[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: Oct-1-2004
The Lancet

Gewalt gegen alte Menschen – eine unbekannte Tragödie

Ein Seminarartikel diskutiert das selten angeschnittene und komplexe Thema der Misshandlung älterer Menschen. Auch das Editorial beschäftigt sich mit diesem Thema und erklärt, dass ältere Menschen nicht als Randgruppen-Opfer, sondern als vollwertige Teilnehmer und wertvolle Mitbürger angesehen werden sollten.

Mark S. Lachs und Karl Pillemer von der Cornell University in New York heben das Fehlen qualifizierter Forschungsergebnisse bezüglich solcher physischer oder mentaler Misshandlungen älterer Personen hervor. Werden die Daten auf häusliche Misshandlungen fokussiert, heben sich zwei erschreckende Statistiken hervor: Die Häufigkeit der Misshandlungen älterer Menschen liegt zwischen 2 Prozent und 10 Prozent; Personen, die misshandelt wurden, sterben mit zwei bis dreimal höherer Wahrscheinlichkeit in den nächsten drei Jahren als nicht misshandelte Personen, sogar nach einer Korrektur der Zahlen um Begleiterkrankungen und anderer Störgrößen.

Die Autoren diskutieren auch mögliche Ansätze für Screening-Programme, um den Missbrauch älterer Menschen zu identifizieren. Sie stellen jedoch fest, dass zuallererst das Bewusstsein der Ärzte für dieses Phänomen geschärft werden muss, um die Detektion von Missbrauch zu erleichtern. Die Schwierigkeiten einer sicheren Diagnose aufgrund des hohen Risikos für falsch-positive oder falsch-negative Diagnosen wird ebenfalls angesprochen. Die Autoren betonen die Wichtigkeit eines multidisziplinären Ansatzes, in den zusätzlich zu Hausärzten Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Anwälte und die Polizei miteinbezogen werden sollten.

Dr. Lachs kommentiert: "Obwohl unser Wissen bezüglich der klinischen Manifestationen und der Behandlung des Missbrauchs älterer Menschen lückenhaft ist, sollten Ärzte beginnen, eine aktive Rolle bei der Identifizierung und Behandlung zu spielen. Gewalt innerhalb der Familie beeinträchtigt direkt die Lebensqualität, und die Befreiung eines Patienten aus einer solchen Situation ist eine der befriedigendsten Erfahrungen für Ärzte und andere Angestellte des Gesundheitswesens. Trotz der Notwendigkeit, mehr Daten bezüglich solcher Übergriffe zu erheben, ist ein angemessener Ansatz auf jeden Fall interdisziplinär, spezifisch an die Situation angepasst und involviert idealerweise mehrere Gruppenmitglieder mit unterschiedlicher Erfahrung (so wird das Modell auch bei geriatrischen Syndromen angewandt). Zukünftige Forschung sollte sich auf die Entwicklung klinisch nützlicher Screening-Techniken und auf die evidenzbasierte Bewertung wiederholter Behandlungsmaßnahmen konzentrieren."

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Quelle: Mark S Lachs, Karl Pillemer. Elder abuse. Lancet 2004; 364: 1263

http://www.thelancet.com


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