[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 19-Nov-2004
The Lancet

Spina bifida: Folsäure-Nahrungsergänzung verhindert 70 Prozent der Fälle

Die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des "offenen Rückens" sind Thema des aktuellen Seminarartikels. Er unterstreicht außerdem eine wichtige medizinische Botschaft an alle Frauen mit Kinderwunsch: 70 Prozent der Fälle von Spina bifida sind durch Folsäure-Nahrungsergänzung zur Zeit um die Empfängnis und in der frühen Schwangerschaft vermeidbar.

Spina bifida entsteht durch eine Störung beim Schließen des Neuralrohrs, dem embryonalen Vorläufer von Rückenmark und Gehirn, und gehört zu den häufigsten Fehlbildungen menschlichen Gewebes. Die Auslöser können vielfältig sein, etwa eine Chromosomen-Aberration oder genetische Störungen. In den meisten Fällen ist die Ursache unbekannt.

Laura Mitchell vom Health Science Center der Texas A&M University und ihre Kollegen verdeutlichen, wie bis zu 70 Prozent der Fälle von offenem Rücken durch die Einnahme von Folsäure rund um die Empfängnis verhindert werden können. Der Mechanismus des schützenden Effektes ist nicht geklärt, erklären die Autoren, dürfte aber mit Genen zusammenhängen, die den Transport und den Stoffwechsel von Folat regulieren.

Die Autoren umreißen außerdem, welche chirurgische und medizinische Versorgung Spina-bifida-Patienten benötigen. Während die Fehlbildung meist erst bei den Neugeborenen operativ geschlossen wird, wurde in den USA eine randomisierte Studie initiiert, mit der Vorteile und Risiken einer Operation im Mutterleib erfasst werden sollen. Die Betroffenen sind meist ihr Leben lang auf medizinische Versorgung angewiesen, die von einem multidisziplinären Team geleistet werden sollte.

Dr. Mitchell schließt: "Spina bifida ist die einzige Geburtskomplikation, bei der sowohl in der Behandlung als auch bei der Vorbeugung überwältigende Erfolge erzielt werden konnten. Das zunehmende Wissen um das menschliche Genom bietet neue Möglichkeiten, den Ursachen der Krankheit auf die Spur zu kommen. Und es bietet auch die Aussicht, verbesserte Strategien zur Vorbeugung des offenen Rückens zu entwickeln. Außerdem könnte womöglich eine Behandlung bereits im Mutterleib -sowenig dies derzeit noch untersucht ist - die Lebensqualität für Menschen mit Spina bifida verbessern."

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Quelle: Laura E Mitchell, N Scott Adzick, Jeanne Melchionne, Patrick S Pasquariello, Leslie N Sutton, Alexander S Whitehead. Spina bifida. Lancet 2004; 364: 1885

http://www.thelancet.com


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