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Experten für Meeressäugetiere kommen zusammen, um Lösungen zum Schutz von bedrohten Delfinen und Schweinswalen zu fin-den

San Diego Zoo Global

Siebenunddreißig Expertinnen und Experten aus 14 Ländern kommen zwi-schen dem 14. und 18. Dezember im Zisterzienser-Kloster in Heilbronn bei Nürn-berg zusammen, um Optionen zum Schutz für in Flüssen und Küstenregionen be-heimatete Delfinarten zu erörtern, für die gegenwärtig ein starker Populationsrück-gang verzeichnet wird und die in absehbarer Zeit aussterben könnten. Die sich aus Wissenschaftlern, Umweltschützern, Tierärzten und Managern zusammensetzende Gruppe wird erörtern, ob und wie Pläne zur In-situ-Erhaltung (Erhaltung in den na-türlichen Lebensräumen) für vom Aussterben bedrohte kleine Cetaceen (Wale, Delfine und Schweinswale) durch Optionen der Ex-situ-Erhaltung (Erhaltung au-ßerhalb der natürlichen Lebensräume) erweitert werden können.

„In der heutigen Welt sehen wir uns mit dem von vielen Experten als Aus-sterbenskrise bezeichneten Phänomen konfrontiert", so Douglas DeMaster, Mit-glied des Seminar-Lenkungsausschusses und Leiter für Wissenschaft und For-schung am Alaska Fisheries Science Center. „Das Überleben vieler Delfin- und Schweinswalarten, die in Flüssen und Küstengewässern Südamerikas, Afrikas und Asiens beheimatet sind, ist ernsthaft bedroht und es müssen zusätzliche Methoden entwickelt werden, um das Fortbestehen ihrer Existenz sicherzustellen. Dies kann direkten Schutz und entsprechendes Management in halb-natürlichen Reservaten, Schutzgebieten oder Zoos und Aquarien erforderlich machen."

Das Ziel des Seminars besteht darin, einen schrittweisen Ansatz zum Entwi-ckeln von Bestandserholungsplänen zu erstellen, welche bei Bedarf Sicherheits-populationen in Ex-situ-Umgebungen wie beispielsweise Zoos, Aquarien und halb-natürlichen Reservaten und Schutzgebieten zur Verfügung stellen können.

„Bedauerlicherweise hat die wirksame Erhaltung innerhalb der natürlichen Lebensräume dieser Arten in vielen Fällen nicht funktioniert, da die Delfine und Schweinswale von Aktivitäten bedroht sind, die als wesentlich für die menschliche Lebensgrundlage gelten und keine Alternativen bestehen, die in ökonomischer oder sozialer Hinsicht durchführbar wären", so Barbara Taylor Ph.D., Mitglied des Seminar-Lenkungsausschusses und Leiterin des Genetikprogramms für die US National Marine Fisheries. „Es ist sehr schwierig, Änderungen der menschlichen Verhaltensweisen zu bewirken, und es zeigt sich, dass derartige Änderungen nicht rechtzeitig genug erfolgen werden, sodass viele Delfin- und Schweinswalarten aussterben würden, bevor seitens der Gesellschaft angemessene Lösungen um-gesetzt werden. Folglich müssen die Verantwortlichen für Meeresressourcen zu-sätzliche Methoden in Betracht ziehen, wie möglicherweise auch Ex-situ-Optionen, um diese Zeitlücke zu schließen und das Aussterben stark gefährdeter und kritisch gefährdeter kleiner Cetaceen in naher Zukunft zu verhindern."

Die Organisatoren des Seminars haben dafür Sorge getragen, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Ansichten vertreten sind, um offene und ehrliche Erörte-rungen hinsichtlich der Vor- und Nachteile von Ex-situ-Optionen als Mittel zum För-dern der Erhaltung von Delfinen und Schweinswalen zu gewährleisten.

