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PUBLIC RELEASE DATE: 2-Februar-2004

Gemeinsam gegen die Orientbeule

DFG unterstützt trilaterales Projekt deutscher, israelischer und palästinensischer Wissenschaftler

Die Leishmaniose ist eine Krankheit mit vielen Namen. Im Mittelmeerraum, wo sie hufig auftritt, kennt man sie auch als Aleppo- oder Orientbeule. Sie wird durch unterschiedliche Arten von Leishmanien (Parasiten) ausgelst und ruft ganz verschiedene Krankheitsbilder hervor. Die Folgen sind bei allen schwere Gewebeschden an der Haut oder in inneren Organen. Eine trilaterale Forschergruppe aus deutschen, israelischen und palstinensischen Medizinern, Biologen und kologen untersucht seit etwa fnf Jahren mit Untersttzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Erreger der Leishmaniose, mgliche bertragungswege und Gegenmittel. Trotz teilweise schwieriger uerer Umstnde verliefen die interdisziplinren Arbeiten im Nahen Osten erfolgreich: Sie erbrachten bereits eine Reihe von Ergebnissen, die zur Bekmpfung der Krankheit beitragen knnen.

Die Orientbeule, das Symptom der uralten Infektionskrankheit namens Leishmaniosis cutis (Hautleishmaniose), ist in Deutschland nahezu unbekannt. In vielen Lndern Asiens und Sdamerikas tritt die Leishmaniose hingegen hufig auf, im Nahen Osten und in Indien in den letzten Jahren sogar zunehmend. Hauptbertrgerin der Krankheit ist die zwei Millimeter groe Sandmcke. Ein Stich von ihr gengt, um eine Infektion auszulsen. Einen Impfstoff oder eine medikamentse Vorsorge gibt es derzeit noch nicht. Schwierig gestaltet sich die Behandlung der Leishmaniose: Sie ist mit Nebenwirkungen verbunden und teuer, das heit fr arme Patienten unerschwinglich.

In Israel und den palstinensischen Gebieten kommen drei Arten von Leishmaniose-Erregern vor, die verschiedene Krankheitsbilder verursachen und unterschiedliche bertrger und Wirte haben. 1998 ist ein von der DFG gefrdertes Projekt angelaufen, in dem Wissenschaftler aus Deutschland, Israel und den palstinensischen Gebieten gemeinsam die Krankheit erforschen. Koordiniert wird es von Professor Werner Solbach vom Institut fr Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Medizinischen Universitt Lbeck, dem israelischen Forscher Alon Warburg, Professor am Kuvin-Zentrum fr Untersuchungen von Infektions- und Tropenkrankheiten der Hebrischen Universitt in Jerusalem, und dem palstinensischen Molekularbiologen Ziad Abdeen von der Al Quds-Universitt in Jerusalem.

Durch das Projekt konnten bis heute eine Anzahl von Erkenntnissen gewonnen werden, die - so Werner Solbach - in Deutschland nicht zu erzielen gewesen wren. Das liegt zum einen an der breiten Beteiligung von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Die Arbeitsgruppe umfasst Insektenforscher, Hautrzte, Molekularbiologen, Mikrobiologen, kologen und Tierrzte. Zum anderen sind nur vor Ort die Erreger, Wirte, bertrger und Patienten vorhanden, die ntig sind, um die Forschungen durchzufhren. Zu Beginn ihrer Arbeit mussten die Wissenschaftler zunchst exakte Zahlen ber die Verbreitung der Erreger und die betroffenen tierischen und menschlichen Wirte erheben. Im Rahmen der Untersuchungen, an denen auch die Humboldt-Universitt Berlin und die Universitt Bethlehem beteiligt sind, wurde unter anderem eine neue und sehr empfindliche Nachweismethode fr die Erreger etabliert. Darber hinaus gelang es, bisher unbekannte tierische Wirte und bertrger zu identifizieren, eine weitere wichtige Voraussetzung fr die Bekmpfung der Krankheit. Von besonderer Bedeutung ist aber die Erkenntnis, dass die Zerstrung natrlicher kosysteme durch landwirtschaftliche Nutzung und den Bau neuer Siedlungen die Verbreitung der Leishmaniose frdert. Bewsserungsmanahmen fhren zu einer ppigeren Vegetation, die wiederum eine Zunahme der Wirte und bertrger zur Folge hat. Damit trgt auch die geopolitische Situation im Krisengebiet des Nahen Ostens zur Ausbreitung der Leishmaniose bei.

Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen hat die Kooperation noch ein weiteres positives Ergebnis erbracht. "Ein Ziel des Projektes war es auch", so der deutsche Projektkoordinator Solbach, "den persnlichen Austausch der Wissenschaftler zu frdern. Und in der Tat habe die Zusammenarbeit zu einem besseren Verstndnis der Beteiligten untereinander gefhrt. Das stelle - gemeinsam mit der intensiven Nachwuchsausbildung - eine gute Basis fr zuknftige Arbeiten dar.

Die fr dieses Programm maximal mgliche Frderung von fnf Jahren luft fr das Leishmaniose-Projekt im Frhjahr aus. Werner Solbach und seine Kollegen hoffen, bei einem anderen Trger eine Anschlussfinanzierung sichern zu knnen. Neben der Klrung weiterer wissenschaftlicher Fragen wrde Solbach gerne noch eine gesundheitspolitische Initiative zur Prvention auf den Weg bringen. Doch leider, gesteht der Lbecker Professor ein, gibt es in der von Terroranschlgen geplagten Gegend, in der beispielsweise Schussverletzungen ein greres Problem darstellen als die Leishmaniose, andere Prioritten.

Seit 1995 unterhlt die DFG ein Sonderprogramm zur Frderung deutsch-israelisch-palstinensischer Zusammenarbeit, mit dem sie dazu beitragen mchte, den Friedens- und Kooperationswillen in der Region zu erhalten und zu strken. Das Sonderprogramm ist bei den Partnern im Nahen Osten hoch geschtzt: Fr die Palstinenser bietet es die einzige frei zugngliche Finanzierungsmglichkeit. Die israelischen Universitten werden zwar vom Staat finanziert, sind aber in hohem Mae auf Drittmittel angewiesen. Seit Bestehen des Programms wurden 25 Projekte gefrdert, 17 davon sind bereits abgeschlossen, weitere 18 befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Vorbereitung. Die Mehrzahl der bisher gefrderten Projekte kommen aus der Medizin, Biologie und Agrarwissenschaft, einige auch aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie aus den Geowissenschaften und der Physik. Insgesamt wurden fr das Programm bisher rund 21,5 Millionen Euro aufgewandt. Im April 2001 wurde es wegen der politischen Unsicherheiten vorbergehend ausgesetzt, mittlerweile hat sich die Anzahl der Neuantrge wieder dem bisherigen Durchschnittswert angenhert. Fr die nchste Frderrunde liegen bereits 17 Initiativantrge vor, ber deren Frderung in einem zweistufigen Auswahlverfahren entschieden wird.

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Weitere Informationen zum Leishmaniose-Projekt erteilt Prof. Dr. Werner Solbach, Tel. 0451/5002800, Werner.Solbach@hygiene.ukl.mu-luebeck.de.
ber das trilaterale Programm der DFG informiert Jost-Gert Glombitza, Tel. 228-885-2347, jost-gert.glombitza@dfg.de.