[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 8-Oct-2004
The Lancet

Luft besser als Sauerstoff zur Beatmung neugeborener Kinder

Eine aktuelle Studie lässt vermuten, dass die Verwendung von Luft anstelle von reinem Sauerstoff zur Beatmung von Neugeborenen die Kindersterblichkeit verringern könnte. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu dem lange bestehenden Glauben, dass 100 Prozent Sauerstoff besser für Kinder sei, die in den ersten Minuten ihres Lebens beatmet werden müssen. Zwischen 5 und 10 Prozent der neugeborenen Kinder benötigen direkt nach der Geburt Unterstützung beim Atmen. Gemeinsame internationale Erklärungen bezüglich der Wiederbelebung von Neugeborenen empfahlen die Verwendung von 100 Prozent Sauerstoff, sollte eine Beatmung notwendig sein. Es bestehen jedoch Bedenken, dass reiner Sauerstoff den Blutfluss im Gehirn neugeborener Kinder reduziert.

Peter Davis vom Royal Women’s Hospital/University of Melbourne in Australien und seine Kollegen führten eine systematische Durchsicht und Meta-Analyse von 5 Studien durch (insgesamt etwa 1300 Neugeborene), die eine Wiederbelebung mittels Luft oder 100 Prozent Sauerstoff verglichen. Kinder aus diesen fünf Studien wurden generell kurz vor dem eigentlichen Geburtstermin geboren (im Mittel nach 38 Wochen), stammten vornehmlich aus Entwicklungsländern und waren moderat mit Sauerstoff unterversorgt.

Obwohl keine der Studien alleine einen signifikanten Unterschied in der Todesrate feststellen konnte, zeigte eine Kombination der Studien in einer Meta-Analyse, dass 5 Prozent weniger Kinder starben, die mit Luft wiederbelebt wurden, verglichen mit einer Wiederbelebung durch reinen Sauerstoff. Es wurden über längere Zeit keine Unterschiede bezüglich neurologischer Parameter gefunden, obwohl die einzige Studie, die eine solche Langzeitbeobachtung anstrebte, methodische Schwächen aufwies.

Dr. Davis kommentiert: "Einer von 20 Todesfällen könnte verhindert werden, wenn die Kinder mit Luft anstatt 100 Prozent Sauerstoff beatmet würden. Für Kinder, die zum richtigen Geburtstermin oder kurz davor geboren werden, können wir vernünftigerweise folgern, dass zuerst Luft verwendet werden sollte und Sauerstoff nur in dem Fall, dass die initiale Beatmung scheitern sollte. Der Effekt niedrigerer Sauerstoff-Konzentrationen bei der Wiederbelebung muss untersucht werden. Zukünftige Studien sollten auch den Effekt bei Frühgeburten untersuchen und stratifizieren."

In einem Begleitkommentar folgert Georg Hansmann von der Stanford-Universität in den USA: "Die Hinweise auf eine Verminderung der Sterblichkeit durch die Verwendung von Luft sind überwältigend und werden weitreichende Auswirkungen auf die Behandlung und die Chancen für neugeborene Kinder haben, deren Lunge sich nicht vollständig entfaltete. Auf der demnächst stattfindenden 'Evidence Evaluation Conference 2005' könnten Experten auf diese neuen Daten aufmerksam werden und Richtlinien für die Wiederbelebung von Neugeborenen leicht ändern, neue Ziele setzen und Vorschläge machen, wie eine Normoxie (ein normaler Sauerstoffgehalt) bei solchen Kindern erreicht, aufrechterhalten und überwacht werden kann."

Quelle: Peter G Davis, Anton Tan, Colm P F O'Donnell, Andreas Schulze . Resuscitation of newborn infants with 100% oxygen or air: a systematic review and meta-analysis . Lancet 2004; 364: 1329

http://www.thelancet.com


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