[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: September 3, 2004

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Funktioniert die Atkins-Diät wirklich?

Ein schneller Übersichtsartikel von Arne Astrup und seinen Kollegen diskutiert, ob die populäre Atkins-Diät wirklich zu einem Gewichtsverlust führt. Über 45 Millionen Kopien der Atkins-Diät-Bücher wurden verkauft, und die zugehörigen Nahrungsmittel sind ebenso populär. Kohlenhydratreduzierte Diäten werden schon seit den 1860er Jahren propagiert, doch die Atkins-Bücher sind im Moment am erfolgreichsten. Uneingeschränkter Verzehr von Butter, fettigem Fleisch und stark fetthaltigen Milchprodulten werden befürwortet, während die Aufnahme von Kohlenhydraten auf unter 30 Gramm pro Tag reduziert ist. Drei randomisierte Studien haben die Langzeiteffekte von Diäten mit niedrigem Kohlenhydratanteil untersucht. In der ersten wurden stark fettleibige Personen zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, die sich für sechs Monate entweder einer energiereduzierten Diät mit niedigem Fettanteil oder einer Diät mit unbeschränkter Fettaufnahme, aber niedrigem Kohlenhydratanteil unterzogen. Am Ende der sechs Monate hatten die Personen aus der Gruppe mit niedrigem Kohlenhydratanteil mehr Geicht verloren, nach zwölf Monaten konnte jedoch kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden. Die dritte Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen, während in der zweiten fettleibige Frauen mit der kohlenhydratarmen Diät nach sechs Monaten mehr Gewicht verloren, als Frauen mit einer vergleichbaren Diät.

Wie funktioniert diese Diät? Professor Astrup und Kollegen erklären, dass bei einer stark eingeschränkten Aufnahme von Kohlenhydraten die Glykogen-Speicher und daran gebundenes Wasser aufgebraucht werden; daher besteht die Gewichtsreduktion vornehmlich aus einem Wasserverlust.

Radioaktive Absorptionsstudien konnten jedoch keinen deutlichen Verlust der "Lean body mass" (Körpergewicht abzüglich des Fettanteils) feststellen, was darauf schließen ließe, dass die Gewichtsabnahme auf einen Verlust von Fett zurückzuführen wäre. Die Atkins-Bücher behaupten, dass der Gewichtsverlust auf einem erhöhten Energieverbrauch beruht, während Professor Astrup und Kollegen vorschlagen, dass es an einer Restringierung der Nahrungsauswahl liegen könnte und an der Tatsache, dass Protein einen stärkeren sättigenden Effekt aufweist, als Fett und Kohlenhydrate.

Ist die Diät sicher? Einige kardiovaskuläre Risikofaktoren verbesserten sich bei Personen unter der kohlenhydratarmen Diät, doch eine begrenzte Aufnahme von Vollkornbrot und Getreide, Früchten und Gemüse stellt keine ausgewogene Ernährung dar. Die Abwesenheit dieser Nahrungsgruppen könnte das Risiko für Krebs oder kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Der Kohlenhydratgehalt dieser Diät liegt unter dem Minimum, das der Körper benötigt, um Gehirn und Muskeln mit Zucker zu versorgen. Personen, die sich der Atkins-Diät unterzogen, litten deutlich häufiger an Muskelkrämpfen, Durchfall, generellen Schwächeanfällen und Hautausschlägen als Personen unter der empfohlenen fettarmen Diät. Professor Astrup und Kollegen schließen daraus, dass längere Studien nötig sind (bis zu zwei Jahre), um die Effizienz des Gewichtsverlustes bei kohlenhydratarmen Diäten zu untersuchen. Sie empfehlen, dass Personen, die Gewicht verlieren und den Verlust auch halten möchten, eine kalorien- und fettreduzierte Diät anzustreben und gleichzeitig ihre physische Aktivität zu erhöhen.

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Quelle: Arne Astrup, Thomas Meinert Larsen, Angela Harper . 1. Atkins and other low-carbohydrate diets: hoax or an effective tool for weight loss? . Lancet 2004; 364: 897

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