[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 22-Jan-2005
The Lancet

Genetische Tests für Parkinson-Erkrankung denkbar

Drei Studien in dieser Ausgabe identifizieren eine einzige Genmutation als Ursache bei einem von 25 Parkinson-Fällen weltweit. Die Studien lassen vermuten, dass die Mutation in einem erst kürzlich entdeckten Gen namens LRRK2 etwa fünf Prozent der vererbten Parkinson-Fälle und etwa zwei Prozent der sporadischen Fälle verursacht. Ein Test auf diese neue Mutation wird wahrscheinlich in naher Zukunft ein Bestandteil eines genetischen Tests auf eine Veranlagung für die Parkinson-Krankheit werden.

Schüttellähmung ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Krankheit und betrifft über ein Prozent der Personen im Alter über 65 Jahren. Die Erkrankung wird durch ein Zittern im Ruhezustand charakterisiert, langsame Bewegungen, Muskelsteifheit, instabile Körperhaltung und Verschlechterung von Balance und Koordination.

Vincenzo Bonifati vom Erasmus Medical Centre in Rotterdam in den Niederlanden und seine Kollegen analysierten die LRRK2-Gene in 61 Familien mit Parkinson-Historie. Die Forscher fanden heraus, dass Individuen in vier nicht miteinander verwandten Familien eine Kopie der Mutation trugen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass diese Mutation mit der erblichen Form der Erkrankung assoziiert ist.

Dr. Bonifati kommentiert: "Das ist ein signifikanter Schritt hin zum besseren Verständnis der Ursachen und Mechanismen der Parkinson-Krankheit, mit Auswirkungen sowohl auf die wissenschaftliche als auch auf die klinische Gemeinschaft. Die grundlegende Herausforderung liegt darin nachzuvollziehen, wie diese und andere mit der Parkinson-Krankheit assoziierte LRRK2-Mutationen zur Neurodegeneration und Erkrankung führen, um neue therapeutische und präventive Strategien entwickeln zu können. "

"Vom genetischen Standpunkt ist das Vorkommen der gleichen Mutation in Zusammenhang mit der Krankheit in Patienten aus verschiedenen Populationen fesselnd. Es stellt sich die Frage, ob die Mutation in den verschiedenen Fällen und Familien unabhängig voneinander entstand oder ob sie von einem einzigen gemeinsamen Vorfahren weitergegeben wurde. Weitere genetische Studien werden diese Frage untersuchen; wenn die Mutation jedoch von einem gemeinsamen Vorfahren abstammt, muss sie schon sehr alt sein."

Nicholas Wood vom National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London und seine Kollegen untersuchten das LRRK2-Gen in 482 Parkinson-Patienten ohne familiäre Vorgeschichte der Krankheit. Sie fanden heraus, dass die Mutation bei acht Patienten vorhanden war, was die Mutation sowohl mit sporadischen als auch mit erblichen Formen der Parkinson-Krankheit in Zusammenhang bringt. William Nichols vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Centre in Cincinnati in den USA und seine Kollegen maßen die Häufigkeit der LRRK2-Mutation bei der familiären Parkinson- Krankheit durch DNA-Untersuchungen an Patienten und einer Kontroll-Population. Von 767 betroffenen Individuen aus 358 Familien zeigten 35 Patienten aus zwanzig unterschiedlichen Familien eine oder zwei Kopien der Mutation und auch typische Anzeichen der Parkinson-Krankheit. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass diese einzelne Mutation im LRRK2-Gen in etwa fünf Prozent der Individuen die erbliche Form der Parkinson-Erkrankung verursacht.

Dr. Nichols kommentiert: "Tests auf das Vorkommen der neuen Mutation werden wahrscheinlich in naher Zukunft eine Schlüsselkomponente genetischer Tests für die Parkinson-Krankheit werden. Obwohl wir nur Untersuchungen bezüglich einer Mutation durchgeführt haben, wurden schon weitere Mutationen identifiziert. Daher liegt die tatsächliche Zahl der LRRK2-Mutationen bei der familiären Form der Erkrankung wohl substanziell höher als fünf Prozent. Mutationen in diesem Gen könnten die wichtigste bisher identifizierte Ursache einer Anfälligkeit für die Parkinson-Krankheit werden."

###

Quelle: William C Nichols, Nathan Pankratz, Dena Hernandez, Coro Paisán-Ruíz, Shushant Jain, Cheryl A Halter, Veronika E Michaels, Terry Reed, Alice Rudolph, Clifford W Shults, Andrew Singleton, Tatiana Foroud, for the Parkinson Study Group-PROGENI investigators*. Genetic screening for a single common LRRK2 mutation in familial Parkinson's disease. Lancet 2005; 365: Early Online Publication

http://www.thelancet.com


[ Back to EurekAlert! ]