„Dieses Seminar ist eine einzigartige Gelegenheit für den Tiergarten Nürn-berg sowie unsere NGO Yaqu Pacha, da sich beide seit mehr als zwei Jahrzehnten stark für die Erhaltung von Meeressäugetieren engagieren. Es ist offensichtlich das erste Mal, dass In-situ- und Ex-situ-Erhaltungsinitiativen zugunsten des Überlebens von Cetaceen-Arten miteinander verbunden werden", so Dr. Lorenzo von Fersen, Gastgeber des Seminars und Vorsitzender des YAQU PACHA e.V. Im Rahmen des Seminars werden die aus den Versuchen des Nutzens von Ex-situ-Vorgehen zum Schutz des Jangtse-Delfins „Baiji", des Jangtse-Glattschweinswals und des Kalifornischen Schweinswals gewonnenen Erkennt-nisse geteilt. Ebenfalls wird der Erhaltungsstatus von sieben weiteren stark gefähr-deten Arten oder Populationen untersucht und die zum Verhindern deren Ausster-bens verfügbaren Methoden, einschließlich Ex-situ-Optionen, erörtert. Diese sieben Arten, die von Cetaceen-Spezialisten der IUCN als gefährdet (VU), stark gefährdet (EN) und vom Aussterben bedroht (CR) beurteilt wurden, sind:

    o Gangesdelfin (Platanista gangetica) - EN

    o Amazonasdelfin (Inia geoffrensis) - EN

    o Irawadidelfin (Orcaella brevirostris) - EN

    o Tucuxi (Sotalia fluviatilis) - EN

    o La-Plata-Delfin (Pontoporia blainvillei) - VU

    o Kamerunflussdelfin (Sousa teuszii) - CR

    o Bleifarbener Delfin (Sousa plumbea) - EN

Die Seminarteilnehmer entwickeln einen Plan für die nächsten Schritte, wie das Identifizieren von kritischen Datenlücken zur Bewertung der Durchführbarkeit von Ex-situ-Erhaltungsoptionen; der Arten, die am ehesten von Ex-situ-Erhaltung profitieren würden; wann Ex-situ-Maßnahmen für diese Arten beginnen sollten; und eine logische Entscheidungsfindungs-Matrix, die zur Bewertung der Angemessen-heit von Ex-situ-Optionen als Mittel zur Unterstützung von In-situ-Erhaltungsversuchen für diese Arten angewendet werden kann. Auch wenn das Beiwohnen des Seminars geladenen Gästen und Teilnehmern vorbehalten ist, werden die Organisatoren Informationen hinsichtlich der nächsten Schritte, die identifiziert werden, teilen. Darüber hinaus wird der Seminarbericht auch der Öf-fentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Seminarteilnehmer repräsentieren unterschiedliche Interessen und Er-fahrungen, einschließlich: Mitglieder der Cetaceen-Spezialistengruppe der IUCN-SSC, Wissenschaftler, die mit den betroffenen Arten in deren natürlichem Lebens-raum arbeiten, internationale tiergärtnerische Verbände wie unter anderem WAZA, AZA und EAZA, Populationsbiologen der IUCN/CPSG und auf Meeressäugetiere spezialisierte Tierärzte mit weitreichender Erfahrung im Bereich der Arbeit mit Cetaceen in Zoo- und Aquarienumgebungen und in deren natürlichem Lebens-raum.

Gastgeber des Seminars sind der Tiergarten Nürnberg, die National Marine Mammal Foundation (San Diego) und YAQU PACHA e.V. - Organisation für die Erhaltung Südamerikanscher Meeressäugetiere. Ocean Park Corporation (Hong Kong), YAQU PACHA und der Tiergarten Nürnberg haben finanzielle Mittel zur Durchführung des Seminars zur Verfügung gestellt, und die Mitglieder der Cetace-en-Spezialistengruppe der IUCN-SSC werden wissenschaftliche und technische Unterstützung liefern.

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KONTAKT:

Dr. Nicola A. Mögel

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Tiergarten Nürnberg

nicola.moegel@stadt.nuernberg.de

Christina Simmons

Kommunikationsverbindungsstelle, Ex-situ-Optionen für die Erhaltung von Cetace-en

csimmonsesosc@gmail.com

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