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22. Mrz 2004

Deutschland startet klinische entwicklung eines neues tuberkulose-impfstoffs

BMBF-finanzierte Initiative organisiert klinische Erprobung eines im Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie entwickelten Impfstoff-Kandidaten mit höherer Wirksamkeit



Abb.: Fresszellen und Tuberkulose-Erreger. Fresszellen gehren zu den wichtigsten Abwehrzellen des Krpers. Doch der Tuberkulose-Erreger nutzt diese Fresszellen als berlebensraum.

Bild: MPI fr Infektionsbiologie/Volker Brinkmann


Mit jhrlich 2,5 Millionen Todesfllen und 9 Millionen Neuerkrankungen verursacht Tuberkulose (TB) neben AIDS die meisten Opfer unter den Infektionskrankheiten. Als Besorgnis erregend bezeichnet die WHO zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. Mrz 2004 die Zunahme an Tuberkulose-Stmmen, die mit herkmmlichen Mitteln nicht mehr behandelt werden knnen. Bereits 50 Millionen Menschen sind weltweit mit multiresistenten Stmmen infiziert und jhrlich erkranken 300.000 Menschen an dieser Tuberkuloseform, die mit herkmmlichen Mitteln nicht mehr behandelt werden kann. Ein wirksamer Tuberkulose-Impfstoff wird daher dringender denn je bentigt. Einen solchen Impfstoff will ein Konsortium aus Unternehmen und Forschungszentren jetzt erproben. Grundlage ist ein vielversprechender Impfstoffkandidat, den Forscher am Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie in Berlin unter der Leitung von Prof. Stefan H.E. Kaufmann entwickelt haben. Dazu hat jetzt die Vakzine Projekt Management GmbH (VPM) von der Max-Planck-Gesellschaft eine weltweite Lizenz auf mehrere dafr relevante Patente erworben. Die VPM wurde im Rahmen der Impfstoffinitiative des Bundesministeriums fr Bildung und Forschung (BMBF) gegrndet und wird mit dem Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie und der Gesellschaft fr Biotechnologische Forschung (GBF) als BMBF-Projekttrger prklinische und klinische Studien organisieren.

"Bei unserem neuen Kandidaten zur Tuberkulose-Schutzimpfung setzen wir auf gentechnisch vernderte Varianten des seit 1921 eingesetzten Lebendimpfstoffes BCG. Dieser besteht aus abgeschwchten Bakterien, die sehr eng mit TB-Erreger Mycobacterium tuberculosis verwandt sind. BCG hat sich in der Vergangenheit zwar als sehr sicher, aber leider wenig wirksam erwiesen", erklrt Prof. Dr. Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie. "Kinder werden vor bestimmten Tuberkulose-Formen geschtzt. Gegen die Lungentuberkulose der Erwachsenen, die mit Abstand hufigste Form der Erkrankung, wirkt aber BCG berhaupt nicht."

Vermutlich ist der Schutz der klassischen BCG-Impfung so gering, weil nach einer Impfung die BCG-Bakterien von Fresszellen in so genannten Phagosomen eingeschlossen werden. Die Berliner Wissenschaftler um Kaufmann haben daher den BCG-Bakterien das Protein Listeriolysin eingebaut. "Damit sollen die neuen BCG-Varianten die Hlle der Phagosomen durchlchern und so dem Immunsystem besser zugnglich werden. Dies fhrt wiederum zu einer effektiveren Immunantwort, was wir bereits in prklinischen Untersuchungen zeigen konnten", sagt Dr. Leander Grode, Projekt Manager bei der VPM und Miterfinder.

Schtzungsweise ein Drittel der Weltbevlkerung ist mit dem Tuberkulose-Bakterium infiziert. Die Erreger verstecken sich zunchst im Krper. Bei etwa 10 Prozent der Infizierten bricht die Krankheit aus, es kommt zur offenen, ansteckenden TB. Auch in Deutschland ist die Krankheit mit jhrlich ber 7.500 Infektionen lngst nicht ausgerottet. Weltweit steigt die Zahl der Erkrankungen. "Der medizinische Bedarf ist hoch und steigt durch die Ausbreitung so genannter multiresistenter Stmme. Diese knnen mit den gngigen Antibiotika nicht mehr behandelt werden", sagt VPM-Geschftsfhrer Dr. Albrecht Lufer. Eine erfolgreiche Tuberkulose-Schutzimpfung habe daher auch erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Ziel der VPM ist die Entwicklung des Impfstoffs bis Phase II und eine Auslizenzierung an Industriepartner; dabei wird auch die gemeinsame Entwicklung mit Partnern in frheren Entwicklungsstadien erwogen.

Projektpartner

Die Vakzine Projekt Management GmbH (www.vakzine-manager.de) in Braunschweig organisiert und finanziert bundesweit die prklinische und klinische Entwicklung von Impfstoffen sowie verwandten Produkten. Die VPM entstand aus der Impfstoffinitiative des Bundesministeriums fr Bildung und Forschung (BMBF).

Am Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie (www.mpiib-berlin.mpg.de) in Berlin werden die Krankheitsmechanismen einer Reihe medizinisch relevanter Erreger untersucht. Ein Schwerpunkt ist Tuberkulose.

Die Gesellschaft fr Biotechnologische Forschung (www.gbf.de) in Braunschweig ist das Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft fr Infektionsforschung und Projekttrger der Impfstoffinitiative.

Verwandte Links:

[1] Vakzine Projekt Management GmbH

[2] Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie

[3] Gesellschaft fr Biotechnologische Forschung

PDF (71 KB)

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Sabine Englich
Max-Planck-Institut fr Infektionsbiologie, Berlin
Tel.: 030 28460-142
Fax: 030 28460-141
E-Mail: englich@mpiib-berlin.mpg.de

Thomas Gazlig
Vakzine Projekt Management (VPM) GmbH und Gesellschaft fr Biotechnologische Forschung (GBF), Braunschweig
Tel.: 0531 6181-510
Fax: 0531 6181-511
E-Mail: gaz@gbf.de