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Skat und Poker: Mehr Glück als Geschick?

Heidelberger Wirtschaftswissenschaftler entwickeln Wertungssystem

University of Heidelberg

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Schach setzt spielerisches Können und strategisches Denken voraus, bei Roulette entscheidet allein der Zufall über Sieg oder Niederlage, Gewinn oder Verlust. Doch wie sieht es bei Skat und Poker aus? Sind sie spieltheoretisch als Glücksspiele oder Geschicklichkeitsspiele einzustufen? Dieser Frage, die auch über das Spielen um Geld entscheidet, sind Wirtschaftswissenschaftler der Universität Heidelberg nachgegangen. Prof. Dr. Jörg Oechssler und sein Team entwickelten dazu ein Wertungssystem ähnlich der sogenannten Elo-Zahl beim Schach. Danach haben sowohl Skat als auch Poker einen „Glücksanteil" von mehr als 50 Prozent, langfristig setzt sich jedoch die Geschicklichkeit durch.

„Ob ein Spiel als Geschicklichkeitsspiel oder Glücksspiel eingestuft wird, entscheidet auch über die Frage, ob Geld zum Einsatz kommen darf. Doch die Zuordnung zu diesen Kategorien ist schwierig, da es zwischen den Extremen wie Roulette und Schach viele Schattierungen gibt", sagt Prof. Oechssler. Gerichte stufen Poker in Deutschland rechtlich als Glücksspiel ein, das nur in staatlichen Casinos gespielt werden darf, Skat jedoch als Geschicklichkeitsspiel. Sie berufen sich dabei auf ein Urteil aus dem Jahr 1906. Als Bewertungskriterium wird häufig herangezogen, ob das Ergebnis einer Partie zu mehr als der Hälfte von Glück abhängt. Doch wie sind diese 50 Prozent objektiv zu messen?

Dieser Frage sind die Heidelberger Wissenschaftler in ihrer spieltheoretischen Studie nachgegangen. Sie nutzten dazu die Daten aus über vier Millionen Online-Partien von Schach, Poker und Skat. Daraus entwickelten sie ein Wertungssystem für Poker und Skat, das auf der Methode der Elo-Zahl beim Schach basiert. Diese Zahl beschreibt die Stärke einzelner Spieler. „Da Schach ein reines Geschicklichkeitsspiel ist, liegen die Elo-Zahlen der Spieler sehr weit auseinander. Sie reichen von unter 1.000 bei einem Anfänger bis zu über 2.800 beim derzeitigen Weltmeister. Es gilt: Je breiter die Verteilung der Spielerbewertungen, desto wichtiger ist die Rolle der Geschicklichkeit", erklärt Dr. Peter Dürsch. Bei einem höheren Anteil an Glück und Zufall dürften diese Zahlen also nicht so weit auseinanderliegen.

Genau das zeigen die Ergebnisse der Heidelberger Wissenschaftler: Bei Poker und Skat ist diese Streuung erheblich geringer. Während die Standardabweichung - die durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert - für Schach bei über 170 lag, kam sie bei den anderen beiden Spielen nicht über 30 hinaus. Um einen Vergleichsmaßstab für ein Spiel zu schaffen, das zu mehr als die Hälfte vom Zufall abhängt, ersetzten die Forscher in ihrem Schach-Datensatz jedes zweite Spiel durch einen Münzwurf. In diesem Fall ermittelten sie eine Abweichung, die mit 45 immer noch deutlich höher ausfällt als die von Poker und Skat. „Beide Spiele liegen damit unterhalb der Schwelle von 50 Prozent Geschicklichkeit, hängen also überwiegend vom Zufall ab", sagt Marco Lambrecht. „Dennoch setzt sich die Geschicklichkeit langfristig durch. Unsere Auswertungen zeigen: Nach ungefähr einhundert Partien würde ein Pokerspieler, der um eine Standardabweichung besser ist als sein Gegenspieler, mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit mehr Partien gewonnen haben als sein Gegenspieler."

Nach Angaben der Wissenschaftler lässt sich die Methode prinzipiell auf alle Spiele anwenden, bei denen ein Gewinner ermittelt wird. So ist der Geschicklichkeitsanteil beim beliebten Kartenspiel Mau-Mau noch deutlich niedriger als der bei Poker, während der Geschicklichkeitsanteil bei dem chinesischen Brettspiel Go sogar noch über dem von Schach liegt.

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Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden im Fachmagazin „European Economic Review" veröffentlicht.

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