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PUBLIC RELEASE DATE: 2004 - Aug-16

Neue mögliche Therapie gegen Schuppenflechte

Substanzgruppe normalisiert Teilung der Oberhautzellen

This press release is also available in German.



Zellbiologen der Universitt Bonn haben in Koorperation mit der Universtity of Leeds (England) und der Industrie mglicherweise eine neue effektive Therapie gegen die Schuppenflechte entdeckt: Eine bestimmte Gruppe so genannter Metalloproteinase-Inhibitoren kann die gesteigerte Teilungsaktivitt der Oberhautzellen (Keratinozyten) normalisieren, die Ursache der unangenehmen Schuppenbildung ist. Toxische Nebenwirkungen konnten die Forscher zumindest in Zellkulturen nicht beobachten. Ihre Ergebnisse erscheinen nun im "Journal of Investigative Dermatology" (Jahrgang 123, Heft 3).

Rund zwei Millionen Deutsche leiden unter Schuppenflechte (Psoriasis vom griechischen psora = Jucken, Kratzen). Bei der unheilbaren Erkrankung ist die Regeneration der Oberhaut (Epidermis) enorm beschleunigt: Erneuert sie sich normalerweise innerhalb von knapp vier Wochen, ist diese Zeitspanne bei Psoriasis-Patienten auf vier bis sieben Tage verkrzt. Grund ist eine stark erhhte Teilungsakivitt der so genannten Keratinozyten. Sie bilden eine Schicht, die die Oberhaut von der tiefer liegenden Lederhaut trennt. Von dieser Keimschicht wandern die alternden Zellen immer weiter nach auen und schuppen schlielich ab.

Die Krankheit verluft schubweise. Typische Merkmale sind scharf begrenzte rote Herde, die mit silberweien Schuppen bedeckt sind. Im Mittelalter hielt man sie fr Lepra-Symptome; ein groer Teil der verfolgten und teilweise sogar verbrannten "Ausstzigen" litt wohl unter der (nicht ansteckenden) Schuppenflechte. Schlimmer als die Hautvernderungen selbst ist bis heute die damit verbundene Stigmatisierung: "Whrend eines Schubes glauben viele Patienten, fr ihre Umgebung kaum noch zumutbar zu sein", erklrt der Bonner Zellbiologe Professor Dr. Volker Herzog. "Manche Betroffene ziehen sich vllig zurck; Depressionen sind nicht selten."

Keine toxischen Nebenwirkungen

Eine der Substanzen, die die Keratinozyten zur Teilung anregen, ist das Protein sAPPa. Es entsteht bei der Spaltung eines greren Eiweies, des APP. Die Keratinozyten produzieren ein Enzym, das APP zu sAPPa zurechtstutzt: die so genannte a-Sekretase. Die Wissenschaftler haben nun diese "molekulare Schere" blockiert. "Wir wussten, dass bestimmte Metalloproteinase-Inhibitoren die a-Sekretase hemmen. Nach Zugabe dieser Substanzen beobachteten wir an Zellen von Schuppenflechte-Patienten, dass die sAPPa-Freisetzung nahezu vollstndig gehemmt wurde. Dadurch ging die stark erhhte Teilungsaktivitt der Keratinozyten 24 Stunden nach der Zugabe um 50 bis 60 Prozent auf normale Werte zurck", erklrt Herzogs Mitarbeiterin Christina Siemes. "Diese Ergebnissen konnten wir an Hautprparaten von fnf Schuppenflechte-Patienten besttigen."

Der hemmende Effekt der Metalloproteinase-Inhibitoren klang innerhalb von 72 Stunden grtenteils ab. Zudem konnten die Wissenschaftler selbst bei fnffacher Wirkstoff-Konzentration keine toxischen Nebenwirkungen beobachten. So blieb unter anderem die Zahl der Hautzellen, die in die Apoptose eintraten, konstant - die Apoptose ist das "Selbstmord"-Programm der Zellen, die sich so bei Fehlfunktionen selbst eliminieren knnen. Auch die zellulre Proteinsynthese blieb unbeeinflusst.

"Die Behandlung mit den von uns untersuchten Metalloproteinase-Inhibitoren scheint eine neue und sehr vielversprechende therapeutische Option gegen Schuppenflechte zu sein", glaubt daher Professor Herzog. "Wir haben damit aber sicherlich nicht das Ei des Columbus gefunden - jede Haut reagiert schlielich anders." Zudem lindern die Substanzen lediglich die Symptome und bekmpfen nicht das zugrunde liegende bel: Die chronische Entzndung der Haut aufgrund permanenter Angriffe durch das krpereigene Immunsystem, auf die die Keratinozyten mit fieberhafter Teilungsaktivitt reagieren.

Die Wissenschaftler wollen ihr Verfahren nun im Tierversuch an Nacktmusen testen, denen sie Hautgewebe von Schuppenflechte-Patienten transplantiert haben. Die Wirkstoffe wollen sie dabei lokal in Form einer Crme verabreichen. In Krze sind zudem erste Tests am Menschen geplant.

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