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Magen-Darm-Erkrankungen belasten Schweizer Gesundheitswesen mit jährlich etwa 45 Millionen Euro

Swiss Tropical and Public Health Institute

In der Schweiz suchen jährlich ca. 300'000 bis 700'000 Patientinnen und Patienten einen Arzt aufgrund einer akuten Durchfallerkrankung auf. Bisher war die finanzielle Belastung für das Schweizerische Gesundheitswesen völlig unklar. Die in der Fachzeitschrift Epidemiology & Infection neu publizierte Studie schätzt nun die direkten zur Heilung anfallenden Kosten ab.

Im Jahr 2012 verursachten Magen-Darm-Erkrankungen Gesundheitskosten zwischen 29 und 45 Mio. Schweizer Franken. Dabei berücksichtigt sind die Kosten für Arztbesuche, Hospitalisierung, Labordiagnostik und Medikamente. Die Studie weist individuelle Kosten einer Durchfallerkrankung von gut 30 bis 4'800 Euro je nach Schweregrad der Erkrankung aus.

«Dies sind sehr konservative Kostenschätzungen. Die volkswirtschaftlichen Kosten wie beispielsweise Arbeitsausfälle und andere indirekte Kosten sind noch überhaupt nicht berücksichtigt», betont Dr. Daniel Mäusezahl, Epidemiologe am Swiss TPH.

«Die Gesamtkosten von Durchfall als ,Volkskrankheit' dürften noch beträchtlich höher liegen. Es erstaunt, dass bei dieser Volkskrankheit so wenig Prävention betrieben wird. Sie führt zu mehr Arztkonsultationen als die Grippe während der Grippesaison», ergänzt Claudia Schmutz, Doktorandin und Hauptautorin der Arbeit.

Campylobacter-Infektion - mit hohen Kostenfolgen

Infektionen mit dem Campylobacter-Erreger verursachen jährliche Kosten von geschätzten rund 8 Mio. Euro. Sie sind die in der Schweiz am häufigsten gemeldeten über Lebensmittel übertragenen Infektionen. In der Regel verläuft eine Campylobacter-Erkrankung mild. In seltenen Fällen kann sie aber zu einer Hospitalisierung mit hohen Kostenfolgen führen. In der Schweiz werden jährlich bis zu 8500 Menschen mit einer Campylobacter-Infektion diagnostiziert.

Die neue Studie folgt auf eine frühere Campylobacter-Ausbruchsuntersuchung in der Schweiz. Dabei zeigte sich ein erhöhtes Risiko für eine Campylobacter-Infektion beim Verzehr von Pouletfleisch insbesondere beim Fondue Chinoise. Die Ansteckungsgefahr ist auch während der Grillsaison deutlich erhöht.

Massnahmen

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die sehr hohen Fallzahlen zur Campylobacteriose mit Hygiene-Massnahmen auf Seiten der Fleischproduzenten aber auch der Konsumenten gesenkt werden könnten. Die Ursachen der meisten anderen Magen-Darm-Erkrankungen sind unbekannt.

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Kontakt

Dr. Daniel Mäusezahl, Studienleiter, Tel 061 284 81 78, daniel.maeusezahl@unibas.ch

Claudia Schmutz, Epidemiologin, Tel. 061 284 87 43, claudia.schmutz@unibas.ch

Dr. Christian Heuss, Kommunikation, Tel. 061 284 86 83, christian.heuss@unibas.ch

Originalstudie

Schmutz C., Mäusezahl D., Bless P.J., Hatz C., Schwenkglenks M. and Urbinello D. (2016) Estimating healthcare costs of acute gastroenteritis and human campylobacteriosis in Switzerland. Epidemiology & Infection. DOI: 10.1017/S0950268816001618 http://dx.doi.org/10.1017/S0950268816001618

Über das Swiss TPH

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist die grösste Institution der Schweiz im Bereich Public- und Global-Health. Durch Forschung, Lehre und Umsetzungsprogramme trägt das Swiss TPH zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung weltweit bei. Ein spezieller Fokus der Aktivitäten richtet sich auf Gesundheitsfragen einkommensschwacher Länder. Die thematischen Schwerpunkte des Instituts liegen in den Bereichen Infektionskrankheiten, nicht-übertragbare Krankheiten, Umwelteinflüsse auf die Gesundheit, Geschlechterfragen, Epidemiologie und Globaler Gesundheit.

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