[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 10-Dec-2004
The Lancet

Gesundheit von Kindern muss Priorität der UNICEF für das nächste Jahrzehnt sein

Ein Expertenforum zur Untersuchung der Fortschritte zur globalen Gesundheit in Relation zu den Millenium Development Goals letzte Woche in Abuja, Nigeria mahnte, dass die Erfolgsrhetorik derer, welche die vielen nutzlosen Todesfälle von Millionen Kindern beenden sollten, nur ihr eigenes tiefsitzendes Versagen maskiere, mit den kritischen institutionellen Schwächen in den eigenen Reihen zurechtzukommen.

Ein Kommentar in der aktuellen Lancet-Ausgabe bietet eine Analyse der UNICEF, ihres Jahrzehnte langen Versagens, eine Strategie zum Überleben von Kindern zu erarbeiten und auszuführen (das vierte Millenium Development Goal), und einen Aufruf zum Handeln, da der UN-Generalsekretär Kofi Annan mit der Auswahl eines neuen UNICEF-Leiters im Jahr 2005 beginnt. Der Auswahlprozess eines neuen UNICEF-Geschäftsführers ist zweifelhaft. Lancet-Herausgeber Richard Horton kommentiert: "Es gibt keine allgemeingültigen Kriterien, anhand derer die Gesellschaft – sei es aus politischer oder gesundheitspolitischer Sicht - einen Kandidaten zur Führung der UNICEF beurteilen kann. Dieser diskreditierte Vorgang droht die Integrität des UN-Systems zu zerstören und, weit wichtiger, er könnte sich desaströs auf die Zukunft der Gesundheit von Kindern auswirken."

Im Juni 2003 veröffentlichte "The Lancet" eine Reihe von Artikeln, welche die schockierende Realität der weltweiten Kindergesundheit zum Thema hatten. Die Reihe wollte eine sehr einfache Frage lösen: Wo und warum sterben jedes Jahr zehn Millionen Kinder? Die Antwort: Die meisten Todesfälle beschränken sich auf sechs Länder, zwei Drittel davon sind vermeidbar. Sie löste eine ausgedehnte Reaktion aus, jedoch nicht von der UNICEF. In der Tat hat die UNICEF unter ihrer momentanen Geschäftsführerin, Carol Bellamy, den wichtigsten Teil ihrer Mission aus den Augen verloren – das Grundrecht eines Kindes auf Überleben sicherzustellen.

Dr Horton fährt fort: "UNICEF spielt sicherlich eine Schlüsselrolle in der Führung der weltweiten Anstrengungen, Kinder zu einer globalen Priorität zu machen. Unter der Führung von Bellamy ist die UNICEF momentan in einer schwachen Position, um das auch zu erreichen. Ihr unverkennbarer Fokus war es, die Rechte der Kinder zu verfechten. Dieser auf Rechten basierende Ansatz für die Zukunft der Kinder passt gut zum Zeitgeist der internationalen Entwicklungspolitik. Doch eine Hauptbeschäftigung mit ihren Rechten ignoriert die Tatsache, dass Kinder keine Möglichkeit zur Entwicklung haben, wenn sie nicht überleben. Die Sprache der Rechte bedeutet wenig für ein totgeborenes Kind, ein Kind, das unter Schmerzen an einer Lungenentzündung stirbt oder ein Kind, das von einer Hungersnot ausgezehrt ist. Das fundamentale Recht von allen ist das Recht zu leben. Das Überleben von Kindern muss im Herzen von UNICEFs Anwaltschaft und Länderarbeit sitzen. Derzeit ist das schändlicherweise nicht der Fall."

Die bisherigen drei Geschäftsführer – vor allem Bellamys Vorgänger, James Grant – platzierten das Überleben von Kindern im Zentrum der UNICEF-Arbeit, sodass die Agentur zum meist respektierten Teil der UN wurde. "Was sind die Fähigkeiten und Erfahrungen, nach denen Kofi Annan beim nächsten Geschäftsführer suchen sollte? Es gibt mehrere generelle Eigenschaften, welche die Entscheidung des UN-Generalsekretärs beeinflussen sollten. UNICEF muss von einer energischen und inspirierenden Person geführt werden, die ambitioniert an der Zukunft der Kinder dieser Welt arbeitet. Er/Sie muss über politische Integrität verfügen, willens sein, mit fester Stimme gegen die Macht anzusprechen, und Interesse am Wohlergehen und der Gesundheit von Kindern haben – oder zumindest Verständnis dafür zeigen, dass die Gesundheit von Kindern einen kritischer Faktor im Vorankommen der menschlichen Entwicklung darstellt. Es ist überraschend, dass die wichtigste UN-Agentur vier amerikanische Geschäftsführer hatte. Es ist schwer zu glauben, dass die am besten geeignete Person, welche den Kampf gegen die globalen Nöte von Kindern vertreten soll, nur ein Amerikaner sein kann. Kofi Annan sollte sein Netz für Nominierungen weit auswerfen und besonders gut auf Nicht-US-Kandidaten schauen."

Der Ernennungsprozess des nächsten Amtsinhabers wird geheim vor sich gehen und von politischem Lobbyismus beeinflusst werden. Quellen, die Kofi Annan nahe stehen, lassen vermuten, dass der nächste Geschäftsführer wahrscheinlich ein Amerikaner sein wird – unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Erfahrung. Der Auswahlprozess muss öffentlich gemacht werden. Die Namen der Kandidaten sollten öffentlich bekannt sein. Außerdem sollten sie von einem speziell berufenen internationalen Komitee der UN befragt werden.

Dr. Horten schließt: "Kinder bleiben eine der am meisten an den Rand gedrängten Gruppen in unserer heutigen Welt. Die Zwickmühle der Kinder ist die Zwickmühle unserer Zukunft - und der Zukunft unserer Zwickmühle. UNICEF braucht einen visionären Führer, eine Person mit der starken Fähigkeit, die nächsten zehn Jahre in das 'Jahrzehnt des Überlebens und der Entwicklung der Kinder' zu verwandeln. Mr. Annan, das ist die wichtigste Entscheidung Ihrer Karriere – ihre Auswirkungen werden die Leben von Millionen derer berühren, die keine Stimme haben. Seien Sie ihre Stimme."

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Quelle: Richard Horton. UNICEF leadership 2005-2015: a call for strategic change. Lancet 2004; 364: 2071

http://www.thelancet.com


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