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Mehr Pillen für die Kurzen

Deutsches Aerzteblatt International

KÖLN. Die Verordnungshäufigkeit von Psychopharmaka für Kinder und Jugendliche in Deutschland ist gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommen Sascha Abbas und Koautoren in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 396-403).

Basierend auf den bundesweiten Daten der gesetzlichen Krankenkassen analysierten die Autoren die Verordnungs- und Neuverordnungsraten sowie die erstverschreibenden Arztgruppen für alle Psychopharmaka bei 5 Millionen Kindern- und Jugendlichen. Pflanzliche oder homöopathische Mittel wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Die Psychopharmaka-Prävalenz stieg von 19,6 pro 1 000 Kinder und Jugendliche im Jahr 2004 auf 27,1 im Jahr 2012 an. Deutliche Zuwächse zeigten sich bei Stimulanzien (10,5 auf 19,1 Promille) und Antipsychotika (2,3 auf 3,1 Promille), während die Verordnungshäufigkeit von Antidepressiva gleich blieb. Die Anzahl der Patienten, die erstmalig ein solches Präparat erhielten, war von 2006 auf 2012 überwiegend konstant bis abfallend.

Die Analyse der Daten zeigt, dass die Zunahme der Psychopharmakaverschreibungen nicht auf einer Zunahme von neu therapierten Kindern und Jugendlichen beruht, sondern, dass mehr Patienten, die bereits einmal eine Therapie bekommen hatten, in den folgenden Jahren erneut eine Psychopharmakatherapie erhielten.

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