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ffentliches Erscheinungsdatum: 5-Okt-2007

Kein Fair Play bei Schimpansen

Im Gegensatz zum Menschen sind Schimpansen nicht bereit, faire Angebote zu unterbreiten und unfaire abzulehnen

Diese Verffentlichung ist auch verfgbar auf Englisch.



Frodo hat vielleicht kein Gespr fr Fairness, aber er wei, was gut fr ihn ist. Hier wartet er darauf, dass die Tierpfleger im Wolfgang-Khler-Zentrum fr Primatenforschung das Futter verteilen.

Das Ultimatum-Spiel wurde ursprnglich von dem Wirtschaftswissenschaftler Werner Gth vom Max-Planck-Institut fr konomie in Jena entwickelt. In diesem Spiel erhlt eine Person (Akteur 1) vom Spielleiter eine bestimmte Menge Geld. Akteur 1 kann dieses Geld mit einer anderen Person, dem Akteur 2, teilen. ber den Anteil, den er abgeben mchte, entscheidet Akteur 1 alleine. Allerdings sehen die Regeln fr den weiteren Verlauf des Spiels wie folgt aus: Nimmt Akteur 2 das Angebot von Akteur 1 an, drfen beide den entsprechenden Geldbetrag mit nach Hause nehmen; lehnt er das Angebot jedoch ab, bekommt keiner von beiden etwas.

Die Angst, dass ein unfaires Angebot abgelehnt wird, veranlasst Akteur 1, ein faires Angebot zu unterbreiten. Gewhnlich bieten Menschen einen Anteil von knapp unter 50 % an, denn schlechtere Angebote werden hufig abgelehnt. Das Gespr fr unfaire Angebote und die Bereitschaft, Kosten in Kauf zu nehmen (also auf das angebotene Geld ganz zu verzichten), um ein unfaires Angebot abzustrafen, sind vermutlich ausschlielich dem Menschen eigen. Die Erkenntnisse, die die Wirtschaftswissenschaftler aus dem Ultimatumspiel ableiten konnten, widersprachen damit den bisherigen Vorstellungen vom Homo oeconomicus, dem reines Selbstinteresse unterstellt wurde.



Akteur 1 (links) zieht die Lade mit den Rosinen-Schlchen mittels eines Seils so nah heran, wie es geht (Teilbild1). Akteur 2 (rechts) kann das Angebot annehmen, in dem er ebenfalls am Seil zieht und die Lade dadurch noch nher heranzieht, oder ablehnen, indem er nichts tut (Teilbild 2). Wenn Akteur 2 das Angebot annimmt, knnen beide die Rosinen, die sich in ihrem jeweiligen Schlchen befinden, verspeisen. Im anderen Fall gehen beide leer aus.

In der in der Zeitschrift Science publizierten Studie hat das Forscherteam um Keith Jensen mit Schimpansen, unserem nchsten lebenden Verwandten, eine vereinfachte Version des Ultimatum-Spiels gespielt. Akteur 1 kann hierbei Akteur 2 eine bestimmte Anzahl Rosinen anbieten, indem er eine herausziehbare Lade, auf der sich zwei Schlchen befinden, so nah wie mglich heranzieht (Abb. 2). Ein Zugriff auf die Schlchen ist aber erst mglich, wenn Akteur 2 das Angebot annimmt und die Lade so weit heranzieht, dass beide die Rosinen entnehmen knnen. Wenn Akteur 2 das, was ihm angeboten wurde, nicht mag, zieht er die Lade nicht heran und beide gehen leer aus. Aufgrund vorangegangener Arbeiten wussten die Forscher, dass Schimpansen zwar nicht zhlen knnen, aber sehr wohl in der Lage sind, Quantitten zu unterscheiden.

In verschiedenen Versionen dieses Mini-Ultimatum-Spiels konnte Akteur 1 eine Lade mit 8 Rosinen fr sich und 2 Rosinen fr Akteur 2 heranziehen. Menschen wrden eine solche Aufteilung als unfair empfinden und normalerweise ablehnen. Akteur 1 hatte dann die Wahl: In der ersten Spielrunde konnte er sich entscheiden, ob er das unfaire oder ein faires Angebot unterbreitet (jeder erhlt 5 Rosinen). In der nchsten Spielrunde konnte er ein bermig faires Angebot whlen (2 Rosinen fr sich selbst, 8 fr Akteur 2). In der dritten Spielrunde hatte Akteur 1 keine Wahl - er konnte nur ein unfaires Angebot unterbreiten (8 Rosinen fr sich, 2 fr Akteur 2). Im vierten Spiel konnte Akteur 1 dann Akteur 2 ein uerst unfaires Angebot unterbreiten: 10 fr sich selbst, 0 fr Akteur 2.

Im Gegensatz zu Menschen akzeptierten Schimpansen jedes Angebot - ob unfair oder nicht. Allerdings mit einer Ausnahme: Das einzige Angebot, das sicher abgelehnt wurde, war die Option 10/0, bei der Akteur 2 leer ausgehen wrde. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass Schimpansen nicht bereit sind, faire Angebote zu unterbreiten und unfaire Angebote abzulehnen. Sie verhalten sich also eher wie eigenntzige konomen und weniger wie soziale Reziprokatoren - letztere beziehen sowohl sich selbst als auch den anderen in ihre Handlungsentscheidung mit ein.

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Originalverffentlichung:

Keith Jensen, Josep Call, Michael Tomasello
Chimpanzees are rational maximizers in an ultimatum game
Science, 5. Oktober 2007