[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 11-Nov-2004
The Lancet

Nutzen einer jährlichen eingehenden allgemeinärztlichen Untersuchung älterer Menschen nur gering

Ergebnisse der bislang umfangreichsten Studie, welche die besten Methoden zur Untersuchung und Behandlung älterer Menschen evaluiert, werden diese Woche beschrieben. Es zeigte sich, dass nicht eine einzelne Vorgehensweise, weder in Bezug auf Untersuchungen (generelle oder gezielte Untersuchung der bedürftigsten Patienten) noch den Behandlungsort (Behandlung zu Hause oder in der geriatrischen Abteilung eines Krankenhauses) substantielle Vorteile im Hinblick auf Sterblichkeitsrate oder Lebensqualität bietet.

Gemäß einer 1990 in Großbritannien erlassenen Richtlinie mussten alle praktischen Ärzte Patienten im Alter von mehr als 75 Jahren eine jährliche eingehende Untersuchung anbieten. Obwohl der Vertrag grob die Bereiche der Untersuchung vorgab, war wenig konkret bezüglich der Methoden, dem Ausmaß und der Art der Untersuchung vorgeschrieben. Astrid Fletcher von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Großbritannien und ihre Kollegen führten eine Studie im allgemeinmedizinschen Umfeld durch, um den Einfluss verschiedener Ansätze zur Untersuchung und Gesundheitspflege älterer Menschen zu evaluieren.

Die Studie schloss über 43 000 Patienten im Alter von mehr als 75 Jahren aus 106 britischen Arztpraxen ein und verglich zum einen generelle gegen gezielte Untersuchungen und zum anderen die folgende Patienten-Pflege zu Hause durch ein geriatrisches Team des Krankenhauses im Vergleich mit einem ambulanten Pflegeteam. Alle Teilnehmer erhielten eine allgemeine Kurz-Untersuchung und wurden anschließend in der generellen Gruppe durch eine Krankenschwester eingehender untersucht. Im Gegensatz dazu wurden in der Gruppe mit gezielten Untersuchungen nur die Patienten weitergehend untersucht, bei denen in der Kurz-Untersuchung Probleme erkannt worden waren. Die Analyse der Studienergebnisse erfolgte nach der Zahl der Todesfälle, Einweisungen in Krankenhäuser und andere Institutionen sowie der Lebensqualität. In einer Folgeuntersuchung nach drei Jahren zeigten sich keine Verbesserungen der Überlebensrate oder weniger Einweisungen in ein Krankenhaus, Pflege- oder Altenheim durch weiterführende Untersuchungen oder eine ambulante geriatrische Pflege. Ein geringer Vorteil bei der sozialen Einbindung entstand bei der durch das Krankenhaus organisierten ambulanten geriatrischen Pflege. Professor Fletcher kommentiert: "Es ist enttäuschend, dass unsere Studie, die bei weitem die größte jemals durchgeführte ist, die Politik der umfassenden und speziellen Untersuchung älterer Menschen in Allgemeinarztpraxen nicht stützt. Wir müssen effektive Strategien finden, um die Gesundheit und das Befinden älterer Menschen zu verbessern, doch ist es auch essenziell, dass diese streng überprüft werden, bevor man sie als Richtlinie einführt.“

In einem Begleitkommentar folgern Andreas Stuck und seine Kollegen von der Universität Bern in der Schweiz: „Die Ergebnisse dieser Studie sollten auf jeden Fall die Ausführung des 'UK National Service Framework Program' beeinflussen, das Gesundheitsvorsorge bei älteren Menschen befürwortet und eine einheitliche geriatrische Untersuchung unterstützt. Die Zahl der behinderten älteren Menschen wird in den nächsten Jahrzehnten weltweit ansteigen. Programme, die den Beginn von Behinderungen verzögern oder deren Häufigkeit reduzieren, sollten daher mit hoher Priorität betrachtet werden.“

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Quelle: Astrid E Fletcher, Gill M Price, Edmond S W Ng, Susan L Stirling, Christopher J Bulpitt, Elizabeth Breeze, Maria Nunes, Dee A Jones, Amina Latif, Nicola M Fasey, Madge R Vickers, Alistair J Tulloch . Population-based multidimensional assessment of older people in UK general practice: a cluster-randomised factorial trial . Lancet 2004; 364: 1667

http://www.thelancet.com


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