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PUBLIC RELEASE DATE: 15 Mrz 2005

Lehren aus der Vergangenheit als Verpflichtung für die Zukunft

Max-Planck-Gesellschaft bekennt sich zu ihrer historischen Verantwortung - Forschungsprogramm

Mit einer wissenschaftlichen Tagung in Berlin schliet die von der Max-Planck-Gesellschaft eingesetzte Prsidentenkommission "Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus" ihr Forschungsprogramm nach sechsjhriger Arbeit ab. Im Mittelpunkt der dreitgigen Konferenz (15. - 17. Mrz, Harnack-Haus, Ihnestr. 16) stehen Politik und Verwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft whrend der Zeit von 1933 bis 1945, Rassen- und Vererbungsforschung, Rstungsforschung und Zwangsarbeit an Kaiser-Wilhelm-Instituten, die Frage nach der Verantwortung von Spitzenforschern im Nationalsozialismus sowie die "Vergangenheitspolitik" der Max-Planck-Gesellschaft; sie hat nach dem Zweiten Weltkrieg das Erbe der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angetreten.

Die Initiative fr dieses Forschungsprogramm ging im Jahre 1997 vom damaligen Prsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Hubert Markl, aus. Mit Zustimmung der Gremien der Max-Planck-Gesellschaft setzte Markl eine Prsidentenkommission mit dem Auftrag ein, die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus umfassend zu erforschen. Die Leitung dieser Kommission bernahmen zwei Historiker, die nicht der Max-Planck-Gesellschaft angehren: Prof. Reinhard Rrup von der Technischen Universitt Berlin und Prof. Wolfgang Schieder von der Universitt zu Kln.

"Wir haben keinerlei Einfluss auf das Forschungsprogramm genommen. Die Historiker konnten ohne jegliche institutionelle Befangenheit vllig frei forschen und publizieren", betont Prof. Peter Gruss, seit 2002 Prsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat aufgrund vielfltiger institutioneller und personeller Verbindungen das Erbe der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angetreten. Daher bekannte sich der damalige Prsident Markl im Jahre 2001 zur historischen Verantwortung der Max-Planck-Gesellschaft fr die Schuld, die eine Reihe von damals an Kaiser-Wilhelm-Instituten ttigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf sich geladen hat. Ungeachtet aller moralischen Grenzen hatten sich diese aktiv an der rassistischen Politik im Nationalsozialismus beteiligt. Fr die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft bat Markl berlebende der Zwillingsversuche im Konzentrationslager Auschwitz um Verzeihung fr das Leid, das den Opfern dieser Verbrechen im Namen der Wissenschaft zugefgt worden war. Markl entschuldigte sich auch dafr, dass die Max-Planck-Gesellschaft lange Zeit zu wenig zur Aufklrung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus beigetragen und sich somit ihrer historischen Verantwortung zu spt gestellt hat.

"Mit der Erforschung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, deren Erbe die Max-Planck-Gesellschaft angetreten hat, verdanken wir dem Forschungsprogramm eine grndliche und differenzierte Aufarbeitung eines oft schmerzlichen Teils deutscher Wissenschaftsgeschichte", erklrt Prsident Gruss. Die vorgelegten Ergebnisse seien Anlass zur stetigen Erinnerung an die Verantwortung der Forscher: "Wissenschaftler haben eine wichtige ethisch-moralische Verpflichtung. Sie mssen sich immer bewusst sein, dass die Freiheit der Wissenschaft ihre Grenzen in den Rechten und der Wrde eines jeden Menschen findet." Auch wenn den nachgeborenen Generationen keine persnliche Schuld an den damaligen Verbrechen zuzuweisen sei, trgen sie dennoch Verantwortung fr die Aufklrung und Offenlegung der historischen Wahrheit als Voraussetzung fr ehrliches Erinnern und Lernen. Peter Gruss: "Wir mssen die Lehren aus der Vergangenheit als Verpflichtung fr die Zukunft verstehen."

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Verwandte Links:

[1] MPG-Presseinformation "Es gibt nichts zu verschweigen" vom 13. Oktober 2000

[2] MPG-Presseinformation "Max-Planck-Gesellschaft: Bekenntnis zur historischen Verantwortung" vom 7. Juni 2001

[3] Pressemitteilungen zur Prsidentenkommission "Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus"