[ Back to EurekAlert! ] PUBLIC RELEASE DATE: 26. März 2004
Dr. Jutta Rateike
Tel: 49-228-885-2665
jutta.rateike@dfg.de

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2004

Sechs Nachwuchswissenschaftler werden für herausragende Forschungsleistungen ausgezeichnet

Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird in diesem Jahr erneut an sechs junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Dies beschloss das Präsidium der DFG in seiner Sitzung am 25. März. Die mit je 16 000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 8. Juni in Bonn gemeinsam verliehen von DFG-Präsident Professor Ernst-Ludwig Winnacker und Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Der Preis ist nach dem Physiker und früheren DFG-Präsidenten Heinz Maier-Leibnitz benannt und wird seit 1977 an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Anerkennung herausragender Leistungen vergeben. Die Mittel für den Preis werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bereitgestellt.

In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden die diesjährigen Preisträger aus 104 vorgeschlagenen Kandidaten ausgewählt. Von den 57 in die Begutachtung aufgenommenen Vorschlägen kamen 15 aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, 19 aus den Lebenswissenschaften, elf aus den Bereichen Physik, Mathematik und Geowissenschaften, vier aus der Chemie und Verfahrenstechnik und acht aus den Ingenieurwissenschaften. Unter den 57 begutachteten Kandidaten waren 20 Frauen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Einzelnen:

Dr. Friedrich Eisenbrand (32), Fachbereich Informatik, Max-Planck-Institut für Informatik, Saarbrücken

Das Forschungsgebiet von Friedrich Eisenbrand liegt im Grenzgebiet zwischen Mathematik und Informatik und beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Aufgabe, optimale Entscheidungen unter sehr vielen Alternativen zu finden. Friedrich Eisenbrand hat mit grundlegenden Beiträgen zur Theorie und Algorithmik der ganzzahligen und kombinatorischen Optimierung bahnbrechende Leistungen erzielt und damit weltweit Anerkennung gewonnen. Seine Arbeiten tragen zu einem tieferen Verständnis der Schwierigkeitsgrade bestimmter Problemstellungen und einer besseren Abschätzung des Lösungsaufwands bei der Anwendung algorithmischer Verfahren bei. In der Praxis finden diese Arbeiten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, so etwa in der Produktionsplanung oder beim effizienten Einsatz personeller und materieller Ressourcen im Luft- und Schienenverkehr.

Friedrich Eisenbrand studierte Mathematik und Informatik an der Universität des Saarlandes und schloss dort 2000 seine Promotion im Fach Informatik ab. Nach Gastaufenthalten in Rom und Berlin und Mitarbeit in der Arbeitsgruppe von Professor Harald Garzinger am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken habilitierte er sich 2003 an der Universität des Saarlandes. Seit 2002 leitet Friedrich Eisenbrand am Saarbrücker MPI eine selbstständige Nachwuchsgruppe.

Dr. Filipp Furche (29), Fachbereich Theoretische Chemie, Universität Karlsruhe

Der Arbeitsschwerpunkt von Filipp Furche ist die Entwicklung quantenchemischer Methoden, ihre Implementierung in hocheffiziente Computerprogramme und deren Anwendung zur Lösung aktueller chemischer Probleme. Diese Untersuchungen sind für die Photochemie und Photophysik von großem Interesse, etwa für die Vorhersage der Elektronenspektren von Molekülen. So führten seine Arbeiten beispielsweise zur lange vermissten Möglichkeit, Geometrien von größeren Molekülen wie Goldclusterionen zu berechnen. Bei diesen theoretischen Arbeiten sucht Filipp Furche stets auch die enge Kooperation mit experimentell arbeitenden Gruppen. Auf seinem Forschungsgebiet, der so genannten zeitabhängigen Dichtefunktionaltheorie, hat Filipp Furche mit innovativen und bahnbrechenden Arbeiten international hohe Aufmerksamkeit erreicht.

Filipp Furche studierte Chemie an den Universitäten Freiburg und Karlsruhe und schloss 2002 seine Promotion in Theoretischer Chemie an der Universität Karlsruhe bei Professor Reinhard Ahlrichs ab. Nach einem Postdoktorandenjahr bei Professor John P. Perdew an der Tulane University in New Orleans, USA, kehrte er nach Karlsruhe an das Institut für Physikalische Chemie zurück.

Dr. Marion Merklein (30), Fachbereich Werkstoffwissenschaften, Universität Erlangen-Nürnberg

Marion Merklein beschäftigt sich mit Fertigungstechnologien, insbesondere mit einem Formgebungsverfahren für Leichtmetalle, dem Laserstrahlumformen. Bei diesem Verfahren werden Metalle kurzzeitig stark erhitzt und gezielt umgeformt. Marion Merklein hat erstmals mikrostrukturelle Änderungen in der Werkstoffstruktur von Aluminiumlegierungen untersucht, die bei dieser Erhitzung auftreten. Darüber hinaus hat sie ein Verfahren zur Aufnahme von so genannten Grenzformänderungsschaubildern entwickelt, die eine Beurteilung der Umformeigenschaften von Blechen ermöglichen. Diese Arbeiten sind für die Beurteilung des Verhaltens von metallischen Werkstoffen wichtig und bergen vor allem für die Fahrzeugindustrie großes Potenzial.

