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PUBLIC RELEASE DATE: 10-Dec-2004

Steigende Zahl der Krebserkrankungen im Kindesalter in Europa

Forschungsarbeiten aus 19 europischen Lndern dokumentieren, dass Krebserkrankungen im Kindesalter, obwohl noch imer selten, ber die letzten drei Jahrzehnte langsam, aber stndig zugenommen haben.

Krebs ist bei unter 20-Jhrigen selten. Eva Steliarova-Foucher von der International Agency for Research on Cancer in Lyon und ihre Kollegen verwendeten die groe europische Datenbank ber Krebserkrankungen im Kindes- und jungen Erwachsenenalter, um Muster und Trends bei den Inzidenzen und in den berlebensraten in Europa abzuschtzen.

Die Forscher erhielten hochqualitative Daten aus 63 europischen bevlkerungsbezogenen Krebsregistern in 19 europischen Lndern. Die Analyse von 113 000 Krebsfllen bei Kindern und ber 18 000 Krebsfllen bei jungen Erwachsenen whrend der 1970er, 1980er und 1990er Jahre zeigen, dass die Krebshufigkeiten pro Jahr um etwa ein Prozent bei Kindern und etwa 1,5 Prozent bei jungen Erwachsenen stiegen. Die Hufigkeit lag in den 1990er Jahren bei 140 Fllen pro eine Million fr Kinder und 157 Fllen pro eine Million fr junge Erwachsene.

Die Erhhung wurde bei Kindern unabhngig vom Tumortyp festgestellt, whrend bei jungen Erwachsenen die grundlegenden Vernderungen bei Karzinomen, Lymphomen, Weichteilkarzinomen Keimbahn- und ZNS-Tumoren zu finden waren. Gleichzeitig erhhte sich die berlebenszeit der Patienten ber die drei Dekaden substanziell und erreichte eine rechnerische 5-Jahres-berlebensrate fr Kinder von 75 Prozent in Westeuropa und 64 Prozent in Osteuropa; die Ergebnisse fr junge Erwachsene fielen vergleichbar aus.

Dr. Steliarova-Foucher kommentiert: Unsere Ergebnisse sind klare Hinweise auf eine Erhhung der Krebshufigkeit bei Kindern und jungen Erwachsenen whrend der letzten Jahrzehnte und auf eine Beschleunigung dieses Trends. Geografische und zeitliche Muster gaben Hinweise fr zuknftige Studien zu Hintergrnden dieser Krebserkrankungen und stellen einen Indikator der Fortschritte der Gesundheitspolitik in Europa dar.

In einem Begleitkommentar erklrt Catherine Cole vom Princess Margaret Hospital for Children in Perth in Australien: Weltweit leben die meisten Kinder mit Krebserkrankungen in Entwicklungslndern. Trotz einer berlebensrate von 80 Prozent im Westen sterben die meisten Kinder mit Krebserkrankungen in Entwicklungslndern aufgrund fehlender medizinischer Hilfe. Laut Empfehlungen der 'International Society of Paediatric Oncology sollen die verfgbaren Ressourcen in speziellen pdiatrischen Krebsstationen gebndelt werden. Dennoch liegt ein Schwerpunkt auf der Untersttzung und Verknpfung von Stationen in Entwicklungslndern (mit geringem Einkommen) mit etablierten Stationen in der westlichen Welt (Ressourcen-reichen Lndern). Diese Zentren stellen ihre Expertise beim Umgang mit Krebsregistern zur Verfgung und tragen zu unserem Wissen ber Krebshufigkeit und Epidemiologie bei. Die Existenz von kooperativen Tumor-Registern und kooperativen Behandlungsgruppen bei pdiatrischen Krebserkrankungen ist zwei Generationen von pdiatrischen Onkologen zu verdanken. Die Herausforderung besteht nun darin, die Gleichheit beim Zugang zu Krebstherapien fr alle Kinder zu gewhrleisten.....In armen Lndern sollten Experten-Zentren eingerichtet werden, um dort Personal auszubilden. Letztlich wird die Anerkennung durch die WHO und weitere international ttigen Organisationen notwendig sein, um die Behandlung und Pflege von Kindern mit akuter lymphatischer Leukmie und anderen heilbaren Krebserkrankungen als essenziell notwendig einstufen zu lassen."

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Quelle: Eva Steliarova-Foucher, Charles Stiller, Peter Kaatsch, Franco Berrino, Jan-Willem Coebergh, Brigitte Lacour, Max Parkin. Geographical patterns and time trends of cancer incidence and survival among children and adolescents in Europe since the 1970s (the ACCIS project): an epidemiological study. Lancet 2004; 364: 2097

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