[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 16-Oct-2004
The Lancet

Malaria-Impfstudie mit viel versprechenden Resultaten

Ermutigende Ergebnisse einer Phase-II-Studie zur Effizienz einer Impfung von Kindern gegen Malaria werden in der aktuellen Ausgabe publiziert.

Über eine Million Menschen sterben jährlich an Malaria, darunter sind auch viele kleine Kinder. Das Aufkommen von Resistenzen gegen günstige, vormals effektive Medikamente und ein Bevölkerungswachstum in tropischen Regionen könnten dazu führen, dass am Ende des Jahrzehnts ungefähr 3,5 Milliarden Menschen - die Hälfte der Erdbevölkerung - in Malaria-Gebieten lebt.

Der Malaria-Impfstoff RTS,S/AS02A zeigte sich als potenzieller Wirkstoff gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der schwerwiegendsten Form der Erkrankung: Er wirkt auf ein Vorläuferstadium des Parasiten, bevor die Erythrozyten infiziert werden. Pedro L. Alonso von der Hospital Clinic der University of Barcelona in Spanien und dem Manhiça Health Research Center in Mosambik und seine Kollegen berichten über Ergebnisse einer Phase-II-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes bei kleinen Kindern im Alter von ein bis vier Jahren in Mosambik.

Etwa 2000 Kinder wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt und entweder mit drei Injektionen des neuen Malaria- oder eines Kontroll-Impfstoffes behandelt. Die untersuchten Kinder befanden sich an zwei unterschiedlichen Orten und die Nachuntersuchungen verliefen leicht unterschiedlich: An Kindern der ersten Gruppe (etwa 1600 Teilnehmer) wurde die Wirksamkeit des Impfstoffes bei der Prävention klinischer Episoden von Malaria in einem 6-Monats-Zeitraum untersucht. An Kindern der zweiten Gruppe (etwa 400 Teilnehmer) wurde der Effekt des Impfstoffes auf die Prävention weiterer Neuinfektionen kontrolliert.

Das Risiko, zumindest eine klinische Malaria-Phase zu entwickeln, war während der 6-monatigen Nachuntersuchungszeit bei Kindern, die mit dem Malaria-Impfstoff behandelt worden waren, im Vergleich zu Kindern, die mit Kontroll-Vakzinen geimpft worden waren, um 30 Prozent reduziert. 58 Prozent weniger Kinder entwickelten starke Malaria. In der zweiten Gruppe lag die Wirksamkeit gemessen an der Zeitverzögerung bis zu einer Erstinfektion bei 45 Prozent.

Professor Alonso kommentiert: "Unsere Ergebnisse zeigen die Realisierbarkeit der Entwicklung eines effektiven Malaria-Impfstoffes. Sie betonen auch das Potenzial der modernen Impfstofftechnologie, neue prophylaktische Interventionen gegen komplexe humane Parasiten zu entwickeln. Die Entwicklung eines effektiven Malaria-Impfstoffes kann durch internationale Partnerschaften zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor einschließlich wissenschaftlicher Institutionen in betroffenen Ländern beschleunigt werden. In Kombination mit existierenden und anderen viel versprechenden neuen Methoden zur Kontrolle von Malaria könnten Malaria-Impfstoffe zur Reduktion der intolerabel hohen Belastung durch diese Krankheit beitragen."

In einem Begleitkommentar erklären Philippe van de Perre und Jean-Pierre Dedet von der University of Montpellier in Frankreich. „...die neuere Geschichte der Impfstoffforschung zeigt uns, dass die Entwicklung eines Impfstoffes ein erschreckend langer Prozess ist. Oft benötigt es Jahrzehnte um von der präklinischen Testung eines potentiellen Impfstoffes bis zur Lizenzierung und öffentlichen Verfügbarkeit zu gelangen. Die momentane noch nie dagewesene Partnerschaft zwischen öffentlichen und privaten Trägern zur Entwicklung eines Malaria-Impfstoffes, bei der nationale und internationale Behörden und Firmen die gleichen Ziele verfolgen, sollte diesen Prozess so weit wie möglich beschleunigen und Innovationen fördern. Der RTS,S/ASO2A Hersteller, GlaxoSmithKlineBio, könnte es schaffen den Impfstoff bis zum Jahr 2010 zu lizenzieren. Auf jeden Fall wird der Weg zu einem sicheren und effizienten Malaria-Impfstoff, der zugänglich und in großem Rahmen anwendbar oder sogar in ein großes Impfstoff-Programm eingebunden ist, noch lang und chaotisch sein. Noch für viele Jahrzehnte sollte die Expansion präventiver und therapeutischer Strategien, einschließlich neuer Strategien mit einem zusätzlichen Wert (wie zum Beispiel mit Insektizid imprägnierte Moskitonetze und die Behandlung mit Artemisin-enthaltenden Behandlungsregimen) eine klare Priorität bleiben, um die große Anzahl der Malaria-Todesfälle zu stoppen.“

Sie schlussfolgern: „Säuglinge, Kinder und schwangere Frauen, die in endemischen Gebieten schwer betroffen sind, benötigen mehr denn je die weltweite wissenschaftliche, politische und finanzielle Unterstützung. Das ist eine Frage der Gleichheit, der Menschenrechte und auch einfach des Überlebens der Hälfte aller Erdbewohner.“

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Quelle: Pedro L Alonso, Jahit Sacarlal, John J Aponte, Amanda Leach, Eusebio Macete, Jessica Milman, Inacio Mandomando, Bart Spiessens, Caterina Guinovart, Mateu Espasa, Quique Bassat, Pedro Aide, Opokua Ofori-Anyinam, Margarita M Navia, Sabine Corachan, Marc Ceuppens, Marie-Claude Dubois, Marie-Ange Demoitié, Filip Dubovsky, Clara Menéndez, Nadia Tornieporth, W Ripley Ballou, Ricardo Thompson, Joe Cohen . Efficacy of the RTS,S/AS02A vaccine against Plasmodium falciparum infection and disease in young African children: randomised controlled trial. Lancet 2004; 364: 1411

http://www.thelancet.com


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