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PUBLIC RELEASE DATE: 12 Juli 2005

Starke Magnetfelder helfen bei schwersten Depressionen

Neue Therapie hat nur wenige Nebenwirkungen



Bei der "Transkraniellen Magnetstimulation" (TMS) platzieren die rzte eine Spule an der Stirn des Patienten. Der Kranke erlebt die schmerzlose Behandlung bei vollem Bewusstsein.
Foto: Universittsklinikum Bonn
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Als letzte Hoffnung bei schwersten Depressionen gilt heute die Elektrokrampf-Therapie. Doch kann sie noch Wochen nach der Behandlung das Erinnerungsvermgen beeintrchtigen. Eine schonende Alternative scheint die so genannte "transkranielle Magnetstimulation" zu sein. Zu diesem Schluss kommen rzte und Psychologen des Universittsklinikums Bonn in einem Artikel, der jetzt im British Journal of Psychiatry erschienen ist (Band 186 [2005], Seite 410-416).

Depressionen gelten heute als gut behandelbar: Mit einer Psychotherapie oder Medikamenten kann man den meisten Betroffenen aus einer depressiven Epsiode helfen. Etwa fnf Prozent aller Patienten versinken jedoch so tief in der Schwermut, dass sie auf diese Heilmethoden nicht mehr ansprechen. Weil Depressionen eine der hufigsten psychischen Erkrankungen darstellen - jeder Sechste ist mindestens einmal im Leben betroffen -, ist das eine groe Zahl.

In diesen Fllen gilt die Elektrokrampf-Therapie (EKT) als ein Mittel der Wahl. Dabei wird der Kranke narkotisiert. Dann leiten die rzte durch zwei Elektroden Stromimpulse durch seinen Kopf und lsen so einen epileptischen Anfall aus. Dadurch verndert sich die Hirnchemie im Stirnbereich, einer Region, die unter anderem Affekte reguliert und die Aufmerksamkeit steuert.

Wirksame Therapie - schlechtes Image

Jedem zweiten Patienten, der zuvor nicht auf andere Behandlungen ansprach, geht es nach einer Behandlungsserie von einigen Wochen so viel besser, dass man ihn mit Medikamenten oder einer Psychotherapie weiter behandeln kann. "Bei Schwerstdepressiven ist die Elektrokrampf-Therapie heute immer noch eine wichtige Behandlungsoption", betont der Direktor der Bonner Psychiatrischen Klinik, Professor Dr. Wolfgang Maier. Dennoch war das ffentliche Bild dieser Methode lange sehr negativ - nicht zuletzt dank dem Filmklassiker "Einer flog ber das Kuckucksnest". Darin wird ein Psychiatrie-Insasse (gespielt von Jack Nicholson) wegen seines aufmpfigen Verhaltens mit einer EKT-Behandlung "gebndigt".

Die heutige Form der EKT gilt als gut vertrglich. Allerdings kann die Behandlung noch Wochen spter das Erinnerungsvermgen beeintrchtigen. "Diese Gedchtnisstrungen bilden sich zwar in der Regel langsam zurck, werden aber von Patienten verstndlicherweise oft als strend erlebt", sagt der Bonner Privatdozent Dr. Michael Wagner. Grund: Der Stromfluss ist nicht zielgerichtet genug, sondern trifft auch den Hippocampus, das "Erinnerungs-Zentrum" in unserem Gehirn.

Seit kurzem macht daher eine andere Behandlungsmethode von sich reden, die kaum Nebenwirkungen hat: Bei der "Transkraniellen Magnetstimulation" (TMS) platzieren die rzte eine Spule an der Stirn des Patienten. Diese erzeugt fr einige Minuten ein starkes pulsierendes Magnetfeld, das seinerseits im Gehirn einen Stromfluss hervorruft. Dieser ist jedoch so gering, dass er keinen epileptischen Anfall auslst. Der Kranke erlebt die schmerzlose Behandlung bei vollem Bewusstsein.

Die Bonner Mediziner haben insgesamt 30 schwer depressive Patienten entweder mit der Elektrokrampf-Therapie oder der Magnetstimulation behandelt. Beide Methoden wirkten etwa gleich gut: Jeder zweite Kranke versprte eine Woche nach der Behandlungsserie eine deutliche Stimmungsaufhellung. "Zwar erfolgte die Einteilung der Gruppen nicht nach dem Zufallsprinzip, was die Aussagekraft begrenzt", schrnkt Studienleiter Wagner ein. "Auch ist die Teilnehmerzahl zu gering, als dass wir abschlieende Aussagen zur Wirksamkeit treffen knnten." Doch auch andere Studien sprechen fr die stimmungsverbessernde Wirkung der Magnetstimulation.

Erinnerungsvermgen bleibt bei Magnetstimulation unbeeintrchtigt

Die Patienten, die mit Magnetstimulation behandelt worden waren, schnitten nachher in verschiedenen Gedchtnistests ebenso gut oder gar besser ab als vor der Therapie. Bei den Teilnehmern der EKT-Gruppe verschlechterte sich das Erinnerungsvermgen dagegen, wie die Psychologin Svenja Schulze-Rauschenbach herausfand. Dennoch: Die Magnetstimulation ist kein Wundermittel, zumal sie - wie die EKT - die Depression nicht dauerhaft besiegt. Die Patienten mssen nachher immer noch mit anderen Methoden weiter behandelt werden. "Die TMS ist nur ein neues therapeutisches Werkzeug, das auch nicht bei allen Depressionen helfen kann", wehrt sich Michael Wagner denn auch gegen zu hohe Erwartungen.

Nur an wenigen Einrichtungen in Deutschland wird die Wirkung der relativ neuen Behandlungsmethode gegen schwere Depressionen geprft. Am Horizont winken jedoch bereits neue Gerte, die noch wirksamer sein knnten. Das von ihnen erzeugte Magnetfeld ist so stark, dass es ebenfalls einen epileptischen Anfall auslsen kann. Anders als bei der EKT bleibt der Stromfluss bei der Magnetkrampftherapie jedoch auf die "Stimmungsregion" im Gehirn beschrnkt - der Hippocampus bleibt unbeeinflusst. Dr. Wagner: "Wir hoffen damit auf ein weiteres sehr wirksames Verfahren ohne strende Nebenwirkungen."

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