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PUBLIC RELEASE DATE: 1-Oct-2004

Nahrungsergänzung durch Vitaminpräparate schützt nicht vor gastrointestinalen Krebserkrankungen

Eine systematische Begutachtung und Meta-Analyse (gepoolte Analyse) schon verffentlichter Daten aus randomisierten Studien weist darauf hin, dass Nahrungsmittelergnzung durch Antioxidanzien (wie zum Beispiel Vitaminprparate) keinen effektiven Schutz gegen gastrointestinale Krebserkrankungen bietet. Einige Kombinationen von Nahrungsergnzungen knnen das Risiko einer gastrointestinalen Krebserkrankung sogar leicht erhhen, whrend Selen mit einer Reduktion des Risikos einhergeht.

Die menschliche Ernhrung besteht aus einer komplexen Mischung aus Oxidanzien und Antioxidanzien. Ein berschuss an Oxidanzien kann durch die Induktion von Gen-Mutationen Krebs verursachen. Goran Bjelakovic von der University of Niss in Serbien und Montenegro und seine Kollegen von der Cochrane Hepato-Biliary Group berarbeiteten alle randomisierten Studien, in denen Antioxidanzien als Nahrungsmittelergnzung mit Placebos zur Prvention von gastrointestinalen Krebserkrankungen verglichen wurden.

Die Forscher ermittelten 14 randomisierte Studien mit insgesamt ber 170 000 Teilnehmern. Insgesamt zeigten die Ergebnisse keinen protektiven Effekt der Nahrungsergnzung mit Beta-Karotin, den Vitaminen A, C, E und Selen (allein oder in Kombination) im Vergleich mit Placebo auf die Hufigkeit von Speiserhren-, Gastrointestinal-, Kolorektal-, Pankreas- und Leber-Karzinomen. In der Hlfte der Studien (als hoch qualitativ eingestuft) gab es eine nur leichte, jedoch statistisch signifikante Erhhung (6 Prozent relativer Risikowert) der Sterblichkeit von Personen, die Antioxidanzien einnahmen im Vergleich zu einer Einahme von Placebos; die Ergebnisse zeigen auch, dass zwei Kombinationen der Nahrungsmittelergnzungen mit einer Erhhung des Todesrisikos assoziiert waren: Beta-Karotin und Vitamin A (30 Prozent Erhhung des relativen Risikos), und die Kombination von Beta-Karotin und Vitamin E (10 Prozent Erhhung des relativen Risikos). Vier der Studien vermuteten, dass Selen mit einer Reduktion des Risikos einer Erkrankung an gastrointestinalem Krebs assoziiert sei, das knnte jedoch auch auf Befangenheit zurckzufhren sein.

Dr. Bjelakovic kommentiert: Wir konnten keine Beweise dafr finden, dass antioxidative Nahrungsmittelergnzungen gastrointestinale Krebserkrankungen verhindern knnen; im Gegenteil, sie scheinen die Gesamtsterblichkeit zu erhhen. Der potenzielle prventive Effekt von Selen sollte in adquaten randomisierten Studien untersucht werden.

In einem Begleitkommentar erklren David Forman von der University of Leeds in Grobritannien und Douglas Altman (Cancer Research UK): "Bjelakovic und Kollegen schtzen auch, dass trotz des nur schwachen relativen Risikos etwa 9000 pro eine Million Personen, die solche Nahrungsergnzungsmittel schlucken, als Folge davon frhzeitig versterben. Die Vermutung, dass Vitaminprparate ihren Konsumenten nicht nur Gutes tun, sondern sie auch tten knnen, ist eine erschreckende Spekulation, wenn man die riesigen Mengen bedenkt, die in einigen Personenkreisen aufgenommen werden. Sie schlieen jedoch auch, dass die Ergebnisse dieser Studie nur als vorlufig angesehen werden sollten: "Die Sterblichkeitsanalyse in der Untersuchung von Bjelakovic und Kollegen zeigt den momentanen Stand, erbringt jedoch keine berzeugenden Beweise der Gefahr. Fr den Fall, dass eine solche Gefahr mit Hilfe einer kompletten berarbeitung der alten Daten gezeigt werden kann, werden diese Forscher die genauen Faktoren bestimmen mssen, die mit diesem Risiko zusammenhngen. Es ist unwahrscheinlich, dass alle Nahrungsergnzungsstoffe einen hnlichen Effekt ausben, und es wird wichtig sein, ein Sicherheitsprofil fr diejenigen zu erstellen, die einen klaren Gesundheitsvorteil bringen.

In der Heart Protection Study (Lancet 2002; 360: 23-33) wurden antioxidative Vitamin-Ergnzungsprparate bei Personen mit einem hohen Risiko fr vaskulre Erkrankungen untersucht. Die Nahrungsergnzung mit Vitaminen fhrte nicht zu einer signifikanten Reduktion des Fnf-Jahres-Risikos fr Herzattacken, Schlaganflle, Krebs oder andere lebensbedrohliche Erkrankungen.

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Quelle: Goran Bjelakovic, Dimitrinka Nikolova, Rosa G Simonetti, Christian Gluud . Antioxidant supplements for prevention of gastrointestinal cancers: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2004; 364: 1219

http://www.thelancet.com