Skip to main content

PUBLIC RELEASE DATE: 12 April 2006

Ausgezeichneter Nachwuchs: DFG benennt Heinz Maier-Leibnitz-Preisträger 2006

Sechs junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler knnen sich ber die Auszeichnung mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis und je 16 000 Euro Preisgeld freuen. Die Preistrger im Jahr 2006 berzeugten das Auswahlgremium durch herausragende Leistungen in den Neurowissenschaften, der Theoretischen Physik, der Klassischen Philologie, der Neuroonkologie, der Polymerchemie und der Biophysik. Mit dem vom Bundesministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis untersttzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Nachwuchsforscherinnen und -forscher in ihrer wissenschaftlichen Weiterentwicklung. Der Preis ist nach dem im Jahr 2000 verstorbenen ehemaligen DFG-Prsidenten und Atomphysiker Heinz Maier-Leibnitz benannt. Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wird am 13. Juni 2006 im Max-Liebermann-Haus in Berlin verliehen.

Die Preistrger im Einzelnen:

Laure Bally-Cuif (38), Neurowissenschaften, GSF-Forschungszentrum fr Umwelt und Gesundheit, Mnchen

Die Neurowissenschaftlerin Laure Bally-Cuif untersucht, welche Mechanismen und Faktoren die Entwicklung der Nervenzellen und des Nervensystems sowie die Funktion des Gehirns von Wirbeltieren steuern. Sie konzentriert sich dabei auf die Mittel- und Hinterhirnregion von Zebrafischen. Dort liegen Zentren, die das soziale Verhalten entscheidend beeinflussen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Funktion und Regulation (An- und Abschaltung) bestimmter Gene in der Entwicklung dieser Hirnregionen. Um der Komplexitt des Gehirns gerecht zu werden, betrachtet sie in einem integrierten Ansatz die verschiedenen Steuerungsprozesse in ihrem Zusammenspiel. Auerdem interessiert sie sich fr bestimmte molekulare Aspekte der Drogenabhngigkeit.

Holger Gies (33), Theoretische Physik, Institut fr Theoretische Physik, Universitt Heidelberg

Holger Gies arbeitet im Bereich der Quantenfeldtheorie. Er behandelt die Probleme dieser Wissenschaft, die sich mit den kleinsten, diskreten Einheiten einer physikalischen Gre befasst, analytisch wie numerisch. Insbesondere beschftigt er sich mit dem Bereich der Starken Wechselwirkung bei niedrigen Energien. Um diese Effekte zu beschreiben, nutzt Gies so genannte Renormierungsflsse. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit unter anderem in einer von der DFG gefrderten Emmy Noether-Nachwuchsgruppe sind die Eigenschaften des Quantenvakuums. Das Quantenvakuum beschreibt den Zustand der niedrigsten Energie in der Quantenphysik. Gies Fortschritte auf diesem Gebiet sind fr Fragen der Astrophysik kompakter Sterne, der Teilchenphysik mit starken elektromagnetischen Feldern und der Quantenvakuumeffekte in Mikro- und Nanomechanik relevant. Einen besonderen Erfolg hatte Gies mit Arbeiten zu Quantenvakua, in denen er erstmals die Casimir-Kraft in Nanostrukturen berechnen konnte.

Jonas Grethlein (27), Klassische Philologie, Seminar fr Klassische Philologie, Universitt Freiburg

Der Grzist und Althistoriker Jonas Grethlein beleuchtet alte Texte in neuem Licht. In seiner Dissertation betrachtete er Asyl und Athen. Die Konstruktion kollektiver Identitt in der griechischen Tragdie und widmete sich in der Habilitation der Thematik Geschichte, Geschichtlichkeit und Erzhlung in der Ilias. Dabei nhert er sich ganz klassisch mit akribischer philologischer Textarbeit den Werken, um dann durch die Anwendung moderner Methoden und Konzepte eine neue Sicht auf das homerische Epos zu erffnen. In einer von der DFG gefrderten Emmy Noether-Nachwuchsgruppe wendet er sich Geschichtsbildern in der griechischen Literatur der Archaik und Klassik zu. In dem Projekt geht es Grethlein sowohl darum, die kulturgeschichtlich relevanten gemeinsamen Voraussetzungen fr die Vorstellungen zu verstehen, mit denen die Griechen der Geschichte begegneten, als auch einen literaturgeschichtlichen Vergleich der Textgattungen zu ziehen.

