Routine-Screening von Organ- und Gewebe-Spendern mit Hilfe von NAT die virale Sicherheit auf dem Gebiet der Transplantologie verbessern könnte. Die Einführung eines systematischen NAT-Screenings von Geweben (und Zellen) der Donoren ist auf jeden Fall praktikabel, weil virale Tests jeden Tag durchgeführt werden können und auf standardisierten, zum Teil automatisierten, kommerziellen Techniken und Abläufen basieren. Technische Probleme verhindern momentan ein routinemäßiges NAT-Screening von Organspendern, nicht jedoch von Gewebe- oder Zell-Spendern. Die NAT-Techniken sollten daher schleunigst auch auf das Screening von Organspendern adaptiert und eine praktische Anwendung diskutiert werden.“

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Quelle: Dominique Challine, Bertrand Pellegrin, Magali Bouvier-Alias, Pierrette Rigot, Liliane Laperche, Jean-Michel Pawlotsky . HIV and hepatitis C virus RNA in seronegative organ and tissue donors . Lancet 2004; 364: 1611

http://www.thelancet.com


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