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Der Duft des Miteinander - Ratten riechen Hilfsbereitschaft

Forschungsteam mit Göttinger Beteiligung untersucht Sozialverhalten von Nagetieren

University of Göttingen

Research News

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IMAGE: Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist, wie die meisten Rattenarten, sehr gesellig und kooperiert, um sich gegenseitig zu helfen. view more 

Credit: Manon Schweinfurth

Wanderratten sind äußerst sozial. Sie leben in Gruppen und helfen Artgenossen, an Futter zu kommen, wenn ihnen vorher selbst geholfen wurde. Gegenüber eigennützigen Partnern sind sie hingegen weniger großzügig. Wie aber bestimmen sie die Hilfsbereitschaft ihrer Sozialpartner? Eine Studie der Universitäten Bern, Göttingen und St. Andrews zeigt nun, dass sie dafür den Geruch heranziehen, der bei einer Hilfeleistung abgegeben wird. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen.

Gegenseitige Hilfe ist im Tierreich weiterverbreitet, als man denkt. Besonders häufig wechseln sich Tiere bei der gegenseitigen Körperpflege ab, aber auch bei der Nahrungsbeschaffung, beim Wache schieben und bei der Brutpflege folgen viele Tiere dem Prinzip „wie du mir, so ich dir". Dabei muss aber immer darauf geachtet werden, von egoistischen Sozialpartnern nicht ausgenutzt zu werden. Wanderratten helfen sich gegenseitig, an Futter zu kommen, und sie wechseln sich in der sozialen Fellpflege ab. Sie tauschen dabei sogar unterschiedliche Annehmlichkeiten untereinander aus, etwa nach dem Motto „verschaffst Du mir einen Leckerbissen, putze ich dir das Nackenfell". Aber wie nehmen sie die Hilfsbereitschaft von Sozialpartnern tatsächlich wahr, um entscheiden zu können, wem sie helfen sollen? Ratten sind nachtaktiv und sehen vergleichsweise schlecht. Sie kommunizieren im Ultraschallbereich und sie haben - wie Nagetiere allgemein - einen hochentwickelten Geruchssinn. Wie nehmen sie also wahr, wie freizügig bestimmte Artgenossen sind? Nur hilfreichen Partnern gegenüber sollten sie selbst großzügig sein.

In einer Serie von Experimenten haben Forschende an der Ethologischen Station Hasli der Universität Bern nun gezeigt, dass die Informationsquelle, die Ratten für ihre Entscheidung heranziehen, anderen zu helfen, der bei der Hilfestellung produzierte Geruch ist. Nina Gerber, die diese Versuche durchführte, hat die Tiere dafür so mit Sozialpartnern kombiniert, dass sie deren Hilfeleistung und den Geruch, den sie dabei abgeben, experimentell entkoppelte. „Egal, ob die Partnerratte im Nachbarabteil hilfsbereit war oder nicht - sobald dem Versuchstier der Geruch einer anderen Ratte, die einem anderen Tier half, in den Käfig geblasen wurde, stimmte sie das kooperativ", sagt Erstautorin Dr. Nina Gerber, die inzwischen in der Abteilung Wildtierwissenschaften der Universität Göttingen arbeitet.

„Überraschenderweise war der Geruch, und nur dieser allein, für die Hilfsbereitschaft der Versuchstiere verantwortlich, selbst wenn die Hilfeaktion in einem anderen Raum stattfand - also einzig und allein die dort abgesaugte Luft in den Versuchskäfig übertragen wurde", ergänzt Manon Schweinfurth, die an der Studie beteiligt war, und zur Zeit an der Fakultät für Psychologie und Neurowissenschaften der University of St. Andrews forscht. Damit konnten jegliche alternativen Reize als mögliche Auslöser für die Hilfsbereitschaft der Versuchstiere ausgeschlossen werden, da nur der Luftstrom von Raum zu Raum transferiert wurde, also weder visuelle noch akustische Signale zur Verfügung standen.

Auch wenn Menschen sich offenbar nicht wie Ratten auf die Kommunikation durch Gerüche verlassen, weisen einige Studien darauf hin, dass Gerüche der Schlüssel zur Partnersuche sind und dass der Geruch bestimmter Chemikalien das Vertrauen in andere erhöhen kann. Ob es einen „Duft des Miteinander" bei Menschen gibt, wäre eine interessante Frage für zukünftige Studien.

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Originalveröffentlichung:
Gerber N et al "The smell of cooperation: rats increase helpful behaviour when receiving odour cues of a conspecific performing a cooperative task", Proceedings of the Royal Society B.
Doi: https://doi.org/10.1098/rspb.2020.2327

Kontakt:
Dr. Nina Gerber
Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Wildtierwissenschaften
nina.gerber@uni-goettingen.de

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