[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 10 juni 2004

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American Association for the Advancement of Science

Kluger hund: Neue forschungsergebnisse über sprachlernfähigkeit von hunden in Science veröffentlicht

Hundebesitzer, die davon überzeugt sind, dass ihr Tier die menschliche Sprache versteht, können sich jetzt durch neue Forschungsergebnisse über die Sprachlernfähigkeit eines Border Collie, der in einer deutschen Familie lebt, zumindest teilweise in ihrer Überzeugung bestätigt wissen. Nach Meinung der Wissenschaftler, die den Hund mit einem „Vokabular" von ca. 200 Worten untersuchten, haben sich einige Aspekte des Sprachverständnisses früher als die menschliche Sprache und unabhängig von ihr entwickelt.

Diese Forschungsarbeit erscheint in der Ausgabe des Journals Science vom 11. Juni 2004. Science wird von der AAAS, einer gemeinnützigen wissenschaftlichen Vereinigung, veröffentlicht.

„Auch ohne Sprechen zu können ist es möglich, viel zu verstehen," sagte die Hauptautorin des Science-Artikels, Julia Fischer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

„Rico", der fast neun Jahre alte Border Collie, kann die Namen von Spielzeugen, mit denen er nicht vertraut ist, nach nur einer einzigen Nennung der neuen Spielzeug-Wort-Kombination lernen. Die Wissenschaftler führen diese Lernfähigkeit des Hundes auf einen beim menschlichen Spracherwerb bekannten Prozess, das so genannte „Fast Mapping", zurück. Durch Fast-Mapping sind Kinder in der Lage, sehr schnell annähernde Hypothesen über die Bedeutung eines neuen Wortes nach nur einer einzigen Exposition zu bilden.

„Dass Hunde so schnell und mit nur einem Versuch lernen, ist sehr eindrucksvoll. Diese Fähigkeit weist darauf hin, dass die Hirnstrukturen, die einer solchen Lernweise zu Grunde liegen, nicht auf den Menschen beschränkt sind und möglicherweise die evolutionäre Basis für einige der fortgeschrittenen Sprachfähigkeiten des Menschen gebildet haben," sagte Katrina Kelner, stellvertretende Redakteurin für Life Sciences bei Science.

Das deutsche Forscherteam überprüfte zunächst Ricos aus 200 Worten bestehenden „Wortschatz". In einer Serie von kontrollierten Experimenten holte Rico korrekt, nach Namensnennung, insgesamt 37 von 40 Spielzeugen, die durch Zufallswahl unter allen Spielsachen des Hundes ausgewählt wurden. Die Autoren schreiben, dass Ricos „Vokabulargröße" mit der von sprachtrainierten Menschenaffen, Delphinen, Seelöwen und Papageien vergleichbar ist.

Dann prüften die Forscher Ricos Fähigkeit, neue Worte mittels „Fast Mapping" zu erlernen. Fischers Team fügte deshalb zu sieben bereits vertrauten Spielzeugen ein neues Spielzeug hinzu. In einem anderen Zimmer forderte die Besitzerin Rico auf, das neue Spielzeug zu holen, und benutzte dazu einen Namen, den der Border Collie noch nie zuvor gehört hatte.

In sieben von 10 Sitzungen holte Rico das neue Spielzeug richtig. Wie dies auch bei kleinen Kindern der Fall ist, scheint er zu verstehen, dass neue Worte sich auf Objekte beziehen, die noch keinen Namen haben. Einen Monat später holte Rico in drei von sechs Sitzungen das Zielspielzeug aus einer Gruppe bestehend aus vier ihm vertrauten und vier vollkommen neuen Spielzeugen. Diese Erfolgsquote ist laut den Autoren vergleichbar mit der Leistung eines dreijährigen Kleinkindes

„Für Psychologen sind Hunde nun eventuell die neuen Schimpansen," schreibt Paul Bloom von der Yale University in New Haven, Connecticut, USA, in einem begleitenden Science-Artikel in der Sparte „Perspective".

Wissenschaftler sind weltweit dabei zu erforschen, wie Schimpansen Sprache erwerben und kommunizieren.

Die Autoren erheben keinen Anspruch darauf, dass Rico und Kinder ein in gleichem Maße inhaltsreiches Verständnis von Worten haben. Sie weisen jedoch nach, dass Rico die Verbindung zwischen Objekten und Lauten herstellen kann.

„Dies ist ein entscheidender Schritt, der es Tieren ermöglicht, ihre Umwelt zu verstehen," erklärte Fischer.

Fischers Team untersucht jetzt Ricos Fähigkeit, ganze Sätze zu verstehen, wie zum Beispiel Aufforderungen, Spielzeuge in Kisten zu legen oder zu bestimmten Personen zu bringen.

Fischer wies darauf hin, dass diese Studie nicht als Grund dafür angesehen werden sollte, sich einen Border Collie als Attraktion anzuschaffen.

„Border Collies sind Arbeitshunde", sagte Fischer. „Wenn sie Menschen wären, würden wir sie arbeitssüchtig nennen. Sie brauchen viel Pflege und sind anspruchsvolle Tiere, die täglich mindestens vier bis fünf Stunden Aufmerksamkeit erfordern."

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Juliane Kaminski, Josep Call und Julia Fischer gehören zur Abteilung Entwicklungspsychologie und vergleichende Psychologie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Dieses Forschungsprojekt wurde zum Teil von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.

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