Ana Martin-Villalba (34), Neuroonkologie, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Die Medizinerin Ana Martin-Villalba untersucht die Rolle des CD95-Signalsystems fr physiologische und pathophysiologische Prozesse im Nervensystem. Der CD95-Signalweg steuert den programmierten Zelltod von Nervenzellen. Hier hat Martin-Villalaba herausgefunden, dass eine Blockade dieses Signalwegs, beispielsweise nach Rckenmarksverletzungen oder Schlaganfllen, die Folgeschden reduziert und die Heilung frdert. Diese Erkenntnisse sind fr mgliche Behandlungsmethoden von groer Wichtigkeit; bei Rckenmarksverletzungen von Musen konnte beispielsweise eine bleibende Querschnittslhmung verhindert werden. Die Medizinerin hat zudem die Bedeutung dieses Signalwegs fr das sich entwickelnde Nervensystem untersucht und eine regelnde Funktion fr die Bildung von Nervenzellen und Nervenfasern gefunden. Neueste Erkenntnisse Martin-Villalbas zeigen, dass der CD95-Signalweg in bsartigen Hirntumoren, Gliomen, die Zellwanderung und damit das Tumorwachstum beeinflusst.

Bernd Smarsly (34), Polymerchemie, Max-Planck-Institut fr Kolloid- und Grenzflchenforschung, Potsdam

Dem Materialwissenschaftler Bernd Smarsly geht es um Ordnung. Und zwar in dnnen Schichten. Denn dnnste Schichten von Materialien mit verschiedensten Eigenschaften in seinem Fall geordnete, mesoporse Materialien wie Titandioxid, Hafniumdioxid, Aluminiumoxid, aber auch Verbindungen wie ferroelektrische Perowskiten knnen groe Wirkung haben, sei es in technischen Verfahren, wie Adsorption- und Trennverfahren, der Katalyse neuartiger Stoffe und durch bisher nicht realisierbare optische und elektronische Effekte. . Anwendungen dieser Forschungen knnen neue Solarzellen und Sensoren sein. Smarsly bringt in seine Arbeit Erfahrungen aus der Chemie, der Physik und der Mathematik ein und optimiert die Synthese der von ihm erforschten Stoffe ebenso erfolgreich wie die dazugehrigen analytischen Verfahren, mit denen er auch fehlgeordnete und partiell ungeordnete anorganische Materialien untersucht.

Fabian Theis (29), Biophysik/Mathematik/Informatik, Naturwissenschaftliche Fakultt III, Universitt Regensburg

Der in Mathematik und Computer Sciences promovierte Fabian Theis arbeitet in der statistischen Datenanalyse und Signalverarbeitung. Dabei bringt er Mathematik, Informatik, Physik und Neurowissenschaften zusammen. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Blind Source Separation (BSS), zu deutsch Blinde Datenseparation. BSS steht fr den Versuch, aus sich berlagernden Signalen die dahinter liegenden verschiedenen, unabhngigen Quellen auszumachen. Theis hat zu diesem Zweck neue und effiziente Algorithmen entwickelt, wendet sich aber auch mglichen Anwendungen wie der digitalen Sprachanalyse und -verarbeitung, den Untersuchungen von Finanzmarktentwicklungen bis hin zur Datenanalyse in der Biomedizin zu. Gerade Fragestellungen wie die biomedizinische Datenanalyse und die Modellierung neurowissenschaftlicher Probleme bearbeitet Theis interdisziplinr und entwickelt dabei neue Theorien und Algorithmen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Theis sind selbstlernende Maschinen und neuronale Netzwerke in der Signal- und Bildverarbeitung. Dabei sind es wieder Algorithmen, die es der Maschine ermglichen, ihre Struktur, Programme oder Daten zu optimieren.

###