[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 11-Nov-2004
The Lancet

Kolposkopie nicht als Untersuchungsmethode für Zervixkarzinome bei jungen Frauen geeignet

Die Resultate einer aktuellen US-Studie weisen darauf hin, dass regelmäßige Abstriche einen bessere Untersuchungsmethode darstellen als die Kolposkopie, um geringe zervikale Läsionen bei Heranwachsenden und jungen Frauen zu untersuchen.

Ungefähr 70 Prozent der sexuell aktiven Frauen werden mit dem humanen Papillomavirus (HPV) infiziert; ungefähr ein Viertel der HPV-infizierten Frauen entwickeln eine low-grade squamöse intraepitheliale Läsion (LSIL). Obwohl LSIL normalerweise gutartig ist und im Laufe der Zeit verschwindet, kann sich auch eine schwere Läsion entwickeln, die Vorform eines Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs).

Anna-Barbara Moscicki von der University of California in San Francisco und ihre Kollegen untersuchten die Wahrscheinlichkeit einer LSIL-Regression bei jungen Frauen und die Faktoren, die mit dieser Regression assoziiert sind. Junge Frauen zwischen 13 und 22 Jahren wurden alle vier Monate zytologisch mit einem Abstrich und per Kolposkopie (einer inneren Untersuchung der Vagina und der Zervix) untersucht. Der HPV-DNA-Status wurde molekularbiologisch erhoben. Eine Regression wurde durch mindestens drei aufeinanderfolgende Abstriche ohne Befund definiert. 187 Frauen von ursprünglich 900 Untersuchten entwickelten LSIL. 60 Prozent dieser Frauen zeigten sich nach einem Jahr frei von Läsionen; 90 Prozent zeigten eine Regression innerhalb von drei Jahren nach der Erstdiagnose.

Dr. Moscicki kommentiert: "Unsere Daten legen nahe, dass sich die meisten LSILs in immunkompetenten Frauen spontan zurückbilden, und unterstützen damit die Form des Monitorings der zytologischen Läsionen. Die Folgeerhebung des HPV-Status erwies sich als guter Marker für Regression, der HPV-Status zum Zeitpunkt der LSIL-Diagnose hingegen nicht. Die Erkenntnis, dass mehrere gleichzeitig persistierende HPV-Typen die Regressionsrate verlangsamen, muss eingehender untersucht werden.“

In einem Begleitkommentar folgern Anne Szarewski und Peter Sasieni von Cancer Research in Großbritannien: "Moscicki und ihre Kollegen konnten eindeutig die weite Verbreitung von LSIL in jungen Frauen zeigen, aber auch deren Bedeutungslosigkeit. Sie legen nahe, dass 'die Strategie, alle heranwachsenden und jungen Frauen zu kolposkopieren, ungerechtfertigt' sei. Wir würden weiter gehen. Die Fakten belegen, dass mit der Kolposkopie und zervikalen Untersuchungen beträchtliche Ängste und psychosexuelle Morbidität verbunden ist. Sofern dies für die Allgemeinheit gilt, wie viel stärker ist diese Angst in jungen Frauen ausgeprägt? Wie wirkt sich so etwas auf ihre weitere emotionale und sexuelle Entwicklung aus? Da LSIL bei jungen Frauen unbehandelt bleibt, sollten wir uns an die Grundsätze der Medizin halten: Zumindest keinen Schaden anrichten. Wir sehen absolut keinen Sinn in der Kolposokpie als Routine-Untersuchung junger heranwachsender Frauen.“

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Quelle: Anna-Barbara Moscicki, Stephen Shiboski, Nancy K Hills, Kimberly J Powell, Naomi Jay, Evelyn N Hanson, Susanna Miller, Lisa K Canjura-Clayton, Sepidah Farhat, Jeanette M Broering, Teresa M Darragh . Regression of low-grade squamous intra-epithelial lesions in young women . Lancet 2004; 364: 1678

http://www.thelancet.com


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