[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 4-March-2005
The Lancet

Vier Millionen Neugeborene sterben jährlich - drei Millionen könnten gerettet werden

Drei von vier Millionen Neugeborenen, die jährlich weltweit sterben, könnten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen gerettet werden, so die Botschaft einer Serie von Artikeln in The Lancet. Jede Stunde sterben etwa 450 Babys im Alter von weniger als vier Wochen, also in der nachgeburtlichen Phase, meist auf Grund vermeidbarer Ursachen. Todesfälle in der nachgeburtlichen Phase sind weltweit etwa doppelt so häufig wie Todesfälle durch von HIV/AIDS. Obwohl 99 Prozent dieser Todesfälle in armen Ländern auftreten, bezieht sich beinahe die gesamte Literatur auf das eine Prozent der Fälle in reichen Ländern.

Die vier Veröffentlichungen der Artikel-Serie sprechen eine auffällige Wissenslücke an und stellen neue Daten vor, die diese Todesursachen genauer erklären sowie einfache, effektive Maßnahmen, um sie zu verhindern. Der Tod von 10 000 neugeborenen Kindern pro Tag - von der Weltpolitik weitgehend ignoriert - erfordert sofortige und langfristige Aktionen von internationalen und professionellen Hilfsorganisationen und nationalen Regierungen sowohl reicher als auch armer Länder.

Der erste Artikel der Serie bietet schlagkräftige Statistiken zur Hilfe gegen die Todesfälle neugeborener Kinder in Ländern, in denen die meisten Todesfälle vorkommen. Drei Viertel aller nachgeburtlichen Todesfälle fallen in die erste Lebenswoche, wobei das höchste Risiko am ersten Lebenstag besteht. Von allen Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren geschehen beinahe vierzig Prozent während der ersten vier Lebenswochen. Süd-Zentralasien weist die höchste absolute Zahl an neonatalen Todesfällen auf, während Afrika südlich der Sahara die höchsten Raten hat. Zwei Drittel der Todesfälle ereignen sich in zehn Ländern (Äthiopien, Afghanistan, Bangladesch, China, Demokratische Republik Kongo, Indien, Nigeria, Pakistan, Indonesien sowie die Tansania).

Die häufigsten direkten Ursachen für neonatale Todesfälle weltweit sind Infektionen (36 Prozent), Frühgeburten (28 Prozent) und Ersticken (23 Prozent). Ein Baby in einem Land mit wenigen Ressourcen, aber einer hohen Sterblichkeitsrate hat das elffache Risiko, an einer Infektion zu sterben als ein Kind in einem reichen Land mit einer niedrigen Sterblichkeitsrate. Tetanus, der in reichen Ländern seit beinahe einem Jahrhundert kaum noch vorkommt, tötet eine halbe Million Neugeborene pro Jahr. Etwa sechzig bis achtzig Prozent der nachgeburtlichen Todesfälle kommen bei Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht vor, obwohl viele davon durch einfache Maßnahmen wie Wärme oder Nahrung gerettet werden könnten.

Über die Hälfte der Frauen in Afrika und Südasien gebären zu Hause in Abwesenheit einer ausgebildeten Person. Länder mit den höchsten nachgeburtlichen Sterblichkeitsraten haben gewöhnlich die niedrigsten Häufigkeiten an Geburten in Kliniken oder in Anwesenheit ausgebildeter Hebammen. Die Autoren schreiben, dass die Prävention neonataler Todesfälle sowohl in Überlebensprogrammen für Kinder als auch in Programmen für sichere Mutterschaft vernachlässigt worden ist. Im Moment konzentrieren sich die Programme zum Überleben von Kindern auf die Prävention von Pneumonie, Durchfall und Malaria, die wichtige Todesursachen sind, jedoch alle nach dem ersten Lebensmonat.

Erstautor Dr Joy Lawn von Saving Newborn Lives/Save the Children-USA und dem Institute of Child Health kommentiert: "Jedes Jahr sterben vier Millionen Babys in den ersten vier Wochen ihres Lebens, meist auf Grund von vermeidbaren Ursachen. Das sind doppelt so viele wie durch HIV/AIDS; obwohl AIDS zu Recht als ein weltweiter Notfall angesehen wird, werden die Todesfälle bei Neugeborenen weitestgehend ignoriert. Während wir diese Herausforderungen versäumen, sterben 450 Babys pro Stunde, vor allem auf Grund vermeidbarer Ursachen. Das ist im 21. Jahrhundert wahrlich skrupellos."

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Quelle: Joy E Lawn, Simon Cousens, Jelka Zupan, for the Lancet Neonatal Survival Steering Team*. Neonatal Survival 1: 4 million neonatal deaths: When? Where? Why?. Lancet 2005; 365: 891

http://www.thelancet.com


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