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PUBLIC RELEASE DATE: 8-Dec-2006

Ebola-Ausbruch tötet 5.000 Gorillas

Dringender Bedarf für eine Impfkampagne



Abb.: Geschtzter Lebensraum der Menschenaffen Populationen.
Bild: Dr. Peter Walsh, Max-Planck-Institut fr evolutionre Anthropologie

Ausbrche der tdlichen Krankheit Ebola in Afrika gingen in den vergangenen Jahren immer wieder einher mit dem Sterben von Schimpansen und Gorillas in den benachbarten Wldern. Heftig umstritten war, ob es sich dabei nur um isolierte Ereignisse gehandelt hat oder um Anzeichen eines Massensterbens unter den Affen. Jetzt hat ein internationals Forscherteam aus Deutschland, Spanien und Schweden diese Debatte durch neue Befunde beendet, die berzeugend belegen, dass Ebola in einem einzigen Schutzgebiet allein in kurzer Zeit ber 5.000 Gorillas gettet hat. Die Studie lsst allerdings auch hoffen, denn mit einer gezielten Impfkampagne knnten die verheerenden Folgen von Ebola auf frei lebende Gorillas und Schimpansen klar eingegrenzt werden (Science, 8. Dezember 2006).

Seitdem im Jahr 2003 erstmals ber das massenhaftes Sterben von Affen berichtet wurde, haben Skeptiker immer wieder in Zweifel gezogen, ob es sich dabei tatschlich um ein Massensterben handelt und ob Ebola auch wirklich die Ursache dafr sei. Die jetzt unter Leitung von Magdalena Bermejo von der Universitt Barcelona verffentlichte Studie zerstreut diese Zweifel, denn sie wurde in einer gut kontrollierten Gorilla-Population durchgefhrt. Genetische Tests besttigten Ebola eindeutig als Todesursache. Bermejo und ihre Kollegen vom Max-Planck-Institut fr evolutionre Anthropologie und der Universitt Uppsala zeigten erstmals, dass 93 Prozent (221 of 238) der individuell bekannten Gorillas im Lossi-Schutzgebiet im Nordwesten Kongos durch Ebola whrend der Ausbrche 2002 und 2003 gettet wurden. An Hand von Auszhlungen zeigten die Forscher, dass sich die 95 prozentige Gorilla-Sterberate ber ein weitaus greres Gebiet von einigen Tausend Quadratkilometern erstreckt. Auch die Schimpansen waren mit einer Todesrate von 77 Prozent stark davon betroffen.

Lossi ist jedoch nur einer von vielen anderen Standorten mit Massensterben von Gorillas und Schimpansen, die durch Ebola in den vergangenen zwlf Jahren verursacht wurden. Genaue Zahlen, wie viele Affen tatschlich gestorben sind, sind nicht verfgbar. Aber angesichts der groen Zahl betroffener Lebensrume drften diese Ebola-Ausbrche etwa ein Viertel der Welt-Gorilla-Population dahingerafft haben. Besonders stark waren die Folgen auf groe, weit entfernt liegende Schutzgebiete, die eigentlich als letzte Zufluchtssttte fr die Affen gedacht waren. Ebola hat die Affen dort zwar nicht vllig ausgerottet, aber einst groe Populationen sehr stark dezimiert, so dass sie jetzt weitaus weniger widerstandsfhig sind gegen illegale Jagd und andere Gefahren.

Ebenso beunruhigend sind neue Studien, die zeigen, dass sich die Ebola-Infektionen sehr rasch in Richtung auf einige der letzten in der Region noch verbliebenen Schutzgebiete ausbreiten. Die Ergebnisse der neuen Studie legen allerdings nahe, dass der Schutz der verbliebenen Affenpopulationen gegen Ebola viel einfacher sein knnte als bisher angenommen. In Lossi wurden die meisten der Gorillas nicht direkt durch einen Wirt im Schutzgebiet infiziert, wie bisher angenommen. Vielmehr scheint sich die Epidemie eher von einer sozialen Gruppe zur anderen zu bertragen. Das erffnet die Mglichkeit fr gezielte Impfstrategien, die - durch Unterbrechen der bertragungskette - viel effizienter sein knnten als bei Ausbrchen, die komplett durch direkte bertragung getrieben werden. Die Vorhersehbarkeit der bertragungsrate der Ebola-Infektionswelle wrde ermglichen, dass man die Impfung direkt vor die vorrckende Infektionswelle platzieren und auf diese Weise stoppen knnte.

Das bisherige Fehlen von Impfprogrammen ist nicht etwa auf einen Mangel an Impfoptionen zurck zu fhren, da man mit verschiedenen Impfungen inzwischen Laboraffen vor Ebola schtzen kann und groe Impfstofflabore interessiert sind zu helfen. "Vielmehr ist es die Unsicherheit darber, ob eine umfassende Ebola-Kontrolle notwendig oder berhaupt mglich ist, welche die groen Spender und Hilfsorganisationen gelhmt hat", sagt Peter Walsh, Koautor der Studie vom Leipziger Max-Planck-Institut fr evolutionre Anthropologie. "Wir hoffen, dass die Klarheit unserer Ergebnisse einige ffentliche oder private Spender bewegen wird, jene zwei bis drei Millionen Dollar bereit zu stellen, die fr die Entwicklung einer sicheren und effektiven Ebola-Impfung fr frei lebende Affen bentigt werden."

Walsh betont, dass die Ebola-Impfung eine kosteneffiziente Methode zum Schutz der Affen ist. "Viele der im Artenschutz aktiven Leute sind eingeschchtert durch die anfnglichen Kosten einer Impfung und wrden stattdessen das Geld lieber in die Bekmpfung der Wilderei investieren. Was sie nicht einrechnen ist die Tatsache, dass ein Jahr Ebola-Impfung so vielen Affen das Leben retten knnte wie zehn Jahre Kampf gegen die Wilderei. Wir mssen beides tun." Walsh hebt auch hervor, dass Ebola durchaus das Potential hat, jahrelange Investitionen in den kotourismus innerhalb kurzer Zeit zu zerstren. Beispielsweise wurde das Gorilla-Ansiedlungsprogramm von Magdalena Bermejo im Lossi-Schutzgebiet Mitte der 1990er-Jahre in Kooperation mit dem "Ecosystem Forestiere dAfrique Centrale (ECOFAC)" der Europischen Union auch deshalb in Gang gesetzt, um der einheimischen Bevlkerung ein Einkommen aus dem kotourismus zu ermglichen. Doch Ebola hat nicht nur viele der in Lossi angesiedelten Gorillas gettet, sondern auch jahrelange Investitionen in den kotourismus im benachbarten Odzala-Nationalpark durch die Vernichtung der dortigen Gorilla-Bestnde neutralisiert.

"Wir befinden uns in einer Periode, in der relativ geringe Investitionen sowohl in die Ebola-Kontrolle als auch in die Bekmpfung der Wilderei es langfristig ermglichen wrden, die Zukunft unserer engsten Verwandten wirklich zu sichern", sagt Walsh. "Lasst uns diese Chance nicht versumen."

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