[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 11-Mar-2005
The Lancet

Luftumwälzung gegen Krankheitsübertragung während des Fluges

Eine verstärkte Luftumwälzung in den Kabinen von Flugzeugen kann die Verbreitung von Infektionskrankheiten während eines Fluges verringern – so lautet die Kernaussage dieses Übersichtsartikels.

Mark Gendreau vom Lahey Clinic Medical Centre in Massachusetts und seine Kollegen analysierten Daten aus verschiedenen Studien zur Übertragung von Krankheiten in der kommerziellen Luftfahrt. Sie fanden heraus, dass kommerzielle Flüge eine günstige Umgebung für die Verbreitung von Pathogenen durch Passagiere oder Besatzung bieten. Die Umwelt-Regeltechnik, die in kommerziellen Flugzeugen zum Einsatz kommt, limitiert jedoch anscheinend die Verbreitung von luftübertragenen Pathogenen. Angemessene Belüftung jedes begrenzten Raumes reduziert die Konzentration von Luftkeimen; hierbei reduziert ein Luftwechsel – gemeint ist der Austausch des kompletten Luftvolumens - 63 Prozent der Luftkeime aus diesem definierten Raum. Computer-Modelle von Daten aus Tuberkulose-Untersuchungen während eines Fluges zeigen, dass eine Verdopplung der Luftumwälzungsrate in der Kabine das Infektionsrisiko halbiert.

Untersuchungen von Tuberkulose-Übertragungen während Flügen lassen vermuten, dass das Risiko einer Krankheitsübertragung auf andere symptomfreie Passagiere im Zusammenhang mit einem Platz im Umkreis von zwei Reihen zu einem ansteckenden Passagier während einer Flugdauer von mehr als acht Stunden steht. Bei einem SARS-Ausbruch wurden sogar Passagiere angesteckt, die mehr als sieben Reihen vom infektiösen Passagier entfernt saßen.

Der Übersichtsartikel erklärt, dass die Desinfektion eines Flugzeuges – Einsprühen vor der Landung zum Abtöten von Insekten – und die Vektorkontrolle im Umfeld von Flughäfen sowie Impfungen in nicht endemischen Gebieten wirksam zu sein scheinen. Obwohl jedoch internationale Gesundheitsvorschriften die Desinfektion von Flugzeugen empfehlen, die aus Ländern mit Malaria oder anderen Vektor-übertragenen Krankheiten kommen, wird dies im Moment von nur fünf Ländern (Australien, Karibik, Indien, Kiribati und Uruguay) umgesetzt.

Die Autoren glauben, dass Flugzeugindustrie und Medizin die Öffentlichkeit über Gesundheitsthemen assoziiert mit Flugreisen und Infektionen informieren sollten. Es habe sich gezeigt, dass gute Handhygiene das Risiko einer Krankheitsübertragung reduziert und Flugreisende sie zu einem Teil ihrer normalen Reiseroutine machen sollten.

Dr. Gendeau kommentiert: "Auf Grund der immer komfortableren und günstigeren Flugreisen und der Mobilität der Menschen sind nun Luftkeime, Nahrungskeime und von anderen Vektoren übermittelte Infektionskrankheiten, die während eines Fluges übertragen werden, ein wichtiges Thema der öffentlichen Gesundheitsvorsorge. Die erhöhte Angst vor Bioterrorismus brachte die Gesundheitsverantwortlichen dazu, das Potenzial dieser Agenzien, während einer Flugreise übertragen zu werden, erneut zu untersuchen. Der SARS-Ausbruch von 2002 zeigte, dass Flugreisen eine wichtige Rolle bei der raschen Verbreitung neu aufkommender Infektionen spielen und pozentiell auch Pandemien auslösen können. Zusätzlich zur Flugzeugbesatzung haben die Verantwortlichen und Tätigen im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle beim Management der Übertragung von Infektionskrankheiten in Flugzeugen und sollten sich mit den Richtlinien befassen, die von den lokalen und internationalen Behörden herausgegeben werden."

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Quelle: Alexandra Mangili, Mark A Gendreau. Transmission of infectious diseases during commercial air travel. Lancet 2005; 365: 989

http://www.thelancet.com


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