Marion Merklein absolvierte ihr Studium der Werkstoffwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie 2001 ihre Promotion zu Fragen der Werkstoffbeeinflussung beim Laserstrahlumformen abschloss. Sie ist seither dort Wissenschaftliche Assistentin und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie und zuständig für den Bereich "Blech- und Profilbearbeitung". Im Rahmen der DFG-Forschergruppe "Hochleistungsfügetechnik" leitet sie ein Teilprojekt.

Dr. des. Pavlína Rychterová (34), Fachbereich Geschichte, Universität Konstanz

Der Forschungsschwerpunkt von Pavlína Rychterová ist die Literatur des Mittelalters, insbesondere die alttschechische Literatur und die mittelalterliche Erbauungsliteratur. In ihrer Dissertation hat sie sich mit der tschechischen Übersetzung der Revelationes der Birgitta von Schweden durch Thomas von Stítné befasst. Diese interdisziplinäre Arbeit stellt einen der zentralen Texte der spätmittelalterlichen Frömmigkeitsgeschichte in den Mittelpunkt und untersucht erstmals seine Rezeption in einer slawischen Sprache. Damit wird die Vergleichbarkeit der Rezeptionsstile verschiedener Sprachen entscheidend erweitert und erhält die Forschung auf diesem Gebiet ganz neue Impulse. Mit ihrer Arbeit schlägt die seit sieben Jahren in Deutschland lebende und arbeitende Tschechin wichtige Brücken zwischen der deutschen und tschechischen Mediävistik.

Pavlína Rychterová studierte an der Prager Karls-Universität Tschechische Sprache und Literatur, Geschichte und Filmwissenschaft. Ihr Promotionsstudium in den Fächern Geschichte und Slawistik absolvierte sie in Prag und an der Universität Konstanz, wo sie 2003 ihre Dissertation vorlegte. Seither ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz und bearbeitet im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 485 "Norm und Symbol" das Projekt "Religiöses Charisma als Motor und Medium religiöser Kommunikation".

Dr. Volker Springel (33), Fachbereich Astrophysik, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Volker Springels Forschungsinteresse gilt der Kosmologie. Er verbindet in seiner Forschung die computergestützte Physik und die theoretische Astrophysik und hat ein Computerprogramm mit Namen GADGET entwickelt, durch das in einem Simulationsverfahren die Entstehung von Galaxien berechnet werden kann. Dieses neue Berechnungsverfahren ist nicht nur wesentlich schneller als bisherige Simulationen, sondern berücksichtigt auch Faktoren wie galaktische Winde und die Entstehung von Sternen. GADGET wird inzwischen für verschiedenste astrophysikalische Anwendungen genutzt. Für seine Arbeiten wurde Volker Springel 2000 mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet.

Volker Springel studierte Physik an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und schloss 2000 seine Promotion am MPI für Astrophysik in Garching und an der Ludwig-Maximilians-Universität im München mit einer Arbeit zur Entstehung von Galaxien ab. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics der Harvard University arbeitete er zunächst als Unternehmensberater, bevor er 2001 als Postdoktorand an das MPI in Garching zurückkehrte.

Dr. Boris Worm (34), Fachbereich Ökologie/Meereskunde, Universität Kiel

Der Meeresökologe Boris Worm befasst sich mit Fragen der Biodiversität in den Weltmeeren, insbesondere mit den Bedingungen, unter denen sich alternative stabile Zustände von hoher oder niedriger Artenvielfalt entwickeln. Dabei hat er unter anderem die Auswirkungen industrieller Fischereipraktiken auf marine Ökosysteme untersucht. Gemeinsam mit kanadischen Kollegen hat er Daten zur Entwicklung der Raubfisch-Bestände in verschiedenen Ozeanen ausgewertet und erstmals nachgewiesen, dass diese Bestände in weit höherem Maße zurückgegangen sind als bisher vermutet. Diese Daten haben weit reichende Konsequenzen für das Management globaler Fischbestände und für den marinen Umweltschutz. Darüber hinaus untersucht Boris Worm, wie sich die unterschiedliche Verfügbarkeit von Nährstoffen auf das Gleichgewicht von Pflanzen und Tieren in Gewässern auswirkt. Diese Arbeiten sind nicht nur für den Gewässerschutz, sondern für den Naturschutz insgesamt von großer Bedeutung.

Boris Worm studierte und promovierte an der Universität Kiel Biologische Meereskunde, Zoologie und Meereschemie. Nach Abschluss seiner Dissertation 2000 zum Thema "Der relative Einfluss von Konsumenten und Ressourcen auf Nahrungsnetze an Felsküsten" ging er zunächst im Rahmen eines Emmy Noether-Stipendiums der DFG an die Dalhousie University in Halifax, Kanada. Seit 2003 leitet er im gleichen Förderprogramm eine Arbeitsgruppe am Institut für Meereskunde der Universität Kiel.

Die Verleihung der Heinz Maier-Leibnitz Preise findet am 8. Juni um 15 Uhr im Deutschen Museum Bonn, Ahrstraße 45, statt. Journalisten sind herzlich zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen.

###


[ Back to EurekAlert! ]