[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 12-Nov-2004
The Lancet

Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs mit ersten ermutigenden Ergebnissen

Die ersten Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie in dieser Ausgabe zeigen, wie ein Impfstoff gegen eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) das globale Auftreten von Gebärmutterhalskrebs womöglich reduzieren könnte.

Beinahe eine Viertel Million Frauen sterben jährlich weltweit an Gebärmutterhalskrebs. Epidemiologische Studien der letzten zwei Jahrzehnte haben den Auslöser dafür bestätigt: bestimmte Typen einer Infektion mit HPV. Eine Impfung gegen die häufigsten Krebs erregenden HPV-Typen, HPV-16 und HPV-18, könnte bis zu siebzig Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Fälle verhindern.

Diane M. Harper vom Norris Cotton Cancer Center und der Dartmouth Medical School in den USA und ihre Kollegen überprüften in einer randomisierten Kontrollstudie die Wirksamkeit einer Vakzine mit HPV-16 und HPV-18, das Auftreten und die Persistenz einer HPV-Infektion, die mit anomalen Veränderungen des Gebärmutterhalses und präkanzerösen Läsionen einhergeht, zu verhindern. 1113 Frauen aus Brasilien und Nordamerika im Alter von 15 bis 25 Jahren erhielten entweder drei Dosen des Impfstoffes oder eines Placebo.

Bei jenen Frauen, welche die Behandlung bis zum Ende durchführten (721 oder 65 Prozent der ursprünglichen Beteiligten), zeigte sich der Impfstoff in hundert Prozent der Fälle wirksam gegen eine bestehende HPV-16/18-Infektion. Werden alle ursprünglichen Beteiligten betrachtet, die also mindestens eine Vakzine-Dosis bekommen hatten, lag die Wirksamkeit gegen eine bestehende HPV-16/18-Infektion bei 95 Prozent. In 93 Prozent der Fälle verhinderte der Impfstoff auffällige Befunde beim Abstrich, die mit HPV-16/18-Infektionen assoziiert sind, und er schützte bei allen Frauen vor präkanzerösen Gewebeveränderungen des Gebärmutterhalses im Zusammenhang mit einer HPV-16/18-Infektion.

Dr. Harper kommentiert: "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass die Vakzine das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs weltweit entscheidend reduzieren könnte. Zunächst müssen allerdings größere Studien mit langfristiger Nachuntersuchung unsere Ergebnisse ergänzen und bestätigen, dass eine Impfung den Krebs wirklich verhindern kann."

In einem Begleitkommentar äußern Matti Lehtinen und Jorma Paavonen von der Universität Helsinki: "Die Lizensierung des HPV-Impfstoffs wird nicht lange auf sich warten lassen. Er wird damit wohl der erste lizensierte Impfstoff gegen eine verbreitete, sexuell übertragbare Krankheit sein. Seine Einführung sollte allerdings randomisierten Bevölkerungsstudien begleitet werden. Verschiedene Fragen zur Wirksamkeit bei Einführung einer Vakzine und deren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit bleiben unbeantwortet. Wie lässt sich eine HPV-Impfung in nationalen Impfprogrammen verankern, um einen möglichst hohen Deckungsgrad bei den sexuell aktiven Heranwachsenden zu erreichen? Sollten Mädchen wie Jungen geimpft werden? Wie viele onkogene HPV-Typen sollte die Vakzine enthalten?" Sie schließen: "Im Vertrauen darauf, dass die noch offenen Fragen geklärt werden, lautet die direkte Botschaft der Studie von Harper und ihren Kollegen, dass eine vorbeugende Impfung gegen Krebs erregende HPV-Typen bald verfügbar sein wird."

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Quelle: Diane M Harper, Eduardo L Franco, Cosette Wheeler, Daron G Ferris, David Jenkins, Anne Schuind, Toufik Zahaf, Bruce Innis, Paulo Naud, Newton S De Carvalho, Cecilia M Roteli-Martins, Julio Teixeira, Mark M Blatter, Abner P Korn, Wim Quint, Gary Dubin, for the GlaxoSmithKline HPV Vaccine Study Group*. Efficacy of a bivalent L1 virus-like particle vaccine in prevention of infection with human papillomavirus types 16 and 18 in young women: a randomised controlled trial. Lancet 2004; 364: 1757

http://www.thelancet.com


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