[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: Sep-29-04
The Lancet

Niedriges Geburtsgewicht und Kinder minderjähriger Mütter als Indikatoren für erhöhte Selbstmordraten

Ergebnisse einer prospektiven Populationsstudie aus Schweden heben hervor, dass ein niedriges Geburtsgewicht und Kind einer minderjährigen Mutter zu sein, voneinander unabhängige Faktoren sind, die im Zusammenhang mit einem erhöhtem Selbstmordrisiko im späteren Leben stehen. Die Studie zeigt auch, dass als viertes oder noch späteres Kind geboren zu werden und ein niedriger sozioökonomischer Status der Mutter ebenfalls mit einem erhöhten Selbstmordrisiko einhergehen.

Bisher war Forschung zur Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen Faktoren, die das Neugeborene betreffen, geburtsheilkundliche und mütterliche Bedingungen und erhöhtes Selbstmordrisiko bei Erwachsenen selten und zeigte widersprüchliche Ergebnisse. Es wurde noch keine Studie durchgeführt, die gleichzeitig spezifische geburtsheilkundliche Faktoren und Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Geburt sowie die psychosozialen und sozioökonomischen Bedingungen der Mutter analysierte und in Verbindung mit Selbstmorden und versuchten Selbstmorden der Kinder brachte.

Danuta Wasserman vom National Centre for Suicide Research and Prevention des Karolinska Institute in Stockholm und ihre Kollegen beobachteten prospektiv über 700 000 junge, in Schweden zwischen 1973 und 1980 geborene Erwachsene. Die Forscher untersuchten das Verhältnis von versuchten und gelungenen Selbstmorden im Alter zwischen 10 und 26 Jahren.

Ein niedriges Geburtsgewicht (2 Kilogramm oder weniger) und Kinder mit Müttern im Teenager-Alter unternahmen mehr als doppelt so häufig Selbstmordversuche im Vergleich zur Referenzpopulation (die Mehrheit der Personen in der Gesamt-Kohorte, die bei der Geburt etwa 3,5 Kilogramm gewogen hatten und deren Mütter bei der Geburt zwischen 20 und 29 Jahre alt waren). Ein signifikant erhöhtes Risiko für Selbstmordversuche wurde für Personen festgestellt, deren Geburt sehr kurz war (Gefährdungskoeffizient 1,29), die als viertes oder späteres Kind geboren wurden (1,79), oder die Mütter mit niedrigem Ausbildungsgrad (1,36) hatten. Die Forscher zeigen ebenfalls, dass ein höheres Alter der Mutter (29 Jahre oder älter bei der Geburt) die Kinder vor Selbstmordversuchen zu schützen scheint.

Dr. Wasserman kommentiert: "Die berichteten Zusammenhänge fötaler Wachstumsbegrenzung und eines schlechten Zustands der Mutter mit dem Selbstmordverhalten könnten durch psychische Störungen der Eltern und Häufungen von Selbstmordfällen in der Familie begründet sein. Ein schlechter mentaler Gesundheitszustand der Mutter könnte das Wachstum des Fötus sowie seine sozioökonomische Position beeinträchtigen, das Risiko für eine Schwangerschaft im Teenager-Alter erhöhen und psychische Störungen bei diesen Kindern verstärken, die wiederum das Risiko für Selbstmordversuche erhöhen.“

In einem Begleitkommentar erklärt Maria A. Oquendo von der Columbia University in New York: "...Diese Ergebnisse bringen uns einen Schritt weiter in Richtung eines Modells zum Verständnis selbstmörderischen Verhaltens. Mütterliche und vorgeburtliche Faktoren könnten zu einer besonderen Neigung für selbstmöderisches Verhalten beitragen. Die Identifizierung von Einflüssen der intrauterinen Umgebung und der Umgebung während der Geburt auf das Selbstmordverhalten eröffnet uns neue Gebiete bei der Prävention von Selbstmorden. Diese Daten zeigen in der Tat, das eine gute Mutterschaft weit vor dem Tag der Geburt beginnt."

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Quelle: E Mittendorfer-Rutz, F Rasmussen, D Wasserman . Restricted fetal growth and adverse maternal psychosocial and socioeconomic conditions as risk factors for suicidal behaviour of offspring: a cohort study. Lancet 2004; 364: 1135

http://www.thelancet.com


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